Kassenautomat abgeschaltet Stadtwerke Osnabrück schaffen Barzahlung ab

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Außer Betrieb: An diesem Kassenautomaten können Stadtwerke-Kunden ihre Stromrechnung seit rund vier Wochen nicht mehr begleichen. Foto: Philipp HülsmannAußer Betrieb: An diesem Kassenautomaten können Stadtwerke-Kunden ihre Stromrechnung seit rund vier Wochen nicht mehr begleichen. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. Wer seine Stromrechnung bei den Stadtwerken Osnabrück begleichen will, kann das nur noch über eine Bank tun. Der Energieversorger hat den Automaten außer Betrieb genommen, bei dem auch Barzahlungen möglich waren.

In Tränen aufgelöst rief am Freitag eine Stadtwerke-Kundin aus dem Stadtteil Schinkel in unserer Redaktion an. Sie habe über 200 Euro Schulden bei den Stadtwerken – und im Briefkasten die Ankündigung, dass in der kommenden Woche der Strom abgestellt werden solle. Das Geld hätte sie in bar parat. Doch als sie damit zur Stadtwerke-Zentrale in die Alte Poststraße ging, musste sie erfahren, dass der Automat, in den sie und ihr Mann jahrelang eingezahlt haben, nicht mehr in Betrieb ist. Und zu ihrer Bank in Lotte könne das Ehepaar gerade nicht gelangen, weil keiner der beiden mobil sei.

Seit vier Wochen

Vor rund vier Wochen sei der Kassenautomat abgestellt worden, bestätigt Nicole Seifert von den Stadtwerken unserer Redaktion auf Anfrage. Genutzt hätten ihn nur 0,3 Prozent aller Kunden.

„Der große Teil der Kunden zahlt per Lastschrift oder Überweisung“, so Seifert. 90 Prozent hätten den Stadtwerken ein Lastschriftmandat zum Abbuchen erteilt, der Rest zahle per Einzelüberweisung oder Dauerauftrag. „So sind die Leute es zumeist auch von anderen Unternehmen – etwa bei ihrem Handyvertrag – gewohnt, weniger mit Bargeld zu hantieren, sondern eher digitale Wege zu nutzen“, sagt Seifert.

Der Automat steht nach wie vor in der Stadtwerkezentrale, den Zugang hat der Energieversorger jedoch versperrt. Der laufende Betrieb und die Wartung hätten nicht mehr im Verhältnis zur Nutzung gestanden, so Seifert. Bareinzahlungen sind damit nicht mehr möglich. Kunden hätten ja die Möglichkeit, das Geld bei einer Bank bar einzuzahlen. „Das kann Gebühren kosten“, räumt Seifert ein.

641 Stromsperren im Jahr 2017

641 Haushalten haben die Stadtwerke im Jahr 2017 den Strom abgeklemmt, 2016 waren es 558, 2013 aber auch schon 990. Das ging im Frühjahr aus einer Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Linken hervor. Wer Stromschulden hat, kann bei der Stadt einen Antrag auf Übernahme stellen, davon machten jedoch 2016 nur 137 und 2017 nur 103 Kunden Gebrauch.

Mit Menschen, denen die Stromsperre droht, hat regelmäßig die allgemeine Sozialberatung der Caritas zu tun. Dort sieht man die Abschaffung der Bareinzahlungsmöglichkeit skeptisch. „Es gibt immer wieder Personen, die bei den Stadtwerken bar zahlen, auch dann, wenn ein Konto vorhanden ist“, sagt Caritas-Pressesprecher Roland Knillmann. „Manchen Personen, fallen Vorgänge, die mit Formularen zu tun haben, generell schwer, sodass sie lieber andere, einfache Wege wählen.“ Das sei zum Beispiel bei Menschen der Fall, die nicht gut lesen oder schreiben könnten. „Wenn das eigene Konto nicht ausreichend gedeckt ist, kann die Barzahlung ebenfalls ein besserer Weg sein.“ Und manche Klienten hätten auch gar kein eigenes Konto. Ein Recht auf ein eigenes Girokonto hat in Deutschland übrigens jeder Erwachsene.

Nicht von heute auf morgen

Ralf Krons, Leiter der Schuldnerberatung beim katholischen Verband für soziale Dienste (SKM), ist über die Abschaffung der Barzahlungsoption bei den Stadtwerken zwar überrascht, sagt aber auch: „Wer sein Geld beim Automaten einzahlen kann, kann es auch bei der Bank einzahlen.“ Und schließlich werde der Strom nicht von heute auf morgen abgestellt. „Die Leute, die wir hier in der Schuldnerberatung haben, haben schon etliche Chancen nicht genutzt.“

So stellen es auch die Stadtwerke dar. „Oberste Priorität hat für uns, eine Sperrung zu vermeiden“, sagt Nicole Seifert. „Von wesentlicher Bedeutung ist dabei, dass uns ein Kunde, der in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist oder absehbar gerät, möglichst frühzeitig informiert, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“ Komme es dennoch zum Zahlungsverzug, erhielten die Kunden zunächst eine schriftliche Mahnung und bekämen vier Wochen Zeit. Auch Ratenzahlungen könnten vereinbart werden. Bevor der Zähler gesperrt werde, fahre stets ein Mitarbeiter zum Kunden, um ihm die Situation zu erläutern. Erst wenn sämtliche Bemühungen fehlgeschlagen seien, komme es zur Sperrung des Zählers. „Es gibt allerdings Ausnahmen bei bestimmten Witterungsverhältnissen und sofern der Anschluss auch zur medizinischen Versorgung genutzt wird“, so Seifert.


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