Ohne Navi und nur über Landstraßen Osnabrückerinnen auf Charity-Rallye durch den Balkan und die Karpaten

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Jana Führer und Christine Nordmeyer mit ihrem Passat Helga. Foto: Gert WestdörpJana Führer und Christine Nordmeyer mit ihrem Passat Helga. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Seit dem 7. Juli sind die beiden Osnabrückerinnen Christine Nordmeyer und Jana Führer als "Team Pathfinder" unterwegs auf den Landstraßen Mittel- und Osteuropas. Als Teilnehmerinnen der „20 Nations-Rallye" bleiben ihnen noch fünf Tage, um im Ziel in Bremen einzutreffen – derzeit stecken sie in den Karpaten.

Das Wichtigste vorweg: Bislang hält Helga durch. Der mühevoll präparierte VW Passat aus dem Jahr 1996 hatte vor dem Start der Rallye 230.000 Kilometer auf dem Buckel. Mittlerweile sind ein paar tausend dazugekommen. Obwohl die Straßenverhältnisse nicht einfach sind, ficht der Weg die alte Dame bislang kaum an. Einzige Blessur: „Der Zigarettenanzünder war irgendwann hinüber", erzählt Jana Führer am Telefon. Damit es unterwegs Strom gibt, habe sie ihn per Zahnstocher wieder zum Laufen gebracht. 

Autobahnverbot

Zwischen sechs und acht Stunden sitzen die 50-jährige Führer und ihre 36-jährige Mitstreiterin derzeit hinterm Steuer beziehungsweise auf dem Beifahrersitz. Mehr als die Hälfte der rund 7500 Kilometer langen Strecke liegt bereits hinter den beiden und damit Länder wie Frankreich, die Schweiz, Italien, Kroatien, Serbien und Albanien. Während des Gespräches ist Führer gerade begeistert von der Schönheit der rumänischen Karpaten. Gute hundert Kilometer vor Hermannstadt laufen Gebirgsbäche durch die wilde Landschaft: Nach der Hitze Bulgariens und des rumänischen Südens ist es angenehm kühl. Den Rallye-Teilnehmern ist die Nutzung von Navigationsgeräten untersagt – wie auch die Nutzung von Autobahnen. „Es ist schon eine Herausforderung, auf der Route zu bleiben", sagt Führer. „Manchmal kommt man plötzlich irgendwo im nirgendwo heraus, auch wenn auf der Karte ein Weg eingezeichnet war."

Impressionen von unterwegs: Das Osnabrücker Team bei einer Pause in Frankreich. Foto: Jana Führer/Christine Nordmeyer

Atemberaubende Gebirgspässe

Unterstützt von verschiedenen Sponsoren sind Nordmeyer und Führer unterwegs, um mit ihrer Rallye-Teilnahme Spendengelder für „Die Kinder-Bewegungsstadt", einem Projekt der Bürgerstiftung Osnabrück, zu sammeln. Obschon sie den Großteil des Tages hinterm Steuer sitzen und die Fahrt durchaus schlauche, bleibt genügend Zeit, um abseits des Weges neue Eindrücke zu sammeln. Führer schwärmt von der Schönheit Rumäniens und des Balkans und von den atemberaubenden Gebirgspässen in der Schweiz und in Italien.

Zerüttete Verhältnisse am Wegesrand

Die schwierige Lage mancher zu passierender Länder bleibt den beiden Durchreisenden indes nicht verborgen. „In Albanien haben wir entlang der Wege unfassbar viel Armut gesehen", sagt Führer. Die Zahl der Bettler an der dortigen Grenze zu Bosnien sei erschütternd gewesen. Und beängstigend: „Wir haben die Fenster hochgekurbelt und sind da schnell durchgefahren."

Moderne Navigationsmittel sind bei der Rallye verboten. Die Teilnehmer müssen sich mit Karten durchschlagen. Foto: Jana Führer/Christine Nordmeyer

Offenheit und Herzlichkeit

Viel Zeit, um sich mit Land und Leuten auseinanderzusetzen, bleibt Führer und Nordmeyer auf ihrer Route kaum. Die Kontakte, die es gebe, seien durch Offenheit und Herzlichkeit geprägt, blieben aber oberflächlich. „In erster Linie sind wir ja unterwegs, um pünktlich ins Ziel zu kommen und Spendengelder einzusammeln. Mit den Menschen vor Ort haben wir meist nur kurz in der Pension oder den Restaurants zu tun."

Dankbar, unterwegs zu sein

Am kommenden Sonntag um 17.30 Uhr ist Zielschluss in Bremen, das auch Ausgangspunkt der Rallye war. Vor Führer und Nordmeyer liegen noch Passagen durch Ungarn, die Slowakei, Polen und die Tschechische Republik. „Obschon die Tour anstrengend ist, sind wir allen dankbar, die uns die Teilnahme ermöglicht haben", sagt Führer, ehe sie sich wieder ans Lenkrad setzt, um weiter durch die Karpaten zu steuern. Bleibt zu hoffen, dass Helga hält.

Den Pathfinder-Team per Live-Tracking folgen können Sie hier


20 Nations-Rallye

Die Rallye „20 Nations“ begann am 7. Juli in Bremen und endet am 22. Juli ebenda. Die Teilnehmer müssen mit einem mindestens 20 Jahre alten Fahrzeug unterwegs sein und mindestens 555 Euro an einen guten Zweck spenden. Es gibt keine vorgeschriebene Route, vielmehr kann sich jeder Teilnehmer selber anhand des Roadbooks navigieren. Ausgeschlossen sind jedoch Autobahnen. Unter den 30 Teams sind insgesamt vier aus Osnabrück. 

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