Kluger Gürtel zeigt den Weg Kika-Moderator testete Navigationsgürtel in Osnabrück

Von Jana Henschen

Fernseh-Moderator Felix Seibert-Daiker testet einen Gürtel, der durch eine App gesteuert, Richtungsimpulse gibt. Susan Wache ist Geschäftsführerin der Firma feelspace, die den Navigations-Gürtel entwickelt hat. Dreh im Rahmen des KiKA Themenschwerpunkts: Erde an Zukunft.  Foto: Michael GründelFernseh-Moderator Felix Seibert-Daiker testet einen Gürtel, der durch eine App gesteuert, Richtungsimpulse gibt. Susan Wache ist Geschäftsführerin der Firma feelspace, die den Navigations-Gürtel entwickelt hat. Dreh im Rahmen des KiKA Themenschwerpunkts: Erde an Zukunft. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. In Osnabrück hat jetzt ein Fernsehteam für den Kindersender Kika gefilmt. Moderator Felix Seibert-Daiker ließ sich von einem Navigationsgürtel vom Botanischen Garten zum Dom führen. Den Gürtel entwickelte ein Osnabrücker Start-up-Unternehmen.

Im Rahmen des Kika-Themenschwerpunkts „Respekt für meine Rechte – Abenteuer digital“ testete Moderator Seibert-Daiker sogenannte Wearables – hinter diesem Kunstwort verbergen sich intelligente Kleidung und Accessoires. Zu den Wearables zählt der "Navigürtel" des Osnabrücker Start-ups "feelspace". Mit dem Gürtel werden Personen durch Vibrationen zu ihrem Ziel geführt. Insbesondere Menschen mit Sehbehinderungen soll der Gürtel im Alltag unterstützen.

Der Film entstand für die Themenreihe "Erde an Zukunft". Seibert-Daiker sagte: "Wir stellen die Frage: Wie verändert sich die Welt in den nächsten 50 bis 100 Jahren? Und welche zukunftsfähigen Sachen gibt es schon heute?". Für die Sendung probierte der Moderator verschiedene Wearables aus. Er steuerte mit seinen Gedanken über eine Elektrodenkappe ein Computerspiel oder traf Kinder, die an Textilien wie einem Hitzefreiarmband oder einem Schrittzähler tüftelten. Der Film wird in der Sendung "Erde an Zukunft" am 22. September 2018 um 19.25 im Kika ausgestrahlt.

Mit einer App wird das gewünschte Ziel "Osnabrücker Dom" an den Navigationsgürtel übermittelt. Foto: Michael Gründel

Der Gürtel führte den Moderator per Vibration zum Ziel

Am Botanischen Garten legte sich der Moderator den Navigationsgürtel um die Hüfte. "Orientierungstechnisch bin ich wie ein Hamster mit Schlafmaske, aber mit dem Gürtel wusste ich immer, wo ich hin muss. Dabei bin ich zum ersten Mal in Osnabrück", freute sich Seibert-Daiker. 

Wie funktionierte der Gürtel? Über ein Handy konnte der Nutzer, also die Gründerin, das gewünschte Ziel mündlich in eine speziell konzipierte App eingeben. Die App berechnete den Weg und teilte diesen über Bluetooth dem Gürtel mit. Dieser signalisierte dem Träger über kleine, in den Gürtel eingebaute Vibrationsmotoren den Weg.

Gründerin Susan Wache erklärte: "Zuerst kalibriert sich der Gürtel und es vibriert rund um die Hüfte". Dann vibriere der Gürtel immer Richtung Norden. Doch das Tagesziel sei für den Moderator nicht der Norden, sondern der Osnabrücker Dom. Ist das Ziel in der App festgelegt, vibriert der Gürtel immer in Richtung Ziel. So wisse der Blinde zum Beispiel, in welche Richtung er gehen muss.

Der Moderator wird über die App und den Gürtel der Erfinderin navigiert. Foto: Michael Gründel

Der Moderator ist vom Gürtel begeistert. Als er am Vortag durch die Stadt lief, hatte er beide Hände voll und musste den Koffer immer erst abstellen, um auf dem Handy den Weg zu sehen. "So ein Teil zeigt einem per Bauchgefühl, wo es hin geht", freut sich der Moderator über den Gürtel. "Ich habe die Hände frei, brauche keine Karte und habe die Augen offen für die Umgebung". Allerdings sei er mit dem Gürtel einmal in eine Sackgasse gelaufen und einmal vor eine Wand. An dem Problem arbeite derzeit die Firma. "In die App soll eine Karte eingebaut werden, sodass der Gürtel vibriert, sobald eine Straße und damit die nächste Abbiegung kommt", so Wache.

Gürtel schaffe Orientierung für Blinde

Für Blinde sei die Kompassfunktion aber auch jetzt schon sehr praktisch. Der Gürtel helfe den Blinden, schnell die Orientierung wiederzufinden. Wenn diese beispielsweise um ein Hindernis herum gingen, stünden sie danach häufig nicht in der Mitte des Gehweges. Mit dem Gürtel könnten sie schneller ihre Ausgangsposition und Orientierung wiederfinden.

Die Firma feelspace verkaufte 2017 erstmals Navigationsgürtel. Foto: Michael Gründel

Das Filmteam traf die Gründerin Susan Wache am Innovationszentrum in Osnabrück. Dort forschten sie und andere zu dem Thema, bevor sie 2017 die Firma "feelspace" gründeten. Im vergangenen Jahr verkaufte das Start-up rund 80 Gürtel. "Mit der Vibration um die Hüfte finden Blinde quasi per Bauchgefühl die Richtung", freute sich Wache.


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