Einmalige Aktion Flüchtling kocht in der Osnabrücker Bahnhofsmission für Bedürftige

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Der Afghane Ata Mohammad Babakarkhil will der Gesellschaft etwas zurückgeben und Obdachlosen helfen. Foto: Gert WestdörpDer Afghane Ata Mohammad Babakarkhil will der Gesellschaft etwas zurückgeben und Obdachlosen helfen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Ata Mohammad Babakarkhil will der Gesellschaft etwas zurückgeben, die ihn vor zwei Jahren in Osnabrück aufgenommen hat. Am Freitag kochte der junge Afghane zusammen mit Ehrenamtlichen und mit Unterstützung des TSV Osnabrück und des Café Mandela für die Besucher der Bahnhofsmission.

Dass es in einem so reichen Land wie Deutschland Menschen gibt, die auf der Straße leben, die mitten in der Osnabrücker Fußgängerzone um ein paar Euro bitten: Das hat Ata Mohammad Babakarkhil erschüttert. "Ich weiß selbst, wie es ist, wenn man Hilfe braucht", sagt der 24-Jährige, der im April 2016 als Flüchtling nach Osnabrück kam. Er spricht nicht von "der Gesellschaft", sondern von "unserer Gesellschaft": "Ich will unserer neuen Gesellschaft etwas zurückgeben." 

Im August beginnt er eine Ausbildung im Fach sozialpädagogische Assistenz bei der Berufsbildenden Schule im Sutthauser Marienheim. Sein Deutsch ist fast perfekt, sein Aufenthaltsstatus ist es nicht. Wie so viele andere geflüchtete Afghanen hat er einen ablehnenden Bescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bekommen, zurzeit läuft sein Klageverfahren und er lebt mit einer Aufenthaltsgestattung in Osnabrück. (Lesen Sie auch: Asylverfahren häufen sich beim Verwaltungsgericht Osnabrück)

Keine leichte Situation, und doch will er helfen. Gern hätte er für Obdachlose gekocht und das Essen in der Fußgängerzone verteilt. Doch Julia zur Heide, die ihn seit seiner Ankunft in Osnabrück ehrenamtlich begleitet, musste ihn darauf hinweisen, dass das nicht so einfach geht, erzählt sie lächelnd. 



Julia zur Heide begleitet Ata Mohammad Babakardhil seit seiner Ankunft in Osnabrück im April 2016. Im Hintergrund der ehrenamtliche Bahnhofsmissionsmitarbeiter Michael Liening. Foto: Gert Westdörp



Über ihre Kontakte zum Café Mandela, der Begegnungsstätte der Diakonie für Flüchtlinge und Helfer am Rosenplatz, war mit der Bahnhofsmission rasch ein anderer Ort gefunden. Der TSV Osnabrück sponserte die Aktion finanziell. 


Normalerweise erhalten die Besucher der Bahnhofsmission nur eine Tasse Kaffee und ein Butterbrot. Dass es an diesem Tag eine warme Mahlzeit gibt, hat sich rasch herumgesprochen. Um zehn Uhr stellte sich Ata Mohammad Babakarkhil an den Herd, schon um 12 Uhr kann Missionsleiter Marcel Bohnenkamp sagen, dass heute rund ein Drittel mehr Besucher kommen als sonst. Im Schnitt sind es täglich 40 bis 80, unter ihnen auch zahlreiche Geflüchtete. Zwei Migranten engagieren sich selbst als ehrenamtliche Mitarbeiter im Team. 


Dirk Koentop vom TSV Osnabrück serviert Lothar G. eine Portion. Der Rentner ist regelmäßig Gast in der Bahnhofsmission. Foto: Gert Westdörp


Die Besucher bekommen dieses Mal ein typisch afghanisches Gericht: Kabuli – Reis mit Hähnchenfleisch, Möhren und Rosinen, dazu Qurma – Hackbällchen in Brühe. Im Speise- und Aufenthaltsraum sitzen drei Herren vor ihren dampfenden Tellern und essen. Wie er es finde, dass heute ein Flüchtling gekocht hat? "Ich finde, es hat nichts damit zu tun, ob er Flüchtling ist oder nicht", sagt ein Herr aus dem ehemaligen Jugoslawien. "Wichtig ist, dass er das freiwillig macht und ehrenamtlich." Einen Tisch weiter sitzt ein 60-jähriger Mann, der sich als Lothar G. vorstellt. Er kommt drei- bis viermal die Woche in die Bahnhofsmission, um hier sein Butterbrot zu essen und seinen Kaffee zu trinken – aus finanziellen Gründen. Seine geringe Rente reicht nicht aus, erzählt er. Über die warme Mahlzeit freut er sich.


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