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19.07.2018, 12:20 Uhr BÜRGERINITIATIVE "GRÜNE LUNGE"

Widerstand am Westerberg: Nachbarn als Heckenschützen

Kommentar von Sebastian Stricker

Die frühere Paracelsus-Strahlenklinik in Osnabrück kurz vor ihrem Abriss. Foto: David EbenerDie frühere Paracelsus-Strahlenklinik in Osnabrück kurz vor ihrem Abriss. Foto: David Ebener

Osnabrück. Jahrelang hat BPD an seinen Plänen für zig neue Luxuswohnungen auf dem Osnabrücker Westerberg gefeilt. Doch ausgerechnet jetzt, wo sie die Vorgaben des Bebauungsplans offenbar weitestgehend erfüllen, stellt sich eine rätselhafte Bürgerinitiative dem Prestigeprojekt des Düsseldorfer Investors breitbeinig in den Weg.

Bewohner des Nobelviertels schwingen sich darin zu Rettern der "letzten grünen Lunge" ihres Stadtteils auf. Warnen – scheinbar getrieben von edlen Motiven – angesichts der dreistellig wachsenden Nachbarschaft vor Wohnstraßen voller Autos, Lärm und mieser Luft. Schlagen Alarm, weil auf dem zugewucherten Gelände der früheren Paracelsus-Strahlenklinik nicht alle geschützten Bäume stehen bleiben können, sondern vereinzelt den künftigen Häusern weichen müssen.

Allein ihr Gesicht zeigen die Protestler nicht. Weder gegenüber BPD noch gegenüber der Öffentlichkeit geben sie sich zu erkennen, verstecken sich stattdessen hinter einer unpersönlichen, ins Leere führenden E-Mail-Adresse – aufgedruckt auf einem Flugblatt, mit dem Stimmung gemacht werden soll gegen die bevorstehende, äußerst hochwertige Veränderung vor ihrer Haustür. Als ob die Urheber des Handzettels 60 Sozialwohnungen an dieser Stelle akzeptieren würden!

Vermutlich sind es ganz und gar keine Namenlosen, die hier so fragwürdig im Schutz der Anonymität agitieren, beinahe wie Heckenschützen. Möglicherweise sind es sogar die Reichsten der Reichen. Personen, die selbst gerne über die teuerste Brache der Stadt verfügt hätten. Und denen viele Mittel recht scheinen, um die eigenen Interessen durchzusetzen. 

Stellen wir fest: BPD bewegt sich mit seinem Vorhaben höchstwahrscheinlich im Rahmen des Erlaubten. Die Stadt hält die möglichen Auswirkungen auf Verkehr und Umwelt bislang für zumutbar. Eine unzugängliche Ruine wird durch moderne Gebäude samt offenem Riesengarten ersetzt. Und nicht zuletzt entspannen 60 Luxuswohnungen in bester Lage den Osnabrücker Immobilienmarkt vielleicht in einer anderen Gegend.


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