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Bandendiebstahl am Bahnhof Bewährung für Schwerkranken

Von Heiko Kluge

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Osnabrück. Zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung hat das Osnabrücker Amtsgericht jetzt einen 29-jährigen Mann verurteilt. Der Mann hatte als Mitglied einer osteuropäischen Bande Navigationssysteme aus Neuwagen gestohlen, die auf dem Güterbahnhof Osnabrück abgestellt waren.

Im Februar dieses Jahres hatte der geständige Angeklagte bei drei verschiedenen Gelegenheiten zusammen mit bisher unbekannten Mittätern insgesamt 19 hochwertige Navigationssysteme aus Neuwagen der Marken VW und Audi gestohlen. Die Wagen standen unverschlossen auf Autozügen im Bereich des Güterbahnhofs. Rechnet man die in der Anklageschrift genannten Summen zusammen, so beläuft sich der Wert der gestohlenen Navigationssysteme auf über 50000 Euro. Die Verhandlung gegen den jungen Mann dauerte nicht lange. Da ein Geständnis des Mannes in Aussicht stand, hatte das Gericht darauf verzichtet, Zeugen zu laden.

Höchst kriminell

Die Richter hatten dem Mann zugesichert, gegen ein glaubwürdiges Geständnis die Strafe nicht über zwei Jahre auf Bewährung festzusetzen. „Diese Art der Erledigung ist durchaus vom Gesetzgeber vorgesehen“, sagte der Staatsanwalt. Dem Gericht bleibe damit eine aufwendige Beweisaufnahme mit ungewissem Ausgang erspart.

Im Fall des 29-Jährigen gab es allerdings noch einen weiteren Grund, das Verfahren nicht unnötig in die Länge zu ziehen: Während seiner fast viermonatigen Untersuchungshaft wurde bei dem Mann eine schwere Krankheit festgestellt. „Wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, der Krankheit die Stirn zu bieten“, so der Staatsanwalt.

Neben der Bewährungsstrafe für den zugegebenen dreifachen schweren Bandendiebstahl entschied das Gericht, dass der Angeklagte auch die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen muss. Es habe bewusst die Strafe auf zwei Jahre – laut Gesetz die höchste Strafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden darf – festgesetzt, „um zu zeigen, dass das am Rande ist“, begründete der Richter. Denn der Angeklagte habe ein „höchst kriminelles Verhalten“ gezeigt.

Neben dem Geständnis und seiner gesundheitlichen Situation hatte das Gericht berücksichtigt, dass der 29-Jährige in Deutschland bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist und jetzt bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen hat. Angesichts des sehr kriminellen Verhaltens war das Gericht allerdings der Meinung, „dass eine Bewährungszeit von fünf Jahren hier angesagt ist“, so der Richter.


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