Grenzen des Wachstums Neuer Netflix-Titel "How It Ends" - Ein Menetekel?

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Manchmal lässt der Streaming-Gigant Netflix sowohl seine Anteilseigner als auch seine Zuschauer ratlos im Ascheregen stehen wie Theo James im neuen Netflix-Endzeitthriller "How it Ends".Manchmal lässt der Streaming-Gigant Netflix sowohl seine Anteilseigner als auch seine Zuschauer ratlos im Ascheregen stehen wie Theo James im neuen Netflix-Endzeitthriller "How it Ends".

Osnabrück. End of Netflix? Wie symptomatisch ist der jüngste Filmtitel „How It Ends“ für den Streaming-Anbieter und was bedeutet das für die Zukunft des Kinos?

Abergläubische Anleger hätten gewarnt sein können. Als am Freitag, dem 13. Juli, der Streaming-Dienst Netflix seinen neuen Spielfilm „How It Ends“ (deutsch: „Wie es endet“) veröffentlichte, hätten Aktionäre den Titel bereits als Signal für die am darauffolgenden Montagabend bekannt gegebenen Quartalszahlen deuten können. Die Zahl neuer Abonnenten blieb deutlich unter den Vorhersagen zurück. Die Aktie brach im nachbörslichen Handel um rund 14 Prozent ein. Und Netflix-Chef Reed Hastings räumte ein, man habe ein zwar „starkes, aber kein herausragendes“ Quartal gehabt.

Nun ist die Geschichte des Streaming-Anbieters Netflix, der einst mit dem Verleih von DVDs per Post begonnen hatte, bislang eine einzige Erfolgsgeschichte. Weltweit lehrt der Internetgigant insbesondere Anbietern von klassischem Fernsehen das Fürchten. Bei der Nominierung für die diesjährigen Emmy-Awards, dem weltweit bedeutendsten TV-Preis, liegt der reine Online-Anbieter erstmals mit 122 Nominierungen auf dem ersten Platz vor dem Pay-TV-Anbieter HBO und dem Free-TV-Anbieter NBC.

Und auch das Kino bekommt immer häufiger die finanzielle Macht von Netflix zu spüren. Rund 80 Spielfilme will Netflix in diesem Jahr produzieren, die nicht ins Kino kommen. Auf diese Weise werden Hollywood nicht nur weitere prominente Darsteller sowie hochkarätige Autoren und Regisseure abgeworben. Auch die Lichtspielhäuser, so die Befürchtung, verlieren dadurch an Bedeutungsmacht.

Manchmal kauft Netflix sogar die Rechte an Produktionen, die ursprünglich im Kino laufen sollten, dann jedoch überraschend an den Kinokassen vorbei gestreamt werden. „The Cloverfield Paradox“ mit Daniel Brühl ist nur ein aktuelles Beispiel dafür.

Dabei steht einer wachsenden Nachfrage und Fülle an Produktionen die Schwierigkeit entgegen, einen gewissen Qualitätsstandard zu halten. Der Markt und die Abonnenten fordern Wachstum. Doch dieses Wachstum stößt an Grenzen. In der Folge leidet sichtbar die Kreativität. Zahlreiche Produktionen scheinen immer ähnlicheren Mustern zu folgen.

Womit wir wieder bei der jüngsten Netflix-Spielfilmproduktion „How It Ends“ angelangt sind. Einem katastrophal einfallslosen Katastrophenfilm aus der überstrapazierten Kategorie der Endzeitfilme nach Baukastenprinzip. Zwei Publikumslieblinge, Theo James für die jüngeren, Forest Whitaker für die älteren Zuschauer, werden nach bekannten Mustern durch eine bedrohliche Endzeitkulisse gehetzt. Das erklärungsbedürftige Ende des Filmes lässt die Zuschauer dann vollkommen ratlos im Ascheregen zurück. Und steht zumindest ein wenig symptomatisch für die Frage nach der Zukunft von Netflix.

Von einer Krise sind dieser und andere Streaming-Anbieter trotzdem noch weit entfernt. Vielmehr erscheint es so, dass Netflix und Co nach dem Hype der vergangenen Jahre in der Normalität angekommen sind. Zum oftmals beschworenen Kinosterben haben sie indes bis heute genauso wenig beigetragen wie einst das lineare Fernsehen in all seinen Entwicklungsstufen. Ganz im Gegenteil. Die Amazon Studios produzieren im Gegensatz zu Netflix längst Filme wie „Elvis & Nixon“ oder „Paterson“, die erst im Kino, dann auf der Amazon Plattform Prime Video verwertet werden. Die Zukunft, so scheint es, liegt im Miteinander.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN