20 Jahre Libeskind-Museum Eva Dankenbrings Rauminstallation im Nussbaum-Haus Osnabrück

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Osnabrück. Mit einer Rauminstallation von Eva Dankenbring ging es am Dienstag mit der Reihe „20 Jahre – 20 Tage Felix-Nussbaum-Haus“ in Osnabrück weiter. In ihrer Arbeit „Verlausort“ greift die Künstlerin die Libeskind-Architektur auf. Für zwei Besucher aus Belgien war das bilderlose Museum dagegen eine Enttäuschung.

Eva Dankenbring ist glücklich. Die Künstlerin hatte vorher keine Möglichkeit, ihre Installation im Nussbaum-Haus probehalber aufzuhängen. Stattdessen musste sie sich in reiner Kopfarbeit ausmalen, wie ihre Installation im Museum aussehen würde. „Das war viel gedankliche Vorarbeit“, sagt sie. Am dritten Tag der Reihe „20 Jahre – 20 Tage Freunde zu Gast im Felix-Nussbaum-Haus“ zeigte sie das Ergebnis im Nussbaum-Haus. Und war zufrieden.

„Verlaufsort“ nennt Dankenbring ihre Rauminstallation aus Stoff und Folie. Der Titel ist doppeldeutig zu verstehen. Denn so haben sich wohl schon viele in dem verwinkelten Gebäude von Architekt Daniel Libeskind verlaufen. Zum anderen vollzieht Eva Dankenbring mit ihrer Arbeit den Verlauf des Raums nach. So hat sie ihre Stoffstreifen einen neben den anderen in die sich kreuzenden Lichtschienen an der Decke gehängt. Dadurch entstehen weiße, bewegliche Wände, die auf halber Höhe enden und sich wie die Schienen kreuzen. Leicht wirken diese Gebilde aus Stoff, aber auch zart und fragil. So zerbrechlich eben wie das Leben derer, die wie Felix Nussbaum von den Nazis verfolgt wurden.

Dialog von Installation und Architektur

Es braucht einen Moment, sich auf diesen Dialog von Installation und Architektur einzulassen. Doch wer genau hinguckt, entdeckt viele Verbindungen. So wirken die Schatten der Stoffstreifen wie die Fortsetzung des Gitters oben in der Decke. An vielen Stellen nimmt das Stoffgebilde die Struktur der Architektur auf. So gibt es in den Außenwänden des Gebäudes Oberlichter. Analog dazu trennen Folien die Stoffstreifen.

Auch die Tatsache, dass in diesem Gebäude eigentlich Bilder zu sehen sind, nimmt Eva Dankenbring indirekt auf. Denn so hängen gerade zwar keine Bilder an den Wänden. Doch wer unter den Stoffstreifen stehe, könne sich fühlen „wie in einem Gemälde“, sagt die Künstlerin.

Besucher fotografieren eigene Raumperspektiven

Die Besucher waren am Dienstag außerdem aufgefordert, Eva Dankenbrings Arbeit fortzusetzen. Sie sollten mit einer Sofortbildkamera ihre persönliche Raumperspektive ablichten und die Fotos als Spur auf dem Boden hinterlassen. Das Ergebnis ist noch bis zum Ende von „20 Jahre – 20 Tage“ zu sehen. Denn alle Künstler hinterlassen nach ihrem Gastspiel im Museum ein Relikt. Eva Dankenbrings Installation wird deshalb noch bis Samstag, 4. August, zu sehen sein.

Für zwei Besucher am Dienstag war das bilderlose Museum allerdings eine echte Enttäuschung. So standen zur Öffnungszeit um Punkt 14 Uhr Karel und Madeleine De Vuyst vor dem Nussbaum-Haus. Sie hätten im letzten Jahr Mark Schaevers Nussbaum-Biografie „Orgelmann“ gelesen und seien beeindruckt gewesen, berichtet Karel De Vuyst. Also haben sie einen Vier-Tages-Trip in die Region gebucht. Nun wollten sie die Gegend mit dem Fahrrad erkunden. Und endlich Felix Nussbaums Bilder sehen. Aus letzterem Plan wurde aber nichts.


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