Mehr als 1000 Geschädigte Osnabrücker Betrugs-Online-Shop Elasticar in Insolvenz – Anklagen erhoben

Von Jörg Sanders

Der Online-Shop Elasticar ist längst offline. Die Staatsanwaltschaft erhob derweil Anklage gegen die Verantwortlichen. Foto: imago/McPHOTODer Online-Shop Elasticar ist längst offline. Die Staatsanwaltschaft erhob derweil Anklage gegen die Verantwortlichen. Foto: imago/McPHOTO

Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat vier Verantwortliche des mutmaßlichen Betrugs-Online-Shops Elasticar angeklagt. Das Amtsgericht Osnabrück eröffnete Anfang Juli das Insolvenzverfahren. Elasticar soll mehr als 1000 Kunden betrogen haben – drei Verantwortliche sitzen in U-Haft. Der Schaden geht in die Hunderttausende.

Die Betreiber des Online-Shops sollen im großen Stil Waren verkauft, aber zumeist nicht ausgeliefert haben. Die Polizei ermittelte 2017 gegen die Verantwortlichen. Der Online-Shop ist derweil geschlossen.

Strafrecht: 1119 Fälle angeklagt

Die Polizei gab den Fall längst an die Staatsanwaltschaft ab. Die erhob Anklage in 1119 Fällen gegen vier Verantwortliche der Elasticar GmbH, bestätigte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer auf Anfrage. Drei sitzen seit dem 11. März in Untersuchungshaft. Das Landgericht hat das Hauptverfahren noch nicht eröffnet. Der Fall eilt: Maximal sechs Monate dürfen Verdächtige in U-Haft ohne Antrag auf Verlängerung verbringen.

Die Staatsanwaltschaft hatte die beiden Konten des Unternehmens wegen des Verdachts der Geldwäsche eingefroren. Bis dahin waren darauf 384.000 Euro von Kunden eingegangen. Einen Großteil – 304.000 Euro – konnte die Staatsanwaltschaft sichern. „Der Schaden für die Kunden ist relativ gering”, sagt Retemeyer. Mehr als 70.000 Euro sind weg – auf Konten im Ausland oder ausgegeben. 7000 Euro wurden geschädigten Kunden bereits zurückgezahlt. 

Zivilrecht: Amtsgericht bestellt Insolvenzverwalter

Das Amtsgericht Osnabrück hatte Anfang Juli das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Elasticar GmbH eröffnet, nachdem eine Krankenkasse einen Fremdantrag auf Insolvenz gestellt hatte. Hintergrund: Elasticar hatte Versicherungsbeiträge nicht abgeführt, sagt Insolvenzverwalter Michael Selker im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Amtsgericht hatte den Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Michael Selker von der Kanzlei Selker Partner zum Insolvenzverwalter bestellt.

Michael Selker zufolge erlitten mehr als 1000 Geschädigte aus ganz Deutschland einen „nicht unerheblichen Schaden”. Rund 700 Strafanzeigen mit einem Schaden von rund 250.000 Euro liegen der Staatsanwaltschaft vor.

500 Kunden melden Ansprüche an

Doch nicht alle Anzeigenerstatter machten ihre Ansprüche bislang im parallel laufenden Insolvenzverfahren geltend. Die Kanzlei hatte alle 1119 Gläubiger angeschrieben. Bislang meldeten aber erst rund 500 Kunden Ansprüche an – mit einer Schadenssumme von mehr als 300.000 Euro. Kostenlos ist das noch bis zum Ablauf der Frist am 10. August möglich, danach fällt eine Gebühr von etwa 10 bis 20 Euro an. 

Auf den beiden eingefrorenen Konten befänden sich derzeit rund 326.000 Euro, sagt Michael Selker. „Nach unserer Rechtsauffassung steht das Geld der Insolvenzmasse zu”, sagt der Insolvenzverwalter. Die Differenz zu den gesicherten 304.000 Euro: Nachträglich könnte Geld auf dem Konto eingegangen sein, erklärt Oberstaatsanwalt Retemeyer.

Hintermann von Elasticar soll ein Mann aus Duisburg gewesen sein, der in Osnabrück einen Strohmann als Geschäftsführer eingesetzt haben soll. Mit günstigen Angeboten wurde der Shop teilweise gut bei Google platziert. Elasticar – eigentlich ein Anbieter für Felgen, Reifen und Stoßdämpfer – hatte ein vielfältiges Angebot: von Playstations über Waschmaschinen bis Kaffeemaschinen.

So sah der Online-Shop von Elasticar im Herbst 2017 aus. Screenshot: archive.org/NOZ Medien

Anfangs gute Bewertungen gesammelt

Anfangs habe das Unternehmen die bestellten Waren verschickt und sich gute Bewertungen gesichert, erklärt Retemeyer das Vorgehen. Dazu habe Elasticar die Waren teilweise zum Einkaufspreis verkauft.

Mit den guten Bewertungen soll das Unternehmen anschließend zahlreiche Kunden geprellt haben. Insbesondere während der sogenannten Cyberwoche vom 20. bis 27. November 2017 – eine Woche mit besonders günstigen Angeboten im Internet – verkaufte das Unternehmen zahlreiche Waren. Bereits ab dem 12. November lieferte es aber keine bezahlten Waren mehr aus.

Ein Unternehmen aus Süddeutschland pocht zudem auf Schadensersatz für Markenrechtsverletzungen. Elasticar soll Produktbeschreibungen des Unternehmens kopiert haben.

Hoffen auf gute Quote

Auf der Internetseite der Polizeidirektion Osnabrück sind Hinweise für Geschädigte des Unternehmens zu finden. Auf der Internetseite von Selker Partner können Geschädigte ihre Ansprüche anmelden. Michael Selker geht davon aus, dass die Geschädigten ihr Geld 2019 teilweise zurückbekommen könnten. „Wir sind zuversichtlich, dass wir eine hohe Quote bekommen”, sagt Michael Selker. Eine genaue Aussage zur Höhe könne aber derzeit nicht getroffen werden. Das ins Ausland geflossene Geld will der Insolvenzverwalter  versuchen, pfänden zu lassen. Doch die Erfolgschance sei gering, sagt Michael Selker. 


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