Stararchitekt im Felix-Nussbaum-Haus 500 Zuhörer erleben Daniel Libeskind in Osnabrück

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Osnabrück. 500 Zuhörer sind am Sonntag ins Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück gekommen, um den Architekten Daniel Libeskind zu erleben. Bei der Veranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des Museums ging es nicht nur um einen Rückblick, sondern auch um die Zukunft des Museums.

Auch 20 Jahre nach der Eröffnung des Nussbaum-Hauses hat sein Architekt eine besondere Beziehung zu ihm. „Es ist mein Lieblingsprojekt und Osnabrück meine Lieblingsstadt“, sagt Daniel Libeskind. Die Stadt habe ein großes Risiko auf sich genommen, als sie seinen Entwurf realisierte. Schließlich war bis dahin noch kein Entwurf von Daniel Libeskind realisiert worden. Dass Nussbaum-Haus war weltweit das erste Libeskind-Gebäude, das eröffnet werden konnte.

Zum 20-Jährigen ist Daniel Libeskind zurückgekehrt. Anlass war die Auftaktveranstaltung der Reihe „20 Jahre – 20 Tage“, mit denen der runde Geburtstag gefeiert wird. Museumsdirektor Nils-Arne Kässens holte den Stararchitekten auf die Bühne im Saal des Museums, wo er ihn interviewte.

(Weiterlesen: NOZ-Interview mit Daniel Libeskind)

LIbeskind identifiziert sich mit Nussbaum

500 Zuhörer zög es ins Nussbaum-Haus. Das waren so viele, dass nicht alle hereingelassen werden konnten. Das Museumsquartier ließ die Auftaktveranstaltung deshalb per Livestream im Veranstaltungssaal des Hauses, im Akzisehaus und auf Facebook übertragen.

Es sei für ihn ungewöhnlich, nach 20 Jahren ins leer geräumte Museum zurückzukehren, so Libeskind. Die Bilder wurden für die Veranstaltungsreihe anlässlich des 20-Jährigen abgenommen. Daniel Libeskind beschrieb diesen Anblick als „Wiedergeburt“.

Der Architekt fühlt sich Felix Nussbaum eng verbunden. „Ich identifiziere mich mit ihm“, sagte er. Denn er selbst kommt aus einer jüdischen Familie. Seine Eltern sind Überlebende des Holocausts. Zahlreiche seiner Verwandten seien dagegen von den Nazis ermordet worden. „Wäre ich selbst 10 oder 20 Jahre eher geboren, hätte das auch mein Schicksal sein können“, so der 1946 in Polen geborene Libeskind.

Über das Nussbaum-Haus sagte er: „Es ist ein kleines Gebäude, aber es enthält viele meiner Ideen über Architektur.“ Es spreche zur Vergangenheit, aber auch zur Zukunft. Und weil Architektur sich auf die Zukunft beziehe, müsse ein Architekt Optimist sein. „Du kannst die Vergangenheit nicht ändern, aber du kannst du Zukunft ändern“, so Libeskind.

(Weiterlesen: Rundgang durchs leere Nussbaum-Haus)

Nussbaum-Haus als Ort für Diskurs

Überhaupt ging es bei der Veranstaltung keineswegs nur um Rückblicke. Hans-Jürgen Fip (SPD) richtete in seiner Rede den Blick darauf, was aus dem Museum werden könne. Fip war Oberbürgermeister, als das Nussbaum-Haus geplant und gebaut wurde.

Er interpretierte Nussbaums Bild „Triumph des Todes“ mit Blick auf die Gegenwart, in der „das Ende der Zivilisation“ drohe, und das „Überleben des Friedens und der Zusammenarbeit auf internationaler Bühne“ infrage stehe. Der Stadtrat solle sich überlegen, das Nussbaum-Haus zum Ort für den Diskurs über gesellschaftliche Themen zu machen und das finanziell zu unterstützen.

(Weiterlesen: Porträt des Museumsdirektors Nils-Arne Kässens)

Christian Wulff war damals dagegen

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) betonte, das Nussbaum-Haus sei zum „künstlerischen Kristallisationspunkt“ geworden. Das sei vor 20 Jahren noch nicht abzusehen gewesen. Er verwies außerdem darauf, dass bei der Abstimmung über den Bau des Hauses der spätere Bundespräsident Christian Wulff CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat war und an dem Bau „maßgeblich mitgewirkt“ habe. Hans-Jürgen Fip wies allerdings darauf hin, dass die CDU in der „Kampfabstimmung“ gegen den Bau des Hauses gestimmt habe. Wulff selbst habe ihm später gestanden, das sei sein größter politischer Fehler gewesen.

In der anschließenden Pressekonferenz sagte Kulturdezernent Wolfgang Beckermann zu Fips Vorschlag, dass auch im Kulturausschuss des Deutschen Städtetags festgestellt worden sei, dass der Diskurs über gesellschaftliche Themen kulturpolitisch gestärkt werden müsse. Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereichs Kultur, verwies auf die „Kulturstrategie 2020“, die vorsehe, dass das Museumsquartier zum Ort solcher Diskurse werde.

Ein weiterer Star der Auftaktveranstaltung war das Ensemble Horizonte, dass für seine ortsbezogenen Interpretationen unter anderem von Arvo Pärt und Philip Glas viel Applaus bekam.

(Weiterlesen: Interview mit Patricia Mersinger zu „20 Jahre – 20 Tage“)


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