Übersetzerinnen in Osnabrück Sie machen Bücher fremder Sprachen verständlich

Von Anne Reinert

Anja Mehrmann übersetzte Romane aus dem Italienischen, Englischen und Französischen. Sie hat unter anderem Anna Todd ins Deutsche übertragen.Foto: David EbenerAnja Mehrmann übersetzte Romane aus dem Italienischen, Englischen und Französischen. Sie hat unter anderem Anna Todd ins Deutsche übertragen.Foto: David Ebener

Osnabrück. Anja Mehrmann und Manuela Klenke sorgen dafür, dass wir Autoren fremder Sprachen auf Deutsch lesen können. Sie arbeiten als Literaturübersetzerinnen.

Wörterbücher stapeln sich auf Anja Mehrmanns Schreibtisch. Der Anblick lässt erahnen, womit die 52-Jährige ihr Geld verdient. Sie ist Übersetzerin und überträgt Literatur aus dem Englischen, Französischen und Italienischen ins Deutsche.

Eine der bekanntesten Autorinnen, die sie übersetzt hat, ist die Amerikanerin Anna Todd, die mit ihren erotischen „After“-Romanen weltweit auf den Bestsellerlisten landete. Mehrmann ist für die deutsche Fassung von Todds Nachfolgeromanen „Nothing less“, „Nothing more“ und „Before us“ verantwortlich.

An ihrem Esstisch sitzend erzählt sie von ihrer Arbeit. Das Angebot für die Todd-Bücher habe sie im Urlaub ereilt, erinnert sie sich. Sie war gerade mit ihrer erwachsenen Tochter in London, als sie die Anfrage per E-Mail bekam.

170 Seiten in einer Woche

Dann musste alles schnell gehen. „Die deutsche Übersetzung erscheint bei solchen Bestsellern gleichzeitig mit der Originalausgabe“, erklärt Mehrmann. Deshalb teilte sie sich die Aufgabe mit einer Kollegin. 170 Seiten in nur einer Woche übersetzte sie damals. „Das war mein Rekord“, erklärt sie. Ansonsten schafft sie etwa 15 Seiten pro Tag.

Genreliteratur wie die von Todd ist das Hauptmetier von Anja Mehrmann. Der Reiz daran sei, „dass man etwas freier übersetzen kann“, erklärt sie. Ihre „Herzensprojekte“ sind aber Bücher wie das des jungen Italieners Domenico Dara. Anja Mehrmann war begeistert von seinem Debüt, das sie mit dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ vergleicht. Der Roman erscheint im Frühjahr bei Kiepenhauer & Witsch.

Rund 40 Bücher hat Anja Mehrmann übersetzt. Nach ihrem Studium der Romanistik an der Universität Osnabrück setzte sie ihr Sprachtalent zunächst in der Erwachsenenbildung und im Büro eines Musikhauses ein. Erst 2011 begann sie, als Übersetzerin zu arbeiten.

Vom Rumänischen ins Deutsche und umgekehrt

Auch Manuela Klenke arbeitet als Literaturübersetzerin. Sie ist im rumänischen Cluj-Napoca geboren und lebt heute in Osnabrück. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Übersetzerin bei der Polizei und vor Gericht. „Irgendwann habe ich mir gedacht: Es muss doch auch Schönes in Rumänien geben“, so Klenke. Inzwischen übertragt sie deutschsprachige Literatur ins Rumänische und rumänische Literatur ins Deutsche.

Ihr bisher größter Erfolg ist die deutsche Fassung von Lavinia Branistes Roman „Null Komma Irgendwas“. Bei der Leipziger Buchmesse, bei der Rumänien dieses Jahr Gastland war, bekam Braniste viel Aufmerksamkeit. In Osnabrück präsentierte sie das Buch mit Manuela Klenke bei einer Lesung in der Buchhandlung zur Heide.

Literatur zwischen den Kulturen

Manuela Klenke findet es spannend, dass es in der deutschsprachigen Literatur viele Autoren gibt, die über das Leben zwischen den Kulturen schreiben. Als ein Beispiel nennt sie Marina Skalova, die in Russland zur Welt kam, in Frankreich und Deutschland aufwuchs und nun in der Schweiz lebt. Von ihr hat Manuela Klenke Texte ins Rumänische übersetzt. Außerdem hat sie Gedichte von Max Czollek ins Rumänische und umgekehrt Lyrik von Svetlana Carstean und Florin Iaru ins Deutsche übersetzt. Dazu kommen zahlreiche weitere Autoren, deren Gedichte oder Prosaauszüge Manuela Klenke übertragen hat.

Manuela Klenke übersetzt vom Rumänischen ins Deutsche und umgekehrt. Dazu gehört die deutsche Fassung von Lavinia Branistes „Null Komma Irgendwas“. Foto: André Havergo

Die Übersetzerin mag die zeitgenössische Literatur. Als einen ihrer Lieblingsautoren nennt sie aber einen Klassiker: Friedrich Schiller. Außerdem liebt sie Jane Austen und die Brontë-Schwestern, die sie nach wie vor für zeitgemäß hält. „Frauen, die sich behaupten wollen, haben es auch heute schwer“, so Manuela Klenke.


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