Osnabrücker Museum ohne Bilder Architektur erzählt eine Geschichte: Rundgang durch leeres Nussbaum-Haus

Von Anne Reinert

Daniel Libeskind erzählt mit der Architektur des Nussbaum-Hauses in Osnabrück eine Geschichte. Foto: Gert WestdörpDaniel Libeskind erzählt mit der Architektur des Nussbaum-Hauses in Osnabrück eine Geschichte. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Nicht nur Felix Nussbaums Bilder sind Kunst, sondern auch das Museum selbst, in dem sie gezeigt werden. Ein Gang durchs leere Nussbaum-Haus macht das deutlich.

Eine schwere Eisentür fällt hinter dem Rücken der Besucher ins Schloss. Vor sich haben sie einen langen, schmalen Gang aus Rohbeton. Bedrückend und angsteinflößend wirkt das. Und das soll es auch. Daniel Libeskind hat mit dem Felix-Nussbaum-Haus ein Gebäude mit ganz eigener Architektur erschaffen, die die Besucher verwirren soll. Diese Wirkung entfaltet sich auch oder gerade eben jetzt, wenn keine Bilder an den Wänden hängen.

„Wir alle haben ein Klischee davon im Kopf, wie ein Museum aussehen soll“, sagt Karsten Hinrichs, Mitarbeiter des Nussbaum-Hauses. Die meisten erwarten, dass sie einen freundlichen, hellen Raum betreten, in dessen Eingangsbereich vielleicht ein paar Statuen stehen. Freundlich und hell zumindest ist der heutige Eingangsbereich im Anbau des Museums, der 2011 nachträglich eröffnet wurde. Doch wer das eigentliche Museum betritt, lässt sich auf ein Verwirrspiel ein, dass Daniel Libeskind mit den Besuchern treibt. Kaum eine Wand verläuft parallel zur anderen. Stattdessen wartet das Nussbaum-Haus mit sich verengenden Fluchten und toten Winkeln auf. Und schließlich stehen die Besucher vor einer Wand, an der es nicht weitergeht. Hier ist das Ende des „Museums ohne Ausgang“. Wer wieder raus will, muss umkehren.

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Verwirrende Architektur

Karsten Hinrichs arbeitet von Anfang im Nussbaum-Haus und kennt sich bestens mit der Architektur aus. Er weiß, wann wo das Tageslicht ins Museum fällt oder verweist auf Oberlichter, die im einen Raum beginnen und im gegenüberliegenden fortgesetzt werden.

Vieles würden Besucher intuitiv machen, weiß Karsten Hinrichs. So laufen viele in Schlangenlinien durch den oberen Gang, wo ein Gitter schief über den Boden verläuft. Das führt zu einer optischen Täuschung, die es schwer macht, in der Mitte des Gangs zu laufen. Überhaupt würden Besucher vieles unbewusst machen, sagt Hinrichs. So ziehen sich viele im Saal des Museums mit ihrem Handy in eine dunkle Ecke zurück, weil sie glauben, dort geschützt zu sein. Das Gegenteil ist der Fall. Denn an dieser Stelle im Raum entsteht ein Echo, sodass jeder im Raum das Telefonat mithören kann.

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Libeskind erzählt Nussbaums Lebensgeschichte

Daniel Libeskinds Absicht war es, mit der Architektur Felix Nussbaums Lebensgeschichte zu erzählen. Ein Gebäudeteil etwa zeigt in Richtung Rolandstraße, wo früher die Synagoge stand. Ein anderer Teil richtet sich auf die Villa Schlikker, die von 1933 bis 1945 die Verwaltungszentrale der Nationalsozialisten war. Auch nach Hamburg zeigt eine Gebäudelinie. In der Hansestadt nahm der junge Felix Nussbaum Anfang der 20er-Jahre sein Kunststudium auf.

Eine Linie dagegen fehlt: die nach Auschwitz, wo Nussbaum 1944 ermordet wurde. Denn Daniel Libeskind will den Maler zum einen nicht nur als Opfer zeigen, sondern als Künstler, der vor der Machtergreifung der Nazis zu den hoffnungsvollsten Nachwuchstalenten in Deutschland zählte. Zum anderen steht die fehlende Linie nach Auschwitz dafür, dass Nussbaum nach seiner Verhaftung für die Nazis nichts anderes als eine Nummer in einer Liste war.

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