Baby Greetje schwimmt bereits Zoo Osnabrück freut sich über Seehund-Nachwuchs

Von Jana Henschen

Seehundnachwuchs "Greetje" an der Seite ihrer Mutter "Biene" im Zoo Osnabrück am 20.07.2018. Foto: David Ebener.Seehundnachwuchs "Greetje" an der Seite ihrer Mutter "Biene" im Zoo Osnabrück am 20.07.2018. Foto: David Ebener.

Osnabrück. Bei den Seehunden im Osnabrücker Zoo gibt es Nachwuchs. Am Montagmorgen entdeckten Tierpfleger, Baby Greetje schwimmend neben Mutter Biene im Wasserbecken. Sein Geburtsgewicht wird das Jungtier in den nächsten Wochen wohl verdoppeln.

Als Tierpflegerin Priska Hennig-Lippe am Montagmorgen ins Gehege kommt, sieht sie einen dritten Seehundkopf aus dem Wasser schauen. In der Wildbahn wird der Nachwuchs auf einer Sandbank geboren. Mit der ersten Welle geht es direkt ins Wasser und die Jungtiere müssen sofort schwimmen. So ähnlich ist es auch im Osnabrücker Zoo gewesen. 

Die erfahrene Mutter geht liebevoll mit ihrem Baby um. Foto: David Ebener.

Die Tierpflegerin freut sich: "Die Geburt verläuft bei den Seehunden in der Regel sehr schnell und unkompliziert. Morgens haben wir am Beckenrand die Nachgeburt gefunden, und Greetje schwamm bereits neben Mama Biene durch das Becken." Das Seehundbaby fühlt sich im Zoo Osnabrück schon richtig wohl. Die meiste Zeit schwimmt es neben der Mutter im Becken und steckt immer wieder den Kopf aus dem Wasser, um Luft zu holen.

Seehundmama und Tochter gleiten durch das Osnabrücker Becken. Foto: David Ebener.

Gewicht verdoppelt sich in wenigen Wochen

Alle paar Stunden trinkt es an Land bei seiner Mutter. "Die Muttermilch ist sehr fetthaltig mit 45 bis 48 Prozent Fett", erklärt Hennig-Lippe. In den ersten sechs Lebenswochen werden kleine Seehunde von der Mutter gesäugt. Dabei verdoppeln sie ihr Geburtsgewicht von zehn bis zwölf Kilogramm. "Man kann richtig sehen, wie die Kleinen dicker werden. Jetzt ist sie noch recht schmal und länglich. Später wird sie ganz rund sein", so Hennig-Lippe.



Nach sechs Wochen werden Jungtiere meist abrupt abgenabelt und müssen allein zurecht kommen. "Bei dem Umstieg auf Fisch unterstützen wir die Jungtiere: In dieser Phase halten wir sie einzeln und bewegen den Fisch vor ihrem Maul, um sie so zum Fressen zu animieren", sagt die Tierpflegerin. Ohnehin habe das Jungtier dann genügend Fettpolster und Zeit für die Umstellung. Die Fütterung des Seehund-Babys erfolge erst separat von den Eltern. "Die Großen sind einfach schneller im Wasser, und Papa Max würde nichts überlassen", erklärt Hennig-Lippe.

Noch darf der Papa nicht mit dem Baby spielen. Foto: David Ebener.

Seehund-Vater Max (11 Jahre) zeigt immer wieder Interesse an seinem vierten Jungtier, aber noch möchte Mutter Biene (19 Jahre) Ruhe haben und scheucht ihn meistens weg. Erst nach etwa 14 Tagen wird der Vater mit seinem Kind spielen dürfen.

Die erfahrene Seehundmutter bleibt liebevoll bei ihrem Schützling. Foto: David Ebener.

Beste Sicht bei täglicher Fütterung

Besucher können die junge Familie besonders gut bei den täglichen Fütterungen um 10:40 und 15:30 Uhr beobachten. Außerdem führen die Tierpflegerinnen täglich ein Medical-Training durch, bei dem die Tiere für tierärztliche Untersuchungen üben. Beim Training müssen die Seehunde aus dem Wasser herauskommen und die Hand des Pflegers berühren, um als Belohnung einen Fisch aus seiner Hand zu erhalten. Den Fisch gibt es aber nur, wenn sie sich abtasten lassen. "Damit bereiten wir die Tiere auf medizinische Untersuchungen vor, bei denen der Tierarzt sie anfasst und die Augen, Ohren und Krallen anschaut", berichtet Hennig-Lippe. Doch nicht immer können die Tierärzte helfen: Im März starb der Seelöwe Diego nach einer Zahnoperation im Osnabrücker Zoo.

Mit großen Augen schaut das Seehundbaby in die Kamera. Foto: David Ebener.

Trübes Wasser im großen Becken

Das Wasser ist aktuell sehr grün im Becken. Normalerweise wird das Wasser im großen Becken abgelassen und dann mit Frischwasser aufgefüllt. Da die Seehundmama mit ihrem Baby aber nicht rüber in das kleine Becken geht, kann nach den Worten der Tierpflegerin derzeit nur etwa die Hälfte des Wassers abgelassen und erneuert werden. Durch das sonnige Wetter bilden sich zudem noch schneller Algen, sodass das Wasser schnell trübe wird. Die Besucher können die Tiere dennoch gut sehen, da sie häufig mal draußen liegen.

Auf Dauer kann Greetje übrigens nicht in Osnabrück bleiben, da das weibliche Jungtier nicht dauerhaft beim Vater sein sollte, um Inzest zu vermeiden. Doch bevor es in ein oder zwei Jahren woanders hingeht, bleibt der Zoo Osnabrück die Heimat des kleinen Seehunds.


Wissenswertes zu Seehunden (Phoca vitulina)

Seehunde gehören zur Familie der Hundsrobben. Ein besonderes Merkmal ist das Fehlen einer äußeren Ohrmuschel. Sie besitzen kurze Vordergliedmaßen, die ihnen nur ein Rutschen oder "Robben" an Land erlauben. Das Fell besteht aus steifen, glänzenden Haupthaaren, den so genannten Grannenhaaren, unter denen sich eine spärliche Unterwolle befindet. Frisch geborene Junge sind hellgrau-weiß-wollig. Sie werfen ihren Jungpelz jedoch vor oder während der Geburt ab. Bereits wenige Stunden nach der Geburt können sie schwimmen und tauchen. In der Regel wird ein Jungtier geboren, in Ausnahmefällen auch Zwillinge.

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