Eine Arbeit für starke Persönlichkeiten Triebfahrzeugführerin fährt mit Herzblut für Eurobahn

Von Sina-Christin Wilk

Gemeinsame Freude über einen neuen Karriereweg: Triebfahrzeugführerin Yvonne Held (li.) und Arbeitsvermittlerin Barbara Püning. Foto: Sina-Christin WilkGemeinsame Freude über einen neuen Karriereweg: Triebfahrzeugführerin Yvonne Held (li.) und Arbeitsvermittlerin Barbara Püning. Foto: Sina-Christin Wilk

Osnabrück Nicht immer ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben einfach. Yvonne Held entschied sich für eine Weiterqualifikation zur Triebfahrzeugführerin. Sie brachte ein intensives Jahr hinter sich und fand dank Arbeitsagentur und Eurobahn ihren Weg. Seit März führt sie mit großer Leidenschaft die RB 61 und den RE78.

Rund 15 Jahre kümmerte sich Held um die Erziehung ihrer beiden Töchter. Nebenbei übernahm sie als Tagesmutter Verantwortung für weitere Kinder. Vor drei Jahren entschied sie sich, einen neuen Berufsweg einzuschlagen. Die Wahl für ein Berufsfeld fiel nicht leicht, erinnert sich die heute 46-Jährige. Sie ließ sich bei der Agentur für Arbeit beraten. „Einige Ideen kamen auf den Tisch. Aber es war nicht das Passende dabei. Wenn man sich beruflich neu orientiert, ist es wichtig, dass man das bewusst tut“, sagt Barbara Püning, Arbeitsvermittlerin. „Allein in Osnabrück gibt es über 200 Ausbildungsberufe“, sagt Volkmar Lenzen, Pressesprecher der Agentur für Arbeit. Held suchte eine Herausforderung. Schließlich stieß sie auf einen Zeitungsartikel, der über einen Triebfahrzeugführer berichtete. Ihr Interesse war sofort geweckt.

Berührungsängste gab es keine. 1988 absolvierte Held als eine der ersten Frauen in Deutschland eine Ausbildung zur Telekommunikationselektronikerin. Der Begriff „typische Männerdomäne“ sei ihr fremd: „Es wird Zeit, mit dem Schubladendenken aufzuräumen.“ Püning sieht dies ebenso: „Immer wieder sehen wir Frauen, die sich fragen: Schaffe ich das? Deshalb bieten wir spezielle Beratung für gewerblich-technische Berufe an. Unsere Aufgabe ist es, Impulse zu setzen.“ Püning bestärkte Held und informierte sie über Qualifikationsmaßnahmen. Nach einem Qualifikationstest bei der Arbeitsagentur bewarb sich Held für eine Weiterbildung als Triebfahrzeugführerin.

Lernintensive Monate

Die Keolis Deutschland GmbH & Co. KG, Betreiberin der Eurobahn, sagte zu. Held unterzog sich den Eignungstests: medizinisch, psychologisch, Reaktion. Wenig später startete sie mit der Weiterbildung. Elf intensive Monate, 15 Prüfungen, eine Durchfallquote von 50 Prozent. Zu den Ausbildungshinhalten zählen Kenntniserwerb über Wagen, Bremsen, Streckennetz sowie Simulationen. Geprüft wird durch die Berufsbildungswerke MEV (Mannheimer Eisenbahnverkehr) und das Kolping-Bildungswerk: praktisch, theoretisch und mündlich. Erst nach erfolgreicher Simulatorprüfung werden die Nachwuchsfachkräfte aufs Schienennetz gelassen. Rund 40 Testfahrten sind nötig, um die Triebfahrzeugprüfung ablegen zu dürfen.

„Die Qualifizierung ist anspruchsvoll. Wir vermitteln fundierte Kenntnisse, da ‚Safety‘ oberste Priorität hat. Ein Triebfahrzeugführer bewegt nicht nur Tausende Tonnen Gewicht, sondern trägt auch Verantwortung für die Fahrgäste an Bord“, erklärt Nicole Pizzuti, Unternehmenssprecherin Keolis Deutschland. Sicherheitsauflagen begleiten das gesamte Berufsleben: regelmäßige Überprüfungen von Gesundheit, Sehkraft und Reaktion. Im Gegenzug erwarte das Personal ein attraktives Gehalt nach Tarif, so Pizzuti.

Gute Atmosphäre

Ein Besuch in der Meldestelle am Hauptbahnhof Osnabrück zeigt: Ob bekanntes Gesicht oder fremd – hier wird jeder freundlich begrüßt und direkt geduzt. „Wir sehen uns hier alle als Kollegen“, begeistert sich Held für ihr neues Arbeitsumfeld. Dass sie sich wohlfühlt, ist offensichtlich: Sie spricht nicht von ihrem Arbeitgeber, sondern bevorzugt ein „Wir“. „Die Eurobahn ist nicht nur ein Name, sondern wird als Konzept gelebt“, versichert Pizzuti. „Bei uns wird Vielfalt großgeschrieben. Nationalität, Religion, Geschlecht, gesund oder körperlich eingeschränkt ist für uns kein Thema.“

Für Held zahlte sich die Suche nach neuen Karrierepfaden aus: „Es war ein hartes Jahr für mich, aber es hat sich gelohnt. Ich liebe meinen Job!“