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Beitragsfreie Kitas So unterschiedlich werden Eltern in der Region Osnabrück entlastet

Von Jean-Charles Fays

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Die Eltern in der Region Osnabrück werden durch die beitragsfreie Kita ab August unterschiedlich stark entlastet. Ein Überblick über die Situation in zwölf Städten, Gemeinden und Samtgemeinden in unserer Region. Foto: David EbenerDie Eltern in der Region Osnabrück werden durch die beitragsfreie Kita ab August unterschiedlich stark entlastet. Ein Überblick über die Situation in zwölf Städten, Gemeinden und Samtgemeinden in unserer Region. Foto: David Ebener

Osnabrück. Ab August wird der Kindergartenbesuch für Kinder ab drei Jahren beitragsfrei, doch die Eltern in der Region Osnabrück werden unterschiedlich stark entlastet. Während die achtstündige Betreuung in Bad Rothenfelde 155 Euro und in Osnabrück 182,70 Euro monatlich kostete, wurde in Kommunen mit einkommensabhängigen Beiträgen in der höchsten Stufe teilweise mehr als das Doppelte verlangt.

Ein Überblick über die Situation in 13 Städten, Gemeinden und Samtgemeinden in der Region Osnabrück:

Osnabrück

In Osnabrück kostete die vierstündige Betreuung bislang 101,50 Euro und die achtstündige Betreuung 182,70 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern in der Stadt Osnabrück künftig 21,32 Euro. Die Stadt Osnabrück geht davon aus, dass die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land kostendeckend ist.

Hasbergen

In Hasbergen lag der Beitrag je nach Einkommen bei einer vierstündigen Betreuung zwischen 64 Euro und 136 Euro und bei einer achtstündigen Betreuung zwischen 128 Euro und 272 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern in Hasbergen künftig je nach Einkommen zwischen 16 Euro und 34 Euro. Die Gemeinde geht nicht mehr davon aus, dass die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land kostendeckend sein wird. Hintergrund ist nach Angaben der Gemeinde - neben anderen Faktoren - dass auch die Kinder, die das dritte Lebensjahr während des Krippenbesuches vollenden, beitragsfrei werden. Wie hoch die konkreten Mehrkosten sein werden, müsse noch ermittelt werden.

Bissendorf

In Bissendorf lag der Beitrag je nach Einkommen bei einer vierstündigen Betreuung zwischen 64 Euro und 185 Euro und bei einer achtstündigen Betreuung zwischen 128 Euro und 370 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern in Bissendorf je nach Einkommen mindestens 16 Euro und höchstens 46,25 Euro. Die Gemeinde geht nicht davon aus, dass die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land kostendeckend sein wird. Die Gemeinde kritisiert, dass vom vorgesehenen „Härtefall-Fonds“ für Kommunen, die trotz der erhöhten Landesfinanzhilfe unter Einnahmeausfällen leiden, vornehmlich die Kommunen partizipieren, die schon bisher hohe Beiträge erhoben haben.

Melle

In Melle kostete die vierstündige Betreuung bislang 100 Euro und die achtstündige Betreuung 180 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern künftig 20 Euro. Die Stadt kann aktuell noch nicht einschätzen, ob die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land ausreichen wird, die Kosten der Beitragsfreiheit zu decken.

Samtgemeinde Bersenbrück

In der Samtgemeinde Bersenbrück kostete die vierstündige Betreuung bislang 100 Euro und die achtstündige Betreuung 184 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern künftig 26 Euro. Die Samtgemeinde geht davon aus, dass die erhöhte Landesfinanzhilfe in Höhe von 55 Prozent für das Kindergartenjahr 2018/2019 noch nicht kostendeckend sein wird. Erst ab einer Landesfinanzhilfe von 57 Prozent würden die Kosten gedeckt, wenn die Nachfrage nicht steige. Bei einer noch moderaten Betreuungsquote von 84 Prozent seien aber Kostensteigerungen durch eine höhere Nachfrage zu erwarten. Da auch Kinder, die im Alter von drei Jahren noch in der Krippengruppe sind, vom Beitrag freizustellen sind und es dafür keinen finanziellen Ausgleich über die Finanzhilfe des Landes gebe, müsse die Samtgemeinde dadurch knapp 20 Prozent an Beitragsverlusten tragen.

Belm

In Belm kostete die vierstündige Betreuung bislang 100 Euro und die achtstündige Betreuung 200 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern künftig 25 Euro. Die Gemeinde geht davon aus, dass die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land knapp ausreichen wird. Die Gemeinde bemängelt jedoch, dass die Vertretungs- und Teilzeitkräfte mit weniger als der Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit bei dem Ansatz unberücksichtigt bleiben.

Wallenhorst

In Wallenhorst kostete die vierstündige Betreuung bislang 97 Euro und die achtstündige Betreuung 194 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern künftig 24,42 Euro. Die Gemeinde kann aktuell noch nicht einschätzen, ob die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land ausreichen wird, die Kosten der Beitragsfreiheit zu decken. Die Gemeinde kritisiert, dass über den vom Land vorgesehenen Härtefall-Fonds „Kommunen belohnt werden sollen, die in der Vergangenheit extrem hohe Kitagebühren erhoben haben“.

Bad Iburg

In Bad Iburg lag der Beitrag je nach Einkommen bei einer vierstündigen Betreuung zwischen 70 Euro und 120 Euro und bei einer achtstündigen Betreuung zwischen 140 Euro und 240 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern in Bad Iburg je nach Einkommen zwischen 17,50 Euro und 30 Euro. Die Stadt geht davon aus, dass die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land zunächst kostendeckend sein wird. Abzuwarten bleibe, inwieweit sich die Bedarfe durch die Ausweitung der Betreuungszeiten ändern und dadurch höhere Kosten entstehen.

Bad Rothenfelde

In Bad Rothenfelde kostete ein Halbtagsplatz bislang 110 Euro und die achtstündige Betreuung 155 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern in dem Kurort 15 Euro. Die Gemeinde geht nach ersten Berechnungen davon aus, dass die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land nicht ausreichen wird, um die durch die Beitragsfreiheit entstehende Deckungslücke zu schließen.

Bohmte

In Bohmte lag der Beitrag je nach Einkommen bei einer vierstündigen Betreuung zwischen 103 Euro und 157 Euro und bei einer achtstündigen Betreuung zwischen 185 Euro und 285 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern in Bohmte je nach Einkommen zwischen 21 Euro und 32 Euro. Die Gemeinde kann aktuell noch nicht einschätzen, ob die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land kostendeckend sein wird.

Samtgemeinde Fürstenau

In der Samtgemeinde Fürstenau kostete ein Halbtagsplatz bislang 95 Euro und die achtstündige Betreuung 175 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern in der Samtgemeinde 20 Euro. Die Samtgemeinde Fürstenau kann aktuell noch nicht einschätzen, ob die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land kostendeckend sein wird.

Samtgemeinde Artland

In der Samtgemeinde Artland lag der Beitrag je nach Einkommen bei einer vierstündigen Betreuung im Kindergarten zwischen 87 Euro und 180 Euro und bei einer achtstündigen Betreuung zwischen 176 Euro und 359 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern in Bohmte je nach Einkommen zwischen 22 Euro und 44 Euro. Die Samtgemeinde kann aktuell noch nicht einschätzen, ob die Erstattung von 55 Prozent der Personalkosten durch das Land kostendeckend sein wird.

Bad Laer

In Bad Laer lag der Beitrag je nach Einkommen bei einer vierstündigen Betreuung im Kindergarten zwischen 88 Euro und 126 Euro und bei einer achtstündigen Betreuung zwischen 176 Euro und 252 Euro. Für jede weitere Stunde, die über die achtstündige kostenfreie Betreuung hinausgeht, bezahlen Eltern künftig 34 Euro. Die Gemeinde im Südkreis geht davon aus, dass die Landesfinanzhilfe nicht kostendeckend sein wird.


Beitragsfreie Kita

Eltern in Niedersachsen müssen für den Kindergarten ab August keine Beiträge mehr bezahlen. Künftig sind alle drei Jahre des Kita-Besuchs gebührenfrei. Bislang galt dies nur für das Jahr vor der Einschulung. Eltern haben Anspruch auf acht Stunden kostenfreie Betreuung. Für Betreuungszeiten, die darüber hinausgehen, dürfen die Träger weiterhin von den Eltern Gebühren verlangen. Gibt es in Kommunen Engpässe bei den Kita-Plätzen, übernimmt das Land auch die Kosten für Tagesmütter. Die Beitragsfreiheit gilt auch für Kinder, die das dritte Lebensjahr noch in der Krippe vollenden. Voraussetzung für die Beitragsfreiheit ist aber auch, dass die Kindergartenkinder mindestens drei Jahre alt sind. Das Land will bis zu 1,4 Milliarden Euro bis 2022 bereitstellen, um die Kommunen für fehlende Kita-Beiträge zu entschädigen. Kritiker befürchten, dass das Geld nicht reichen wird, um die fehlenden Elternbeiträge zu kompensieren und für viele Kommunen dadurch Mehrkosten entstehen.

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