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Neuer Trend Plogging Warum eine zwölfjährige Osnabrückerin beim Laufen Müll aufsammelt

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Plogger sammeln beim Joggen Müll auf, den sie in der Natur finden. Symbolfoto: dpaPlogger sammeln beim Joggen Müll auf, den sie in der Natur finden. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Mehr als fünf Tonnen Müll werden im Schnitt jedes Jahr am Stadtputztag in Osnabrück aufgesammelt. Wenn sich der schwedische Trend Plogging, bei dem Menschen beim Joggen Müll aufsammeln, in der Region durchsetzt, könnte diese sauberer werden. Eine zwölfjährige Osnabrückerin geht vorbildlich voran – und hat uns erzählt, warum.

Plogging – dieser Trend schwappt aus Schweden langsam nach Deutschland herüber. In dem skandinavischen Land verbinden Menschen schon länger das Joggen damit, Müll einzusammeln, den andere in die Natur statt in den Abfalleimer geworfen haben. Und daher kommt auch der Name: Er setzt sich zusammen aus „jogging" und „plocka upp", dem schwedischen Wort für „aufheben". 

In einigen deutschen Großstädten gibt es bereits Gruppen, die gemeinsam losziehen. In Osnabrück hat eine Zwölfjährige den Trend für sich entdeckt. Darauf aufmerksam geworden ist Charlotte Strößner durch die Bloggerin Louisa Dellert, die seit etwa einem halben Jahr „ploggt" und Fotos von ihren Funden auf Instagram postet. Strößner verfolgt ihre Aktivitäten bereits seit Längerem.

„Man findet immer das gleiche."Charlotte Strößner

Strößner geht gerne joggen. Dabei könne sie gleichzeitig auch etwas für die Umwelt tun, habe sie sich gedacht – und angepackt. „Man findet immer das gleiche", sagt die Osnabrückerin und zählt auf: „Alufolie, Windeln, Glasflaschen, Pizzakartons..." Beim ersten Mal sei sie ohne Handschuhe losgelaufen. „Ohne ist es aber echt eklig." Inzwischen habe sie die deshalb immer mit dabei, ebenso wie eine Mülltüte. 

Vier Kilo Müll auf acht Kilometern

Neulich sei sie am Kanal vom Ruderverein in Richtung Hollager Schleuse langgelaufen, vier Kilometer hin, vier Kilometer zurück. „Auf dem Stück stand kein einziger Mülleimer, aber es lag viel Müll rum. Da habe ich drei oder vier Kilo eingesammelt und musste noch andere Leute nach Tüten fragen, weil meine voll war." Sie sammele ein, was in den gelben Sack gehört. Und manchmal komme sie vor lauter Bücken kaum zum Laufen. Doch wenn sie mit Tüten loszieht, dann sei ihre Motivation auch eher das Müll sammeln, nicht der Sport.

Die Zwölfjährige habe auch in ihrem Whatsapp-Status über ihren Einsatz informiert. „Viele haben gesagt: 'Respekt, dass du das machst'", erzählt sie. Allerdings habe die Osnabrückerin unterwegs auch schon Menschen getroffen, die überhaupt nicht verstehen konnten, warum sie freiwillig Müll aufsammle. „Und es soll jetzt auch keiner denken, dass er seinen Müll jetzt extra liegen lassen kann."

Charlotte Strößner ist durch eine Bloggerin auf den Trend Plogging aufmerksam geworden. Foto: Christina Strößner

Noch gehört Strößner mit ihrem Engagement in der Region zu einigen wenigen. Sie würde sich freuen, wenn auch andere Osnabrücker auf den Geschmack kämen. Auch Katrin Hofmann, Sprecherin der Osnabrücker Servicebetriebe (OSB) ist keine Initiative bekannt, die den schwedischen Trend aufgegriffen hat. „Andere Städte sind da schon weiter. In Oldenburg und Hannover waren schon Plogging-Gruppen unterwegs", sagt sie auf Nachfrage unserer Redaktion. 

Bloggerin organisiert Plogging-Treffen

Die Bloggerin Louisa Dellert veranstaltet einmal im Monat in Braunschweig ein Plogging-Treffen in ihrer Heimat Braunschweig. Der 29-Jährigen ist es wichtig, etwas für die Erde zu tun. „Es tut nicht weh, einfach mal den Müll aufzuheben", sagt sie. Sie selbst sammelt immer auf kleineren Joggingrunden bis acht Kilometer Unrat. Auch wenn man eher langsam laufe, komme man dabei ins Schwitzen. 

Dellert glaubt, dass sich der Trend in Deutschland durchsetzen wird. Und auch in Osnabrück würde sich der Einsatz lohnen: Beim Städteputztag werden laut Hofmann vom OSB an einem einzigen Tag nur in Osnabrück durchschnittlich zwischen fünf und fünfeinhalb Tonnen Müll aus der Natur aufgelesen. „Da ist alles bei: von der Getränkedose über das Kaugummipapier bis zu alten Reifen", so Hofmann.

Allerdings gibt es laut Hofmann den ein oder anderen, der beim spazieren gehen Müll aufsammelt – einfach, weil er wolle, dass seine Umwelt schön ist. Birgit Schad gehört zu denjenigen, die regelmäßig mit der Motivation loszieht, den Unrat einzusammeln, den andere achtlos auf Wege, Feldern oder Wiesen werfen. Vor zweieinhalb Jahren fing die Wallenhorsterin eigenen Angaben zufolge an. Der Auslöser: Eine weggeworfene Zigarettenschachtel am Wegesrand, die sie störte. Wenn sie mit ihrem Hund gehe, nehme sie zur Doggybag seitdem auch noch eine Mülltüte mit.

 „Es herrscht eine Trash-Blindness", sagt die 50-Jährige. „Die gilt es, zu bekämpfen. Denn wenn das so weitergeht, weiß ich nicht, wie die nächste Generation endet." Schad glaubt nicht, dass die Menschen aus Boshaftigkeit ihren Müll in der Natur liegen lassen. Es sei eher Bequemlichkeit. Für die Wallenhorsterin ist das Müllsammeln derweil zu einem Hobby geworden, für das sie bereits mit dem Wallenhorster Umweltpreis ausgezeichnet worden ist. Ihre Intention wolle sie nun weiter in die Gesellschaft tragen. Ab und zu zieht sie auch gemeinsam mit anderen los. Am Samstag, 18. August, möchte Schad mit der Aktion „Beauty CleanUps" für Aufsehen sorgen. In chicen Outfits will sie zusammen mit anderen Interessierten in Osnabrück Müll aufsammeln. Los geht es um 17 Uhr am Heger Tor. 


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