Ohne die eigene Elf ist das nichts Public Viewing in Osnabrück: Entspannt ins Finale

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Osnabrück War da was? Während auf dem grünen Rasen im Osnabrücker Schlossgarten die Sonnenanbeter die Ruhe des Sonntags genossen, kämpften auf dem grünen Rasen in Moskau die Mannschaften von Kroatien und Frankreich um die Krone des Weltfußballs.

Von WM-Fieber war in der Stadt wenig zu spüren. Immerhin: Beim Rudelgucken im voll besetzten Büdchen und im Grünen Jäger lag zumindest ein wenig Leidenschaft in der Luft.

„Seitdem Deutschland raus ist, ist die Lage positiv entspannt“, so Büdchen-Wirt Michael Werner. Trotzdem: „Es war eine gute Entscheidung, die Leinwand nicht abzubauen.“ Zwar hätten viele seiner Gäste nach dem Ausscheiden der deutschen Elf Trübsal geblasen, aber die WM hat mehr Gäste als üblich ins Büdchen gespült.

In rot-weiß karierten Leibchen sitzen Jürgen Erdmann und seine Frau Claudia mit Freunden an einem „kroatischen“ Tisch, der mit der Landesflagge bedeckt war. Sie machen seit drei Jahren Urlaub in dem Land, erzählt „Erdi“. Die ersten beiden Spiele der Kroaten haben sie dort gesehen. „Da sind die Leute spontaner, weltoffener, obwohl es ein relativ armes Land ist“, schwärmt er.

Erdmann schwärmt auch von der Spielweise der Kroaten. Ehrlicherweise, gibt er zu, würde er im deutschen Trikot das Finale verfolgen, wenn es denn so gekommen wäre, dass Jogis Jungs es geschafft hätten. Haben sie bekanntlich nicht, und so ist Erdmann diesmal voll im Kroaten-Modus.

Und er ist nicht allein: Das Büdchen war am Sonntag eindeutig in kroatischer Hand. Erdmann gönnt sich und seinen Freunden erst mal einen Sliwowitz. Die Anspannung musste bekämpft werden. Doch der Schnaps hat sein Gemüt nicht beruhigt. Wirklich geholfen hat es den Kroaten am Ende nicht.

Standortwechsel: Am Adolf-Reichwein-Platz herrschte am Finalnachmittag „Fußball total“. Mehrere Fernseher übertragen drinnen und draußen in verschiedenen Kneipen das Endspiel.

„Die WM lief eigentlich ganz gut“, erzählt der Wirt des Grünen Jägers, Pascal Rupp. Dass die deutsche Mannschaft rausgeflogen sei, sei zunächst ein Schlag ins Kontor gewesen. „Ich hatte aber das Gefühl, dass der Biergarten immer voll war.“ Zwar habe er weniger Gäste gehabt als bei den vergangenen Weltmeisterschaften. „Aber für uns ging die Welt nicht unter“, betont Rupp.

Das Finale selbst hat der Wirt dann zu Hause geguckt. Zu viel Arbeit am Wochenende. In seinem Biergarten hätte er schwerlich einen Platz gefunden. Dort waren die Sympathien gleichmäßig verteilt. Allerdings hatten die Anhänger der Franzosen deutlich bessere Laune.

Nach dem 3:1 grölen sie tanzend den Schlachtruf „Allez les bleues“, mit dem die französischen Fans traditionell die in Blau gekleideten Spieler anfeuern. Ein paar kroatische Fans halten mit „Allez les blöd“ dagegen. Hilft aber nicht. Und die letzten 15 Minuten des Spiels waren ohnehin so spannungsarm, dass es im Grünen Jäger recht ruhig blieb.

Nach dem Schlusspfiff entlud sich dann die Freude bei den Anhängern der „Bleues“, während die kroatische Seite sich auf den Heimweg machte.

Und am Neumarkt? Dort herrschte sonntägliche Ruhe. Fast. Kurz nach dem Abpfiff verbreitet nur ein Radfahrer ein Häufchen Party-Stimmung. Er lässt seine Klingel erschallen. Das war vor vier Jahren noch ganz anders.

Dann aber doch: Ein mit der Tricolore beflaggtes Auto entert den Neumarkt. Die vier Insassen – einer im Union-Jack-Shirt – lassen Mbappé hochleben. Als dann eine Kroatin, die ihren Frust mit einem Softeis kühlt, laut „Buh!“ ruft, lässt einer der Frankreichfans seine Shorts runter und zeigt ihr seinen blanken Hintern.


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