Autos, die man gern einmal von Hand waschen würde Rekordkulisse: 750 historische Fahrzeuge beim Oldtimertreffen am Piesberg

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Osnabrück. Das Außengelände des Museums Industriekultur am Piesberg hat seinen Ruf als Mekka der automobilen Oldtimer-Szene in Nordwestdeutschland weiter gefestigt. Am Sonntag kamen bei idealem Sonnenwetter mehr als 750 historische Autos und Motorräder auf das Magazingelände des Museums.

Die Oldtimer-Interessengemeinschaft (IG) hatte zu ihrem traditionellen Sommertreffen „Rund um Osnabrück“ eingeladen. Der Name klingt nach einer Ausfahrt einmal um die Stadt herum. „Bis vor vier Jahren war das auch so“, weiß IG-Pressewart Uwe Schmidt, „aber dann haben wir uns entschieden, stationär am Ort zu bleiben. Denn bei einer Ausfahrt sind nach einer halben Stunde alle wieder weg, und es gibt nichts mehr zu sehen.“ Nach dem neuen Konzept ist den ganzen Tag über ein lebhaftes Kommen und Gehen. Zunächst nur ein Kommen: „Wir wurden regelrecht überrannt. Es gab Stau auf dem Süberweg und um viertel nach zehn waren bereits alle Stellplätze direkt am Magazin belegt“, berichtet Schmidt. Um die Mittagszeit sind auch die Ausweich-Stellflächen auf dem Steinlagerplatz der Cemex jenseits des Zechenbahnhofs gut gefüllt.

Krafträder. Foto: Thomas Osterfeld

Eine Neuerung wird allgemein gelobt: Stefan Rösler ist der „Stadionsprecher“, er begrüßt über Lautsprecher alle eintreffenden Gefährte. Locker aus dem Stegreif weiß er zu fast jedem Auto nicht nur die wichtigsten Daten, sondern darüber hinaus auch Anekdotisches zu berichten. Ein Opel Rekord II der Baujahre 1972 bis 1977 fährt vor. Er gehört für ihn zu dem schönsten, was je die Bänder in Rüsselsheim verlassen hat: „Den würde ich gerne einmal mit der Hand waschen“, schwärmt Rösler.

Opel Rekord Olympia (1955). Foto: Thomas Osterfeld

Dann kommt ein ziemlich abgewrackter DKW-Junior (Baujahre 1959 bis 1963) die Einfahrt herunter, der wohl erst kürzlich aus seinem Dornröschenschlaf in einer Scheune hervorgezogen wurde. Rösler ist ganz begeistert: „Au hier, komm, bleib mal stehen, du bist ja ein richtiger ‚Survivor‘, da ist ja alles noch original und nichts Verbasteltes dran!“ Aber dann kommt der Clou: Doch nicht alles ist original, unter der Motorhaube tuckert kein stinkender Zweitakter, sondern surrt ein moderner Elektromotor, was große Heiterkeit bei den Umstehenden auslöst.

Foto: Thomas Osterfeld

Mehrere tausend Besucher erleben ihre persönliche Zeitreise in die Automobilgeschichte. Vom Fiat 500 bis zum Rolls Royce, vom Vorkriegs-Dixi aus Eisenach bis zum Youngtimer-BMW, der gerade erst sein H-Kennzeichen bekommen hat, ist alles vertreten. Die Kennzeichen verraten den Einzugsbereich: Die Halter kommen nicht nur aus OS und ST, viele auch aus dem Emsland, aus dem Ruhrgebiet, aus Ostwestfalen, einer sogar aus Peine. Besonders jene Typen, die einst bei Karmann vom Band liefen, kehren offensichtlich gern einmal in ihre „Heimat“ zurück, ob es die Ghias sind, die VW-Käfer-Cabrios, die Sciroccos, die Porsche 914 oder gar die Vorkriegs-Adler.

Rolls Royce. Foto: Thomas Osterfeld

Manches Detail der Fahrzeug-Accessoires lässt einen schmunzeln. Klopapierrolle im Häkelmantel, Wackel-Dackel und den alten Shell-Atlas hat man ja schon häufiger gesehen, aber dann trifft man auch auf eine alte Vogtländer-Superb-Kamera auf der Hutablage, auf hölzerne Wasserskier von 1963 auf dem Dachgepäckträger eines VW-T 1-Busses, auf eine Musikkassette mit Schlagern von Drafi Deutscher und Siw Malmquist aus dem Jahr 1964, dem Geburtsjahr des zugehörigen Mercedes 220 SE Cabrio. Oder Bademoden der 1950er-Jahre, aufgehängt auf der Wäscheleine neben einem frühen VW-Camper. 



Unter dem DDR-Kleinlaster vom Typ Barkas lugen die Beine einer Puppe im Monteursanzug hervor – wohl eine Anspielung darauf, dass hier häufiger Gelegenheit zum Schrauben bestand. Auch die leiblichen Genüsse werden stilecht serviert: Barre-Bier aus einem 1937er Pariser Stadtbus, Bratwürste vom THW-Tragspritzanhänger, Eis aus einem VW-T 3-Kastenwagen. Auf reges Interesse stoßen auch die halbstündlichen Rundfahrten mit einem Stadtbus aus dem Jahr 1955, angeboten vom Verein Traditionsbus Osnabrück.


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