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23.07.2018, 10:40 Uhr KOLUMNE

Lieber unbekannter Portemonnaie-Finder in Osnabrück…

Von Meike Baars

Vom Autodach auf die vierspurige Straße: Unsere Autorin vergaß ihr Portemonnaie und will sich nun bedanken. Foto: Colourbox.deVom Autodach auf die vierspurige Straße: Unsere Autorin vergaß ihr Portemonnaie und will sich nun bedanken. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Unsere Autorin vergisst ihr Portemonnaie auf dem Autodach und fährt los. Es landet auf der Lengericher Landstraße. Führerschein und Personalausweis liegen auf der Fahrbahn, der Rest ist weg. Pech gehabt! Wie gut aber, dass es zur richtigen Zeit am richtigen Ort passiert. Ein Dank.

Es gibt so Tage, da wäre man am besten einfach liegen geblieben. Man hätte sich noch einmal umdrehen und einfach all die Stunden verschlafen sollen, in denen enorm viele Unerquicklichkeiten lauern, wie sich herausstellt, wenn man den Fehler macht und doch aufsteht.

So ein Tag war der vergangene Mittwoch. Die Details eines Morgens mit verbrühten Kaffeefingern und einer klemmenden Garagentür, die das Knie lädiert, erspare ich Ihnen, liebe Mitleser, und springe direkt zum negativen Höhepunkt der Katastrophenstunden.

Papier auf der Windschutzscheibe

Wir wollen die Oma im Ruhrgebiet besuchen. Beim Bäcker am Einkaufszentrum „Die Blankenburg“ kaufe ich „noch eben schnell“ eine Zeitung, bevor es auf die Autobahn gehen soll. Dass ich in völliger geistiger Umnachtung offenbar die Zeitung auf dem Autodach habe liegen lassen, merke ich erst, als nach dem Abbiegen auf die Lengericher Landstraße plötzlich jede Menge bedrucktes Papier auf die Windschutzscheibe flattert.

Dass höchstwahrscheinlich auch meine Geldbörse gerade über die vierspurige Straße segelt, für diesen unangenehmen Geistesblitz brauche ich noch eine Schrecksekunde mehr. „Ernsthaft? Kann ich wirklich so dämlich sein?!“

Auf dem Parkplatz eines Blumenhändlers stelle ich das Auto ab und begutachte das Ausmaß meines mentalen Totalausfalls: Zerfledderte Zeitungsseiten säumen die Straße auf einer Strecke von gut 250 Metern. Vom Portemonnaie keine Spur.

50 Euro Bargeld und wichtige Karten

Gefühlt 30 Mal laufe ich das Straßenstück ab. Ich finde: meinen Führerschein und meinen Personalausweis und so wichtige Unterlagen wie übriggebliebene Wertgutscheine von Autobahntoiletten und drei Monate alte Paketrückgabebelege. Mein Lederportemonnaie mitsamt allen wichtigen Karten und knapp 50 Euro Bargeld bleibt verschwunden.

Hat es jemand gefunden und eingesackt? Ist es im Gebüsch gelandet? Ich gebe auf und beginne zu telefonieren. Geld- und Kreditkarte lasse ich sperren. Muss man die eigene Tollpatschigkeit eigentlich bei der Polizei anzeigen? „Oma, wir kommen doch nicht.“

Frustriert und genervt fahren wir nach Hause. Das liegt eine knappe Autoviertelstunde von der „Unglückstelle“ entfernt – quasi am anderen Ende von Osnabrück. Je mehr Stunden verstreichen, desto mehr verblasst der Ärger über das Geschehene. Es lässt sich ja ohnehin nicht mehr ändern.

Keine Notiz des Finders

Es ist ein heißer Tag, wir sind im Garten, erst am Abend gehen wir zum Briefkasten. Und was liegt darin? Unbeschadet, als hätte es das Autodach-Abenteuer nie gegeben, mit allen vermissten Karten und knapp 50 Euro im Schein- und Münzenfach? Mein Portemonnaie! Nur eines fehlt: eine Notiz des ehrlichen Finders, bei dem ich mich so gerne bedankt hätte. Weshalb es nun diesen Artikel gibt.

Lieber Finder, für Ihre gute Tat sind Sie durch die halbe Stadt gefahren und waren zu bescheiden, Ihre Kontaktdaten zu hinterlassen. Ich bin sehr dankbar und gerührt! Wenn mehr Menschen so denken und handeln wie Sie, dann ist diese unsere Stadt kein ganz verkehrter Ort, um gut miteinander auszukommen.

Ein herzliches Dankeschön!


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