Haltepunkt wohl erst ab 2022 Kein großer Bahnhof für den Rosenplatz

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Der geplante Bahnhalt Rosenplatz gehört zwar zu den Nahverkehrsprojekten mit der höchsten Priorität, aber die ersten Züge werden wohl erst 2022 Station machen. Als komplizierte Angelegenheit erweist sich die Einpassung des neuen Haltepunkts in das elektronische Stellwerkssystem.

Ein Bahndamm mit Lärmschutzwand, Hinterhöfe und Garagen bilden das Ambiente für den künftigen Haltepunkt Rosenplatz. In diesem grünen Niemandsland an der Rückfront der Wörthstraße wird kein großer Bahnhof entstehen. Oben am Gleis ein 110 Meter langer Bahnsteig mit Wartehäuschen, unten eine kleine Mobilitätsstation mit Fahrradständern, vielleicht auch einem Stützpunkt für Leihräder und einem Abstellplatz für ein Stadtteilauto.

Taxen sollen möglicherweise vorfahren, aber nicht parken dürfen, denn die Fläche ist begrenzt. Für Radler und Fußgänger will die Stadt Verbindungen zur Sutthauser Straße, zur Iburger Straße und zur Wörthstraße schaffen. Mit dem Bebauungsplan, der zu diesem Zweck auf den Weg gebracht wurde, eröffnet die Stadt einem privaten Investor die Möglichkeit, ein größeres Gebäude auf einem Teil der Fläche zu errichten.

Oberleitung betroffen

Für den Haller Willem, der jede Stunde zwischen Osnabrück und Bielefeld unterwegs ist, soll der Haltepunkt Rosenplatz die 20. Station werden. Die Baukosten werden auf sechs Millionen Euro geschätzt, und um die Finanzierung muss sich Osnabrücks Stadtkämmerer Thomas Fillep keine großen Sorgen machen, weil das Land 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten übernehmen will. Die Euphorie, mit der Niedersachsens früherer Verkehrsminister Olaf Lies schon mal einen Fertigstellungstermin für 2017 in Aussicht gestellt hatte, ist allerdings verflogen.

Wer einen neuen Haltepunkt einrichten will, muss langfristig und minutiös zugleich planen. Inzwischen wissen die Planer, dass die Oberleitung über dem Nachbargleis von den Bauarbeiten betroffen ist. Das macht eine Sperrpause im Fahrplan erforderlich, und dafür beansprucht die Bahn zweieinhalb Jahre Vorlauf. Als zeitraubendes Unterfangen erweist sich zudem die Einbindung der neuen Station Rosenplatz in die Datenbasis des elektronischen Stellwerks, das die Bahn derzeit für mehr als 100 Millionen Euro in Osnabrück installiert. Züge fahren im Gegensatz zum PKW nicht auf Sicht, sondern im Raumabstand. Zwischen zwei Signalen darf sich also immer nur ein Zug befinden, erklärt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Die Einbindung eines neuen Haltepunkts sei mit hohem Programmieraufwand verbunden, damit das System aus Signalen und Weichen störungsfrei funktioniert.

Anderthalb Jahre Bauzeit

Die Aufgabenteilung der Projektgruppe sieht vor, dass die Stadt die Flächen erwirbt und die Bahn den Bahnsteig und die Signaltechnik errichtet. Zuvor muss der Bebauungsplan durch die Bürgerbeteiligung gehen und vom Rat verabschiedet werden. Stadtbaurat Frank Otte kündigt den Satzungsbeschluss für Mitte 2019 an. Erst danach können die nächsten Planungsschritte gestartet und Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden.

Ein halbes Jahr Bauzeit kalkuliert Stephan Rolfes, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos), für die Anlagen, die zum neuen Haltepunkt gehören. Wenn es nach ihm geht, sollen die Züge Ende 2021 am Rosenplatz halten. Er räumt aber ein, dass dieser Zeitplan extrem ehrgeizig ist und eine Fertigstellung im Jahr darauf wahrscheinlicher erscheint.

Rolfes kann dem Hinterhof-Standort zwischen der Iburger Straße und der Sutthauser Straße einiges abgewinnen. Ein großer Vorteil sei die gute Erreichbarkeit beider Seiten. Der Haltepunkt liege damit auch sehr günstig für die Schüler der Berufsschule an der Brinkstraße. Planos-Mitarbeiter Gerd Stolle gibt zu bedenken, dass es auch zur Uni, zum Finanzamt und zum Marienhospital nicht weit sei. Nach den Prognosen wird es am Bahnhalt Rosenplatz 300 Ein- und Aussteiger pro Tag geben.

Zweiter Bahnsteig?

Deren Zahl lasse sich steigern, wenn alle 30 Minuten ein Zug auf die Strecke geschickt würde, sagt Planos-Geschäftsführer Rolfes. Dass so ein Halbstundentakt zwischen Münster und Osnabrück noch in diesem Jahr Realität wird, ist für ihn ein hoffnungsvolles Zeichen. Im Übrigen wünscht er sich, dass auch die Züge aus Münster am Rosenplatz halten. Das wäre allerdings mit einem hohen Aufwand verbunden – einem zweiten Bahnsteig auf der nördlichen Seite des Gleiskörpers.


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