Haftstrafen für Diebe In Osnabrück Notebooks und Tablets für 80.000 Euro geklaut

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Symbolfoto: dpaSymbolfoto: dpa

Osnabrück. Das Amtsgericht Osnabrück hat zwei junge Männer wegen gemeinschaftlichen und gewerbsmäßigen Diebstahls zu Freiheitsstrafen verurteilt. In einem Fall wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Osnabrück. Mit Freiheitsstrafen ging vor dem Amtsgericht Osnabrück der erste von zwei Prozessen um einen groß angelegten Einbruch in der Osnabrücker Innenstadt zu Ende. Das Gericht verurteilte einen 23-Jährigen und einen 26-Jährigen wegen gemeinschaftlichen und gewerbsmäßigen Diebstahls zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft beziehungsweise zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück wirft insgesamt vier Hamburger Angeklagten im Alter von 30, 23, 25 und 26 Jahren vor, gemeinsam mit einem noch unbekannten fünften Täter in der Nacht zu 25. Januar in ein Elektronikgeschäft in der Osnabrücker Innenstadt eingebrochen zu sein. Dort hatten die Diebe Computer, Tablet-PCs und anderer Technikgegenstände im Wert von gut 80.000 Euro entwendet.

Zu Beginn des Prozesses gab es gleich eine Überraschung für das Gericht. Der Verteidiger des 30-jährigen Angeklagten beantragte, ein psychologisches Gutachten über seinen Mandanten in Auftrag zu geben. Dieser  sei spielsüchtig. Es müsse geklärt werden, inwieweit diese Erkrankung eine verminderte Schuldfähigkeit zur Folge haben könnte. Nach kurzer Beratung stimmte der Richter diesem Antrag zu, auch wenn er ähnlich wie auch die Staatsanwaltschaft wenig Chancen für eine Schuldminderung sieht. Das Verfahren gegen den 30-Jährigen wurde abgetrennt. Er wird sich voraussichtlich gemeinsam mit dem 25-Jährigen zu einem anderen Zeitpunkt verantworten müssen. Auch dessen Verfahren wurde abgetrennt - aus Termingründen.

Schnelles Geständnis

Die Verhandlung gegen die anderen beiden Angeklagten verlief dann vergleichsweise schnell und unspektakulär. Beide gaben den Einbruchsdiebstahl zu und ersparten so den geladenen Zeugen und dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme. Gemeinsam seien sie mit einem gemieteten Auto aus Hamburg nach Osnabrück gefahren, hätten die Tür des Elektronikladens eingedrückt, die Lagertür aufgebrochen und Dutzende hochwertige Laptops, Tablets und Technikgeräte in ihr Fluchtauto geladen. In Itzehoe habe man das Diebesgut an einen Hehler verkaufen wollen. Doch dabei wurde die Gruppe durch Zufall von der Polizei erwischt. Wer der unbekannt gebliebene fünfte Mann war, darüber hüllten sich die Angeklagten in Schweigen. Die Beute konnte fast vollständig an den Osnabrücker Händler zurückgegeben werden. Verschwunden geblieben ist lediglich ein einziges Macbook, das laut Inventur des Händlers bis heute verschwunden ist. Möglicherweise wurde es aber auch schon vor dem Raubzug der Angeklagten gestohlen - oder bei der Inventur versehentlich nicht korrekt erfasst.

Auf das Urteil hatte diese Frage aber keinen Einfluss. Zwei Jahre und zwei Monate Haft für den jüngeren, ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung für den älteren Angeklagten, lautete das Urteil des Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor drei Jahre und drei Monate beziehungsweise zwei Jahre und zwei Monate gefordert - angesichts der Strafhöhe von mehr als zwei Jahren in jedem Fall ohne Bewährungschance. Die Verteidigung hatte für den 26-Jährigen ein Jahr und zehn Monate zur Bewährung gefordert - diesem Antrag folgte das Gericht - und eine Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, für den 23-Jährigen.

Angeklagter muss wohl lange ins Gefängnis

Dass der 23-Jährige anders als sein Komplize ins Gefängnis muss, liegt an seinen Vorstrafen. Er stand zur Tatzeit gleich unter zwei laufenden Bewährungen. Insofern stehen ihm jetzt gleich mehrere Jahre Haft bevor, da er zusätzlich zu der aktuellen Verurteilung mit dem Widerruf der laufenden Bewährungen rechnen muss. In seiner Begründung wandte sich der Richter dann auch direkt an den Angeklagten: „Das ist schon beeindruckend, wie Sie die Gesetze missachtet haben“, sagte er mit Blick auf dessen viele Eintragungen im Bundeszentralregister. Allerdings habe auch die Justiz Fehler gemacht, räumte der Jurist ein. Viel zu viele Anklagen in der Jugendzeit des Mannes seien mit richterlichen Weisungen eingestellt worden. „Hier hätte schon viel früher ein Freiheitsentzug wie der Jugendarrest kommen müssen“, kritisierte der Richter. Jetzt sei es sehr wahrscheinlich, dass auch die Bewährung für eine Jugendstrafe von zwei Jahren wegen Brandstiftung und eine ebenfalls zur Bewährung ausgesetzte einjährige Haftstrafe nach Erwachsenenstrafrecht angetreten werden müssten. Den bestehenden Haftbefehl ließ das Gericht ausdrücklich bestehen.

Zugunsten des 26-Jährigen sprach laut Gericht, dass er bisher keinerlei Vorstrafen auf dem Konto hatte. Wie er in die Gruppe geraten war, habe er bei seiner Vernehmung zwar nicht verraten wollen. Da  er jedoch ansonsten geständig war und echte Reue gezeigt habe, wollte ihm das Gericht noch einmal eine Chance geben. In seiner dreijährigen Bewährungszeit wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Zusätzlich muss er 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Ordnungsgeld für abwesenden Zeugen

Eine interessante Entscheidung traf das Gericht noch im Rahmen der Beweisaufnahme: Ein Zeuge hatte sich kurzfristig per E-Mail abgemeldet. Er sei auf einer Dienstreise. Dies ließ der Richter nicht gelten. Als geladener Zeuge hätte der Geschäftsmann erscheinen müssen. Jetzt muss er stattdessen ein Ordnungsgeld von 150 Euro zahlen.


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