Unterwegs mit der Bienenexpertin Exkursion in Osnabrück: Wo die wilden Bienen summen

Von Carolin Hlawatsch


Osnabrück. Biene ist nicht gleich Biene: Die wilden Verwandten der Honigbiene kommen auch in Osnabrück in zahlreichen Arten vor – von der Bärtigen Sandbiene bis zur Dunkelfransigen Hosenbiene. Eine Exkursion mit Janina Voskuhl, die die Bienen erforscht und ein Buch veröffentlicht hat.

Es ist sonnig, warm und still. „Bestes Bienenbeobachtungs-Wetter“, sagt Janina Voskuhl. Mit ihr brechen an diesem Samstag rund 20 Teilnehmer zu einer dreistündigen Exkursion entlang des Osnabrücker Stichkanals auf. „Heute gehen wir den Sand- und Seidenbienen auf die Spur“, kündigt die Bienenexpertin an. Der Stichkanal mit seinen sandigen Waldböschungen und Dämmen stelle ein ideales Gebiet für unterirdisch nistende Bienenarten wie die Sandbienen dar, die auch Erdbienen genannt werden. Zudem sei die blütenreiche Vegetation am Stichkanal wie ein reich gedeckter Tisch für viele Insekten.

Auf den gelben, knopfartigen Blüten des Rainfarns entdeckt die Gruppe wenig später eine Seidenbiene. „Diese Wildbienenart wird als Urbiene bezeichnet, da sie ein ursprüngliches Merkmal besitzt. Sie hat eine gespaltene Zunge, ähnlich wie die einer Schlange“, berichtet Janina Voskuhl. Die Teilnehmer lauschen nicht nur gebannt, sondern helfen der Expertin auch, die schwirrenden Objekte der Begierde für kurze Zeit einzufangen, um sie in Bechergläsern genauer unter die Lupe nehmen zu können. „Ich hab wieder eine“, ruft einer der jüngsten Exkursionsteilnehmer und reicht Janina Voskuhl stolz das Glas.

Faszinierende Vielfalt der Bienenwelt

Zahlreiche, interessante Sichtungen, darunter Stein- und Erdhummeln, winzig kleine Schmalbienen oder eine Bindensandbiene mit prall gefüllten gelben Pollenhöschen, geben der Gruppe ein Gefühl für die faszinierende Vielfalt der Bienenwelt. 569 Arten gebe es in Deutschland, 365 in Niedersachsen. Die vom Menschen als Nutztier gehaltene Honigbiene sei nur eine davon. Alle anderen, nicht domestizierten, frei lebenden Arten werden als Wildbienen bezeichnet.

Was die wenigsten wüssten: Auch die 40 verschiedenen in Deutschland vorkommenden Hummelarten gehören zu den Wildbienen, sind die größten und auffälligsten unter ihnen. Der bekanntesten Biene Deutschlands, nämlich der Biene Maja, fehle es übrigens ein wenig an Realitätstreue, sagt Janina Voskuhl. Die Teilnehmer schmunzeln, als sie eine große Stoffbiene aus ihrem Rucksack holt und daran aufzeigt, dass Bienen stets sechs Beine und vier Flügel besäßen und nicht wie Maja nur vier Beine und zwei Flügel. „Ihr Zeichner war wohl kein Insekten-Kenner“, sagt sie augenzwinkernd.

Auf ihrer Wanderung lernen die Exkursionsteilnehmer, dass offene Bodenstellen, wie sie am Stichkanal, aber auch an einigen anderen Orten im Stadtgebiet zu finden sind, gerade für erdnistende Bienen lebensnotwendig sind. Sie graben dort ihre Nester in den Boden, wodurch Sandaufschüttungen entstehen, die wie winzige Maulwurfshügel aussehen. Im eigenen Garten sind derartige Flecke oftmals unerwünscht – Schade für die Bienen.

Bienen mögen naturnahe Gärten

„Was können wir denn selbst zum Schutz der Wildbienen tun?“, fragt ein Teilnehmer-Paar. „Hilfreich für die Tiere ist es, den Garten oder Balkon naturnah zu gestalten mit möglichst vielen verschiedenen Blumen und einigen Wildkräutern“, erklärt Janina Voskuhl. Damit Wildbienen nicht in Hungersnot geraten, bräuchten sie das ganze Jahr über ein vielfältiges Blütenangebot. Für die „Frühaufsteher“ unter den Bienenarten, diejenigen die bereits ab März fliegen, seien Frühblüher wie Krokus, Schneeglöckchen oder Lerchensporn wichtig. Außerdem sollten Mauerspalten nicht immer abgedichtet und alte Bäume belassen werden, denn diese Art von Höhlen dienen Wildbienen als Nistplatz.

Wer die Möglichkeit zu einer Exkursion mit Wildbienenexpertin Janina Voskuhl verpasst, der bekommt in ihrem Buch „Wildbienen in der Stadt Osnabrück“ Anregungen, selbst auf Entdecker-Tour zu gehen. Zusammen mit Herbert Zucchi stellt sie darin nicht nur Arten wie Fuchsrote Sandbienen, Platterbsen-Mörtelbienen und Garten-Wollbienen mit ihren vielfältigen Nistplätzen, blütenreichen Nahrungsflächen und markanten Rendezvousplätzen vor, sondern gibt auch Beobachtungs- und Exkursionstipps für unterschiedliche Osnabrücker Stadtteile. Darüber hinaus zeigen die Autoren, jeder Bürger mit vielen kleinen Aktionen im eigenen Garten, auf Terrasse oder Balkon, auf dem Schulhof oder Kitagelände Gutes für Wildbienen tun kann.

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Mit einem Kescher fängt Exkursionsleiterin Janina Voskuhl verschiedene Wildbienenarten ein. Foto: Carolin Hlawatsch

„Bereits seit 2014 laufen verschiedene Bienenprojekte in der Stadt Osnabrück. Aufgrund des großen Interesses der Bürger, wollten wir die gesammelten Ergebnisse nun der Bevölkerung zur Verfügung stellen“, erklärt Janina Voskuhl. Das Wildbienenbuch ist mit einer Auflage von 3000 Exemplaren erschienen, etliche davon werden an Schulen und Kitas verteilt –mit gutem Grund. Die junge Generation hat es in der Hand, ob es auch künftig ausreichend Lebensräume für Wildbienen in der Stadt gibt.


Mehr als 550 Wildbienen-Arten in Deutschland

In Deutschland gibt es mehr als 550 Wildbienenarten, die sich optisch durch Größe, Färbung oder Musterung unterscheiden und bis zu drei Zentimeter lang sind. Verschieden sind die bevorzugten Nahrungspflanzen und Nistplatzanforderungen. Janina Voskuhl und Professor Herbert Zucchi von der Hochschule Osnabrück erforschen seit einigen Jahren die hiesige Bienenvielfalt und bemühen sich zusammen mit dem Osnabrücker Bienenbündnis darum, Bürger für den Schutz der Insekten zu sensibilisieren. Ein Beitrag ist das Buch „Wildbienen in der Stadt Osnabrück“, das kostenlos an der Nackten Mühle, im Museum am Schölerberg, in der Buchhandlung zur Heide und in der Tourist-Information an der Bierstraße in Osnabrück erhältlich ist.

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