Händlerin und Jagdaufseher verwundert Warum geben Unbekannte Kaninchen in Osnabrücker Blumenladen ab?

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Pappkarton auf dem Tresen: So gaben Unbekannte zwei Kaninchenjunge in einem Osnabrücker Blumenladen ab. Foto: Reinhold RethschultePappkarton auf dem Tresen: So gaben Unbekannte zwei Kaninchenjunge in einem Osnabrücker Blumenladen ab. Foto: Reinhold Rethschulte

Osnabrück. So schnell kann Blumenhändlerin Maria Kersten gar nicht schalten, da sind die Unbekannten auch schon wieder weg. Auf die Ladentheke stellten sie einen Karton. Darin: zwei winzige Kaninchenjunge. Ein Fall, der auch beim Osnabrücker Jagdaufseher für Irritation sorgt.

Baff sei sie gewesen, berichtet Maria Kersten, die ein Blumengeschäft an der Bramscher Straße direkt am Osnabrücker Hasefriedhof führt. Sie war gerade in ein Kundengespräch vertieft, als die beiden Unbekannten am vergangenen Freitag ihr Geschäft betraten. Sie ließen einen Pappkarton auf dem Tresen stehen, "Frau Kersten, Sie kümmern sich schon, ja?", sagten sie noch und schon verließen sie den Laden.

Erst auf den zweiten Blick entdeckte die Geschäftsinhaberin die beiden winzigen Kaninchen. Sie waren erst wenige Tage alt, erfuhr sie später. Die Augen hatten sie noch geschlossen. "Ich musste mich auch erst mal schlau machen, was zu tun ist. Brauchen die Wasser? An wen muss man sich wenden? Das hätten die Leute doch selbst tun können."

"Sowas habe ich noch nicht erlebt."

Kersten wird im Internet fündig und ruft Reinhold Rethschulte an, bestätigter Jagdaufseher der Stadt Osnabrück, der sich um Wildtiere im Stadtgebiet kümmert. "Ich habe ja schon viel erlebt", sagt der. "Aber, dass man die Tiere einfach so dahinknallt und abhaut, das noch nicht." 

Zugute halten müsse man den beiden Unbekannten – ein Mann und eine Frau um die 60 Jahre alt sollen es gewesen sein –, dass sie die Jungtiere in einen mit Heu ausgekleideten Pappkarton steckten. Den ebenfalls hineingestellten Napf hätte es allerdings nicht gebraucht: Jungkaninchen nehmen noch kein Futter zu sich, erklärt Rethschulte. 

Stattdessen bräuchten sie besonders fetthaltige Milch. Die bekamen die kleinen Waisen bei der Osnabrücker Artenschutz-Betreuungsstation in Hellern. Dorthin brachte der Jagdaufseher die beiden Tiere. Hier würden sie nun aufgepäppelt und großgezogen, bis sie stark genug seien, um in die Natur ausgesetzt zu werden, erklärt er. Wären die Kaninchen länger ohne die nährende Milch geblieben, wären sie gestorben, glaubt Rethschulte.

Runter vom Friedhof, rein ins Geschäft

Er mutmaßt, dass die Unbekannten die Tiere auf dem Hasefriedhof entdeckt hatten und dass es sich eher um Wildkaninchen als um ausgesetzte Haustiere handelt. "Vermutlich haben die Finder den kürzesten Weg genommen, runter vom Friedhof, rein ins Blumengeschäft." Letztlich sei das aber Spekulation.

Maria Kersten muss inzwischen eher über die abstruse Situation schmunzeln, die sie am vergangenen Freitag erlebte. Beim ersten Anblick der winzigen Kaninchenjungen verspürte sie nur kurz eine gewisse Hilflosigkeit, dann fand sie schnell heraus, was zu tun war. Dennoch appelliert sie an die Eigenverantwortung von Menschen, die Tiere in Not entdecken. Auch Jagdaufseher Rethschulte irritiert das Vorgehen. Man hätte besser die Polizei gerufen, rät er. "Die wissen direkt, wer helfen kann." 


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