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Lebhafte Diskussion Israel-Kritikerin Hecht-Galinski zu Gast im Ledenhof

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Streitbare Kritikerin der isrealischen Politik: Evelyn Hecht-Galinski bei ihrer Lesung im Ledenhof. Foto: PartonStreitbare Kritikerin der isrealischen Politik: Evelyn Hecht-Galinski bei ihrer Lesung im Ledenhof. Foto: Parton

Osnabrück. Sie sei vielleicht etwas idealistisch, beginnt eine junge Frau aus dem Publikum zögernd. „Aber ich halte es für falsch, Gewalt mit Gewalt zu begegnen und Hetze mit Hetze“, sagt sie zu Evelyn Hecht-Galinski. „Israel hat angefangen, indem es Land von den Palästinensern geklaut hat“, erwidert die Antizionistin im voll besetzten Renaissance-Saal des Ledenhofes.

Als Lesung war der Abend von der Volkshochschule, der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft und der Buchhandlung zur Heide angekündigt worden, der sich um das neue Buch Hecht-Galinskis „Das elfte Gebot: Israel darf alles!“ drehen sollte. Doch die Autorin sagt: „Aus dem Buch möchte ich nichts lesen, das soll gekauft werden“ – und widmet sich zwei ihrer aktuellen Texte: einem zu ihren Eindrücken von ihrer Reise nach Palästina im März dieses Jahres, und einem weiteren zum Umgang mit Günther Grass nach der Veröffentlichung seines Gedichts „Was gesagt werden muss“.

Als „furchtbares Erlebnis“ bezeichnet Evelyn Hecht-Galinski die Zeit im Libanon, in der sie nicht nur am Marsch nach Jerusalem teilnahm. Am „Tag des Bodens“, dem 30. März, gedenken Palästinenser und Aktivisten den Landenteignungen durch Israel. Sie habe auch Flüchtlingslager besucht, in denen Palästinenser seit Jahrzehnten unter unwürdigen Bedingungen untergebracht seien.

Energisch tritt Evelyn Hecht-Galinski auf, sie setzt kaum die Stimme ab, um zu atmen, während sie ihre Gedanken vorträgt, die sich um den Konflikt zwischen Israel und Palästina drehen.

„Betrachten wir uns alle als in Israel unerwünschte Personen“, sagt Hecht-Galinski ein ums andere Mal, während sie die israelische Politik verurteilt und die Vorgehensweise der Regierung Netanjahus zerpflückt. Gegen die Regierung zu sein, bedeute nicht antisemitisch zu sein, betont die Jüdin und Tochter von Heinz Galinski, dem ehemaligen Vorsitzendes des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Günther Grass, den Hecht-Galinski als „ein Idol meiner Jugend“ bezeichnet, habe recht mit dem, was er in seinem Gedicht geschrieben habe. Israel sei der „höchstgerüstete Staat in der Region“, es bestehe eine Bedrohung für den Iran und nicht umgekehrt. Mahmud Ahmadinedschad, der iranische Präsident, habe nicht davon gesprochen, die Juden auszulöschen, sondern das System Israel, erläutert Hecht-Galinski und beruft sich auf eine Übersetzung der Kölner Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur. Später ergänzt sie: „Israel hat ein Anrecht auf einen Staat, aber nicht auf dem Rücken der Palästinenser.“ Hecht-Galinski hält eine Zweistaatenlösung nur unter drei Bedingungen für möglich: Wenn Israel sich hinter die Grenzen von 1967 zurückzieht, Jerusalem gleich aufgeteilt wird und die Palästinenser in ihre Gebiete zurück kehren dürfen.

Lebhaft wird die Diskussion mit den Gästen nicht erst, als Hecht-Galinski ihre Texte beendet hat. Bereits nach dem ersten Beitrag wünscht sich ein Besucher Zeit, nachzudenken. „Mir fehlt die Hinführung. Es ist reine Agitation, was Sie da sagen“, meint er, worauf Hecht-Galinski erwidert: „Ich mache so weiter, wie ich will“ und den nächsten Text verliest. Daraufhin verlässt der Mann den Saal.

Viele Fragen hat das Publikum zum Warum der Positionen von Israelis und Palästinensern, zum Einfluss Israels auf die internationale Politik, zur Berichterstattung der Medien über Israel und die dort schwelenden Konflikte, die sich – das wird an dem Abend deutlich – bis nach Osnabrück fortsetzen.


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