„Alles eine große, bunte Show“ „Spamalot“ feiert Premiere auf der Freilichtbühne Tecklenburg

Von Jan Kampmeier

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Tecklenburg. In Tecklenburg gehen seit Freitag die Ritter der Kokosnuss im Musical „Spamalot“ auf die Suche nach dem heiligen Gral.

Ein Historiker erzählt über England im Jahr 932, und das ganze Ensemble, dass ihn falsch verstanden hat, singt ein Lied über Finnland. Purer Blödsinn auf der Freilichtbühne in Tecklenburg, aber wie sollte es auch anders sein, da „Spamalot“ doch auf dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“ von Monty Python basiert. Zu dieser Truppe gehörte auch Eric Idle, der aus dem Film von 1975 ein Musical gemacht hat. Vor allem jedoch macht er sich über das große Pathos lustig, das mit diesem Genre oft einhergeht.

Da wird zum Beispiel darüber gesungen, wie ein Musical-Ohrwurm aufgebaut sein muss, wobei sich die Sänger irgendwann beschweren, weil die Tonart gleich drei mal nach oben gerückt wird. Da heißt es im Titelsong: „So mancher Vers verdient keine Urkunde“, und später: „Der Autor hat doch wirklich einen Stich“. Da äußert „die Fee aus dem See“ (stärkste Stimme der Produktion: Femke Soetenga) ihren Unmut über ihre zu kleine Rolle.

Rustikal und wortlastig

Rein musikalisch betrachtet ist das Stück über weite Strecken ziemlich rustikal und nicht die größte Offenbarung, Solonummern sind vergleichsweise selten, meist singt das Ensemble. Außerdem kommt es für ein Musical ziemlich wortlastig daher, man könnte fast von einem Anti-Musical reden. Ist das nun geniale Satire oder einfach überflüssig? Wie im Film schart König Artus (Frank Winkles) nach dem Zufallsprinzip Ritter um sich, die dann auf imaginären Pferden durch die Gegend reiten, wobei der Diener Patsy (Robert Meyer) zwei Kokosnuss-Hälften aneinander schlägt, damit es sich wenigstens nach galoppierenden Pferden anhört. Wo aber Szenen aus dem Film mehr oder weniger genau nachgespielt werden, erreicht die Produktion, wie zu erwarten, die Vorlage nur selten.

Ausnahmen gibt es, zum Beispiel eine Szene zwischen dem Prinzen Herbert (Nicolai Schwab), seinem wutschnaubenden und dabei herrlich brüllenden Vater (Florian Soyka, der außerdem auch Sir Galahad und zwei weitere Rollen spielt) und zwei Wachen, die mit der Handlung nicht viel zu tun hat. Unverwüstlich ist natürlich auch der Song „Always look on the bright side of life“, der sich aus dem Python-Film „Das Leben des Brian“ eingeschlichen hat, und bei dem hier die Bäume eines „teuren Waldes“ zum Big Band-Sound tanzen.

Viel Trubel und Tempo

Ansonsten unterhält und amüsiert das Musical vor allem dort, wo es etwas im Vergleich zum Film Neues bringt, und das ist gar nicht wenig. In der Tecklenburger Produktion (Regie: Werner Bauer) gibt es einige witzige Einfälle, da werden bei der Suche nach dem heiligen Gral etwa Plakate in die Höhe gehalten, beschriftet zum Beispiel mit „Rittersport Kokosnuss“, „Yes, we Can a lot“, „Wir schaffen das“ oder einfach nur mit „Warte, mir fällt gleich was ein...“. Zuvor schon ist als ziemlich genervte Stimme Gottes der Tecklenburger Intendant Radulf Beuleke zu hören. Vielleicht die größte Stärke der Produktion: Chor und Statisten sind in ständig wechselnden Kostümen (Karin Alberti) auf der Bühne und in Bewegung (Choreographie: Katie Heidebrecht), das bringt viel Trubel und Tempo. Irgendwo im Text wird das ganz passend beschrieben: „Am Ende ist alles eine große, bunte Show“.


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