Direktor Nils-Arne Kässens zieht Bilanz Im Felix-Nussbaum-Haus wird Verlaufen zur Chance

Von Ralf Döring

Betrachtet die Libeskind-Architektur als Herausforderung: Nils-Arne Kässens Foto: Gert WestdörpBetrachtet die Libeskind-Architektur als Herausforderung: Nils-Arne Kässens Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Anderthalb Jahre ist Nils-Arne Kässens Museumsdirektor, und muss schon 20 Jahre Nussbaum-Haus feiern. Er macht das Beste daraus.

Durch eine Tür, eine Treppe hoch, wieder ein Tür, Treppe hinunter. Im spitzen Winkel abbiegen, noch eine Tür: Hier hat Nils-Arne Kässens sein Büro. Ob er sich noch verläuft? Er lacht. „Einen Monat habe ich schon gebraucht“. Jetzt, nach anderthalb Jahren als Museumsdirektor findet er sich ganz gut zurecht im Felix-Nussbaum-Haus. „Es wird ja kolpotiert, Daniel Libeskind hätte sich selbst verlaufen in seinem Museumsbau“, sagt Kässens weiter. Aber das sei ja Teil des Konzepts. Und für ihn ein Anreiz, die Stelle anzutreten. Weiterlesen: Nils-Arne Kässens formuliert erste Ideen

Das Felix-Nussbaum-Haus meint es nicht freundlich

Spitze Winkel, Lichtschächte, die Wände und Decken scharf und schräg durchschneiden: Das Felix-Nussbaum-Haus meint es nicht freundlich mit Ausstellungsmachern. „Man darf hier nicht gegen die Architektur arbeiten“, sagt Kässens. Aber genau diese Herausforderung hat er angenommen, als er am 15. Dezember 2016 zum ersten Mal durch das Betonlabyrinth aus Treppen und Gängen in sein Büro mit den markant gezackten Fenstern gekommen ist.

Eigentlich ist es also viel zu früh für ihn, Bilanz zu ziehen: Was hat er erreicht in den anderthalb Jahren? Fest steht: Hier sitzt kein Hitzkopf, der mit rauchenden Reifen durch die Kulturlandschaft pflügt, und auch kein Nerd, der mit genialischer Versponnenheit das Ausstellungswesen neu erfindet. Kässens Stärke scheint eher eine strukturierte Beharrlichkeit zu sein, mit der seine Vorstellungen nach und nach Gestalt annehmen.

Einer der größten Erfolge ist dabei gar nicht so sehr sichtbar: Er hat sein Team verstärkt um zwei Kuratorinnen und eine Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Andere wenden sich schon deutlicher nach außen: Das Museumsquartier habe sich zu einem kulturellen Zentrum entwickelt, das an jedem dritten Tag eine Veranstaltung anbiete, achtzig bisher, und es werden noch etliche folgen. Dafür hat er das Eckgebäude des Museumsquartiers renovieren und umbauen lassen: Im Akzisehaus werden künftig Vorträge, kleine Ausstellungen, Konzerte einen Platz finden.

Die neue Dachmarke

Vor allem aber arbeitet Kässens daran, vier Häuser mit jeweils eigenständigem Profil unter der Dachmarke „Museumsquartier“ zu vereinen. Die neue Homepage mit neuem gemeinsamem Design – die „Corporate Identity“ – für die vier Teilhäuser ist seit kurzem freigeschaltet. Freies W-Lan im Museum gibt es mittlerweile, ein neues Leitsystem wird kommen. Kleine Schritte sind das auf dem Weg zu großen Zielen: Die repräsentative Schau zum 25-jährigen Jubiläum des Felix-Nussbaum-Hauses ist eines, die Umwidmung der Villa Schlikker zum Callmeyer-Haus ein anderes. Das geplante Museumscafé ist dabei ein zentraler Baustein, Stichwort Verweilqualität. Es soll rundum Freude bereiten, das Museumsquartier zu besuchen. Den Osnabrückern genauso wie den Gästen von außerhalb. Weiterlesen: Kässens stellt sein Museumskonzept vor

Denn Kässens muss seine Museen, und da vor allem das Felix-Nussbaum-Haus überregional bekannter machen. Dabei spielen ihm die Zeitläufte in die Hände. „Felix Nussbaum ist Teil des Kanons geworden“, sagt er; ablesen lässt sich das an den Anfragen um Leihgaben, etwa aus der Neuen Galerie in New York. Aber: „Ich halte nichts davon, Museen wie Ufos zu betreiben“, sagt er. Glaubhaft „überregional wirken“ kann er nur, wenn das Museumsquartier „hier lokalisiert ist.“

Deshalb öffnet das Haus jetzt die Türen: 20 Tage lang bespielen 20 Freunde die Architektur von Daniel Libeskind, bei freiem Eintritt. Das Konzept dazu hat ihm in den Fachbereichsleiterin Patricia Mersinger gewissermaßen in den Schoß gelegt. Aber Kässens spinnt die Idee weiter: Seit einigen Tagen schmücken Stelen im leuchtenden Gelb der neuen Corporate Identity Orte in der Stadt: Sie tragen Nussbaums Bilder in die Stadt, symbolisch natürlich, aber versehen mit Werkerläuterungen, die sich über einen QR-Code mit dem Smartphone abrufen lassen. So schließt Kässens Nussbaum locker an die digitale Welt an.


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