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Porträt des zweitjüngsten Ratsherrn Philipp Christ: Der neue Hoffnungsträger der Osnabrücker SPD

Von Benjamin Havermann

Neuer Arbeitsort: Der 23-jährige Philipp Christ wird als neuer SPD-Ratsherr demnächst häufiger im Ratssitzungssaal im Rathaus Osnabrück sein. Foto: David EbenerNeuer Arbeitsort: Der 23-jährige Philipp Christ wird als neuer SPD-Ratsherr demnächst häufiger im Ratssitzungssaal im Rathaus Osnabrück sein. Foto: David Ebener

Osnabrück. Philipp Christ ist nicht nur neuer Ratsherr, sondern nun auch Mitglied im Verwaltungsausschuss, im Ausschuss für Finanzen- und Beteiligungssteuerung sowie im Aufsichtsrat des Klinikum Osnabrück. Eine steile Karriere für den 23-Jährigen, der der Zweitjüngste im obersten Gremium der Stadt ist. Wer ist der neue Hoffnungsträger der SPD? Ein Porträt.

Dass der 23-Jährige seine Aufgabe ernst nimmt, ließ sich bereits bei seiner Einführung im Ratssitzungssaal beobachten. Ganz Juso-untypisch erschien Philipp Christ Mitte Juni im schicken dunkelblauen Anzug und weißem Hemd. Sein junges Lebensalter überstrahlte er mit einem durch und durch seriösen Auftreten.

Dabei kann Christ schon auf einige politische Erfahrungen zurückblicken. 2013 wurde er ins Osnabrücker Jugendparlament gewählt, seit 2014 ist er Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Neustadt-Wüste. 2011 trat er in die SPD ein. Sein Interesse für Politik fing aber schon früher an. „Mein Leben war von klein auf politisch“, sagt er.

Geschlossene Zuckerfabrik

Als die Zuckerfabrik in seinem Heimatdorf Harsum bei Hildesheim geschlossen wurde, hat sich Christ als Kindergartenkind gesagt: „Wenn ich groß bin, werde ich Bürgermeister und mache die Zuckerfabrik wieder auf.“ In der Grundschule ist er auf engagierte Lehrer getroffen, die ihn zu gesellschaftlichen Engagement motivierten. „Durch die verschiedenen Projekte in der Schulzeit wie die Schließung des Kinderbüros, bei der ich mit Freunden die ZDF-Kindernachrichtensendung LOGO nach Osnabrück geholt habe, kam dann auch der Kontakt und das Interesse zur Politik“.

Durch seine Tätigkeit als Klassensprecher und Schülervertreter stand für ihn fest, dass er direkt politisch aktiv werden möchte. Mit gerade einmal 17 Jahren trat er dann in die SPD ein. Er habe sich auch andere Parteien angeschaut, doch die Sozialdemokratie habe ihn am meisten überzeugt. „Die Grundwerte waren und sind für mich nach wie vor ein Kompass in der politischen Arbeit und im täglichen Leben.“

Bezahlbarer Wohnraum

Diese Werte möchte Christ auch bei seiner zukünftigen Arbeit als Ratsherr einfließen lassen. Er will sich unter anderem für eine gut funktionierende Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum einsetzen. „Als SPD-Ratsherr ist mir vor allem wichtig, dass der Wohnraum für alle bezahlbar bleibt und das urbane Leben in allen Bereichen nicht zum Luxusgut wird“, sagt Christ, der aktuell noch an der Universität Osnabrück Europäische Studien studiert. Bei der Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik wünscht er sich eine sachlichere Diskussion.

Außerdem will er das Osnabrücker Jugendparlament weiter voranbringen. Es sei wichtig, dass junge Menschen früh den Kontakt zur Politik bekommen. Denn hier werde nach wie vor die Zukunft gestaltet. „Das Jugendparlament bringt die einzelnen Abläufe den Jugendlichen näher und eröffnet die Möglichkeit, die Interessen von Jugendlichen in der Stadt Osnabrück stärker zu vertreten.“

Christ ist jetzt nicht nur Ratsherr als Nachfolger von Jens Martin, der den Rat wegen eines Umzugs nach Wuppertal verließ. Er wird auch künftig Mitglied im Verwaltungsausschuss, im Ausschuss für Finanzen- und Beteiligungssteuerung sowie im Aufsichtsrat des Klinikum Osnabrück sein. Große Aufgaben für einen 23-Jährigen, die vielen erst nach einer langen Ochsentour zugetraut werden. Der Zweitjüngste im obersten Stadtgremium fühlt sich aber für die anstehenden Herausforderungen gut gewappnet.

„Selbstvertrauen und der Motivation“

„In einem Kommunalparlament sollten möglichst alle Generationen vertreten sein“, sagt er. Seiner Meinung nach sollte die jüngere Generation die Möglichkeit haben, ihre Zukunft mitzugestalten. Und der Verwaltungs- und Finanzausschuss und der Sitz im Aufsichtsrat seien drei sehr wichtige Gremien. „Ich weiß aber das Vertrauen, mir diese Aufgaben zu geben, sehr zu schätzen und möchte diese bestmöglich erfüllen“, sagt er demütig. Mit einem gesunden Maß an Selbstvertrauen und der Motivation, Politik zu gestalten, sei dies möglich.

Auch Frank Henning, SPD-Fraktionsvorsitzender, hat keine Zweifel, dass Christ seine neuen Aufgaben meistern wird. „Er war schon vor seiner Ratstätigkeit als sogenannter sachkundiger Bürger hinzugewähltes Mitglied im Finanzausschuss.“ In dieser Funktion habe er mit Rederecht an den Sitzungen des Finanzausschusses und der SPD Fraktion teilgenommen und auch Haushaltsberatungen begleitet. Nach der Sommerpause kandidiert Christ zudem als stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzende. „Damit stellt die SPD eine wichtige Weichenstellung für einen Generationswechsel in der Fraktion“, sagt Henning.

Vorbild Helmut Schmidt

Dass mit Christ kein linker Revoluzzer in den Osnabrücker Rat einzieht, machte nicht nur seine Kleidung deutlich, sondern auch sein politisches Vorbild. Ohne großes Zögern nennt er den 2015 verstorbenen Helmut Schmidt – ein konservativer Sozialdemokrat, der während seiner Kanzlerschaft nicht immer auf Parteilinie war und die Liebe seiner Partei erst in seinen letzten Lebensjahren erfuhr.

Die nüchterne Art, die Schmidt hatte, scheint eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden zu sein: „Ich möchte stets bei der Sache bleiben und Sachverhalte möglichst nüchtern betrachten.“ Das kann er bei den nächsten hitzigen Debatten, die es garantiert geben wird, unter Beweis stellen.