Reparatur in 56 Meter Höhe Osnabrücker Josephskirche bekommt neuen Dachziegel

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Osnabrück. Großer Aufwand für einen kleinen Ziegel: Für die Reparatur einer Dachpfanne in der Turmspitze musste die katholische Sankt Josephsgemeinde jetzt schweres Gerät auffahren. Für den Einsatz des Dachdeckers brauchte es in luftiger Höhe den sogenannten Palfinger.

Dabei handelt es sich um eine Hubarbeitsbühne, die sich dank Hydraulik bis zu 75 Meter in den Himmel schieben kann. Von ihr sind deutschlandweit nur zwei im Einsatz, erklärt Carsten Weber, während er seinen LKW mit dem aufmontierten Palfingersystem standsicher macht. Der Berufskraftfahrer mit spezieller Qualifikation für Arbeitsbühnen ist noch zur Nachtzeit in Hamburg gestartet, um am frühen Morgen an der Osnabrücker Josephskirche zu sein.

Dort wartet bereits Thomas Marting. Am Abend zuvor sei er von seiner Firma gebrieft worden, berichtet der Dachdecker-Fachgeselle. Aber bis jetzt ist nicht klar, welche Art von Dachpfanne er da oben knapp unter dem Wetterhahn einzusetzen hat. Das ist von unten mit bloßem Auge und mit Fernglas nicht zu erkennen. „Ich nehme mal eine Hohlziegel und eine Hohlfalzziegel mit hoch.“

Keine Höhenangst

Marting legt seinen Sicherheitsgurt an und berichtet, dass er noch nie mit einem Hubsteiger dieser Größenordnung gearbeitet hat. „Ich bin aber kopffest“, behauptet er und grinst leicht. Soll wohl heißen, dass Marting dem Phänomen Höhenangst noch nicht begegnet ist? „Nee, kenn ich nicht. Intellektuell weiß ich ja, dass mit Gurt nix passieren kann.“

Sagt’s und entschwindet mit Arbeitsbühnenlenker Carsten Weber gen Turmspitze. Bei Höhenmeter 56,50 wird die Auffahrt gestoppt. Langsam schwebt die Hubbühne (Grundfläche knapp vier Quadratmeter) zum nordwestlichen Dachgrat an jene Stelle, wo der Orkan „Friederike“ Anfang des Jahres einen einzigen Ziegel hinwegfegte.

Thomas Marting erkennt als erstes, dass er einen Hohlziegel ersetzen muss und als zweites, dass er ihn vorab passend flexen muss. Anschließend verschraubt er die Pfanne im Draht. Was nun folgt, dauert länger als die gesamte Reparatur. Damit Marting weitere Sturmschäden inspizieren kann, lenkt Carsten Weber die Hubbühne einmal um die Kirchturmspitze herum. Am Turm ist nichts mehr zu entdecken, wohl aber auf dem Dach des Langhauses. Auch an diese Stellen kommt man mit den Hebebühnen der Region und ihrer Hubhöhe von maximal 30 Meter nicht ran, meint Marting. Gut, dass der Palfinger vor Ort ist.

Teure Aktion

„Die Dachpfanne für den Turm kostet vielleicht zehn Euro. Der Rest der Aktion tausendmal so viel“, sagt Rolf Siekmann. Der Hausmeister der Kirchengemeinde war mit dabei, als der Gutachter der Versicherung den Sturmschaden aufnahm und feststellen musste, dass ein Baugerüst nicht über die Turmwendeltreppe transportiert werden kann und deswegen der Spezialkran mit Arbeitsbühne zu ordern war.

Geld kostet auch der „rote Teppich“ für den LKW mit Palfinger. Um die Pflastersteine durch das tonnenschwere Gerät nicht zu zerstören, legte eine Firma aus Ibbenbüren vier Finger breite und sechs Meter lange Holzbohlen aus. „Dazu kommt noch die Absperrung, die von einer weiteren Firma gemacht wird“, so Hausmeister Siekmann. „Vor einer Woche haben sie schon Hinweise angebracht, damit man im Fall des Falls Autos abschleppen darf.“

Im Januar fegte das Orkantief „Friederike“ einen Dachziegel vom Turm der St. Josephskirche. Foto: Swaantje Hehmann

Zumindest hat Petrus wohl wettermäßig ein Auge auf die aufwendige Aktion gehabt. Bei Regen hätte man erst wieder einen neuen Termin für den seltenen und daher gefragten Palfinger machen müssen.


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