Hochgenommen und rundgemacht Theateracker zwischen Akrobatik, Slapstick und Komik

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„Schachmatt“ gespielt:  Mitja Averhoff vom Duo elabö auf dem Theateracker am Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Michael Gründel„Schachmatt“ gespielt: Mitja Averhoff vom Duo elabö auf dem Theateracker am Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. In Gestalt von „elabö“ und „Cinotti and the Flexonette“ verwandelten zwei ganz unterschiedliche Kleinkunst-Duos den stark besuchten Kastaniengarten am Piesberger Gesellschaftshaus in den dritten und vorletzten Theateracker dieses Jahres.

Ein Schachspiel bildete den Rahmen für die Show von Anne Holdik und Mitja Averhoff aus Darmstadt, aus dem sie als Duo elabö aber schon bald fallen sollten. Denn anders als bei jenem Denksport, bei dem die Figuren allenfalls verschoben und vom Brett gestoßen werden, lieferten sich die beiden Artisten ein wildes Duell mit vollem Körpereinsatz. Sie verschränkten und verkeilten sich ineinander, näherten sich einander an, um sich doch wieder voneinander abzustoßen, nahmen sich hoch, hielten sich in Schach, trugen sich auf Händen, nahmen sich auf den Arm und auf die nur vermeintlich leichte Schulter. Denn hinter dem, was so leichtfüßig und fließend wirkte, steckt viel Körperbeherrschung, ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn und eine präzise aufeinander abgestimmte Choreografie. Mit eitler Pantomime hatte das „Schachmatt“-Spiel begonnen, mit Stummfilmmusik wurde es turbulent, wobei die atemberaubende Akrobatik immer wieder mit so wie witziger gewitzter Gestik und Mimik am Ende buchstäblich gepuderten Slapstick-Einlagen aufgelockert wurde. Der Spieltisch konvertierte zum quaderförmigen Spielball, unter dem die quirligen Kontrahenten am Ende verschwanden und auf dem sie nichts als im Gegensatz zu ihnen bewegungslose Schachfiguren zurückließen.

Am Abgrund zum Albernen

Den Platz des Tisches mit Schachbrettmuster nahm nach der Pause ein Klavier ein. Das war zwar ebenso stoisch Schwarz-Weiß, dafür alles andere in und an der Show von Lorenzo Cinotti und Jeanette Flexonette aber umso wilder und bunter. Denn das neue „Kammervarieté“ des deutsch-italienischen Duos aus der Grenzstadt Görlitz war vollgepackt mit urkomischen, mitunter leicht überdrehten Szenen. So begann der Reigen etwa mit einem Tanz, der sich schon am Rande des Abgrunds zum Albernen bewegte. Eine hypnotisierende Halskette, ein kippender Stuhl und ein Kissen zum Umfallen bildeten das Inventar für die nächste Nummer, die in ein ebenfalls nicht ganz unfallfreies Klavierintermezzo überleitete, das glücklicherweise so laut verstärkt wurde, dass die Baustellengeräusche von der gegenüberliegenden Seite der Straße zumindest zeitweise übertönt werden konnten. Gewollt unperfekt geriet zunächst auch eine Artistik-Einlage, bei der es am Ende aber trotz der Quadratur des Hula-Hoop-Reifens rund lief. Die Musik spielte dann mit selbstgebautem Dudelsack Schottenrock und Riverdance und trotz orientalischer Schlangenbeschwörung mit Blockflöte blieben „Cinotti and the Flexonette“ auf dem Teppich, um genau darauf schließlich mit Akkordeon und Leuchtkugel- statt Zipfelmütze Einrad zu fahren. Ein auch buchstäblich schräges Vergnügen, das nach einer Zugabe verlangte. Die gab es dann auch prompt in Form einer übermäßig und überspitzt gefühlsbetont gesungenen und von der Ukulele begleiteten Version von Dolly Partons „Jolene“. Zum Heulen komisch.


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