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Gegen die Verschwendung Osnabrücker Foodsaver stellen neuen „Fair-Teiler“ an der Piuskirche auf

Von Matthias Liedtke

Gemeinsam angepackt (von links): Henning, Carly, Alina und Eva bearbeiten den Holzbeschlag für den neuen „Fair-Teiler“ neben der Piuskirche am Kalkhügel. Foto: Elvira PartonGemeinsam angepackt (von links): Henning, Carly, Alina und Eva bearbeiten den Holzbeschlag für den neuen „Fair-Teiler“ neben der Piuskirche am Kalkhügel. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Die Initiative Foodsharing hat einen neuen „Fair-Teiler“ an der Kirche St. Pius am Knappsbrink aufgestellt. Morgen von 10 bis etwa 13 Uhr wird er mit Live-Musik und einer „Schnippel-Party“ eröffnet und in Betrieb genommen.

Seit mittlerweile sechs Jahren besteht die bunt gemischte Osnabrücker Gruppe der bundesweit ehrenamtlich aktiven Lebensmittelretter, die mit derzeit vier Supermärkten und zwei Wochenmärkten die Vereinbarung getroffen hat, nicht verkaufte, abgelaufene, aber noch essbare Waren nicht wegzuwerfen, sondern abholen zu lassen, um sie der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Der von der Gruppe verwendete englische Begriff „Foodsharing“ lässt sich mit „Teilen von Lebensmitteln“ übersetzen.

Nach dem Christus-König-Pfarrhaus an der Bramstraße in Haste und dem Hochschulgelände an der Rehmstraße/Ecke Parkstraße ist die Piuskirche der dritte Standort und die Pfarrei St. Johann der neueste Kooperationspartner für die Aufstellung eines sogenannten „Fair-Teilers“.

In Regalen und einem großen öffentlichen Kühlschrank können dort überschüssige Lebensmittel auch von Privatpersonen zur freien Entnahme zur Verfügung gestellt werden.

Viele Gemeindemitglieder halfen bereits am vergangenen Wochenende auf dem Kalkhügel mit, um den neuen „Fair-Teiler“ fest im Boden rechts neben der Kirche zu verankern und mit einem robusten Holzverschlag zu schützen und somit wetterfest zu machen.

Das Material inklusive Kühlschrank kommt ausschließlich von privaten Spendern, die Pfarrei stellt neben dem Standort auch den Strom aus einer eigens dafür neu gelegten Leitung zur Verfügung. Auch der Gemeinde sei die nachhaltige „Bewahrung der Schöpfung“ ein Anliegen, betonte Andreas Gerlich vom Pfarrgemeinderat St. Pius die weltanschaulichen Schnittmengen mit den Initiatoren. 

Schule mit ins Boot holen

Im Kindergarten werde ohnehin schon ein bewusster, „sinnvoller Umgang mit Lebensmitteln“ zu vermitteln versucht, und auch die Schule soll noch mit ins Boot geholt werden, stellte Gerlich in Aussicht. Auch Ernteüberschüsse aus den nahe gelegenen Schrebergärten könnten in den „Fair-Teiler“ aufgenommen werden, hob Maike Thompson einen weiteren Vorteil des neuen Standorts hervor.

Sie ist eine von derzeit rund 30 in Osnabrück aktiven Foodsavern („Lebensmittel-Rettern“), die dafür sorgen, dass zumindest ein Teil der noch essbaren Waren, die ansonsten entsorgt würden, doch noch verzehrt wird. Darunter befinden sich Grundnahrungsmittel wie Brot, Obst und Gemüse, aber auch Süßwaren und andere eingepackte Lebensmittel, deren Verpackungen beschädigt oder deren Mindesthaltbarkeitsdaten überschritten sind und die deshalb nicht mehr verkauft werden können – obwohl sie geschmacklich einwandfrei sind.

Studien zufolge werfen Händler im Schnitt etwa ein Drittel ihrer Produkte weg, bei Backwaren ist es sogar rund die Hälfte. Die Foodsaver können das nicht gänzlich verhindern, wollen mit ihren Aktionen aber zumindest dazu beitragen, auf diesen Umstand aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für einen nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln zu schärfen.

Auch die „faire Gemeinde“ St. Johann unterstützt nun dieses Engagement. Zur Eröffnung des neuen „Fair-Teilers“ an der Piuskirche sind morgen alle eingeladen, die sich über das Konzept vor Ort und aus erster Hand informieren möchten. Schließlich soll der „Fair-Teiler“ auch ein Ort der Begegnung und des Austauschs sein – nicht nur von Lebensmitteln.