350 Jahre alte Fürstenresidenz Gängige Forschungsmeinung über Schloss Osnabrück widerlegt

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War auch unbewohnt ein Machtsymbol: das Osnabrücker Schloss. Seit 1974 ist es Sitz der Universität. Unser Luftbild zeigt die 350 Jahre alte, frühere Fürstenresidenz im März 2017. Foto: NOZ-Archiv/David EbenerWar auch unbewohnt ein Machtsymbol: das Osnabrücker Schloss. Seit 1974 ist es Sitz der Universität. Unser Luftbild zeigt die 350 Jahre alte, frühere Fürstenresidenz im März 2017. Foto: NOZ-Archiv/David Ebener

Osnabrück. Bevor 1974 die Universität ins Osnabrücker Schloss einzog, war es jahrhundertelang Sitz vieler Fürsten. Doch vor Ort waren die Herrscher nur selten. Warum sie ihre Residenz trotzdem so prachtvoll gestalteten, hat der Osnabrücker Historiker Heinrich Schepers in einer preisgekrönten Doktorarbeit herausgefunden.

Selbst wenn sie nicht anwesend waren, galt das von 1667 bis 1673 durch Fürstbischof Ernst August erbaute Osnabrücker Schloss den damaligen Herrschern stets als Repräsentationsort. Das stellt der Historiker und Absolvent des Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN), Heinrich Schepers, heraus. Er widerlegt am Beispiel der Regierungszeit des letzten Osnabrücker Fürstbischofs Friedrich von York (1763–1827) die geläufige Forschungsmeinung, dass herrscherlose Residenzen einst nur eine untergeordnete Rolle für deren Fürsten spielten. Für seine 2017 abgeschlossene Doktorarbeit erhielt Schepers im März den von der Herrenteichslaischaft Osnabrück gestifteten Förderpreis der Uni Osnabrück.

In die Archive eingetaucht

Bis heute hat die Fassade des Osnabrücker Schlosses ihren barocken Charme bewahrt. Wie die prachtvolle Innengestaltung der Fürsten einst aussah, lässt sich nur noch über Archivquellen erschließen. Schepers wertete Schrift- und Bildquellen aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert aus, arbeitete dafür in den Staatsarchiven in Osnabrück und Hannover sowie in den Archiven des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück und des Stadtgeschichtlichen Museums in Berlin. 

Der Historiker Heinrich Schepers schrieb seine Doktorarbeit über das Osnabrücker Schloss – und räumte dabei mit einer gängigen Forschungsmeinung auf. Foto: Universität Osnabrück/Elena Scholz

Neuer Garten, eigener Hofstaat

Er fand heraus, dass sich der von 1764 bis 1802 regierende Fürstbischof Friedrich von York – ein Welfe – intensiv mit dem Aus- und Umbau des Schlosses beschäftigt hat, obwohl dieser kaum in Osnabrück war. "Der Fürst ließ den Schlossinnenbereich vollkommen neu gestalten und den Garten umbauen", berichtet der Historiker. Demnach engagierte Friedrich von York sogar den damals bekannten Innendekorateur und Bühnenmaler Bartolomeo Verona (1740–1813) aus Berlin, um das als Wohnsitz kaum genutzte Schloss zu dekorieren. Außerdem stellte er einen Hofstaat auf. Am Ende der Umbaumaßnahmen von 1783 bis 1791 hatte der Fürstbischof jede Menge Geld für die Residenz ausgegeben. 

"Wenn der Fürst einen so großen Aufwand beim Umbau des Schlosses betreibt, will er damit auch etwas ausdrücken."Historiker Heinrich Schepers

Auch unbewohnt ein Machtsymbol

"Bislang sind Historiker davon ausgegangen, dass unbewohnte oder selten genutzte Schlösser eine untergeordnete Rolle bei der Herrschaftsführung der Fürsten in der Frühen Neuzeit gespielt haben", erklärt Schepers. Diese geläufige Forschungsmeinung habe er grundlegend hinterfragt. "Wenn der Fürst einen so großen Aufwand beim Umbau des Schlosses betreibt, will er damit auch etwas ausdrücken." Schepers kommt daher zu dem Schluss: „Das erneuerte und prachtvoll eingerichtete Osnabrücker Schloss sollte Untertanen und Standesgenossen verdeutlichen, dass die Herrschaft des Fürsten auch in dessen Abwesenheit fortdauerte." So sei auch der Eindruck entstanden, dass der Landesherr jederzeit wieder dort wohnen konnte.

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Die erstmals im Jahr 1588 urkundlich erwähnte Herrenteichslaischaft ist eine historisch gewachsene Gemeinschaft Osnabrücker Bürger, die zusammen mit den anderen Altstädter Laischaften die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Osnabrück wesentlich mitgeprägt hat. Die alte Laischaftstradition soll in der Herrenteichslaischaft bewahrt und gepflegt werden. Ihre Aufgabe ist es, Projekte zum Wohl der Stadt Osnabrück und deren Bürger finanziell zu unterstützen. Sie fördert Maßnahmen der Kunst- und Kulturförderung, Arbeiten zur Osnabrücker Stadtgeschichte sowie Maßnahmen zur Erhaltung historisch bedeutender Bauwerke und zur Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen insbesondere in der Osnabrücker Altstadt. Der Förderpreis für Kultur- und Rechtsgeschichte der Herrenteichslaischaft Osnabrück wird seit 1993 verliehen. 

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