Enger Freund Fritz Wolfs Band mit Kurzgeschichten des Osnabrückers Bernhard Schulz

Von Berthold Hamelmann


Osnabrück Unverhofft kommt oft. Fritz Wolf, der unvergessene Osnabrücker Karikaturist, erlebt eine weitere Würdigung quasi durch die Hintertür. Viele seiner Zeichnungen finden sich in einem neuen Buch wieder, das ein langjähriger Freund, Bernhard Schulz, zu verantworten hat.

Doch diese Aussage stimmt nur bedingt. Eigentlicher Macher im Hintergrund ist R. Ansgar Schulz-Mittenzwei. Den heute 70-jährigen Sohn von Bernhard Schulz treibt seit Jahren die Idee um, „Vater noch einmal in die Öffentlichkeit zu bringen“.

Das neueste Ergebnis ist ein bald 550 Seiten starkes Buch mit 200 sorgfältig ausgesuchten Kurzgeschichten der Jahre 1945 bis 1965. „Das war seine Hauptschaffenszeit“, erklärt der gebürtige Osnabrücker Schulz-Mittenzwei. Und das Besondere in 2018, dem Jahr, in dem Fritz Wolf 100 Jahre alt geworden wäre: Viele der Kurzgeschichten von Bernhard Schulz sind mit den brillanten, oft wenig bekannten Schwarz-Weiß-Zeichnungen beziehungsweise -Karikaturen seines Freundes Fritz Wolf illustriert.

Besonderes Lesevergnügen

Fast 200 Zeichnungen Wolfs sind damit plötzlich verfügbar. Das Ergebnis eröffnet ein besonderes Lesevergnügen, auch wenn der Buchtitel recht sperrig daherkommt: „Den Löwenzahn zermalmt nicht die Kesselpauke oder Hinwendung zur Geborgenheit.“ Dieser Satz stammt noch aus der Feder von Bernhard Schulz, der sein letztes Buch 2002 bereits mit einem Vorwort ausgestattet hatte, aber vor der Veröffentlichung starb.

Bernhard Schulz (1913– 2003) und Fritz Wolf (1918– 2001), die beiden „ganz dicken Osnabrücker Freunde“, eint ein gemeinsames Schicksal: Ihr Wirken und Schaffen gerät nach dem Tod in Gefahr, schnell vergessen zu werden. Beide Männer legten im Arbeitsalltag ihren Fokus eher auf das Alltägliche, schauten und hörten genau hin, verarbeiteten ihre Eindrücke in Zeichnungen oder auch zu Kurzgeschichten. Im Fall von Fritz Wolf stemmt sich die agile Osnabrücker Fritz-Wolf-Gesellschaft mit vielen Ideen gegen diese Entwicklung. Bei Bernhard Schulz übernimmt diese Rolle sein Sohn, der die Seite bernhardschulz.de im Internet aufgebaut hat und pflegt. Hier finden sich die Nachweise auf 24 erschienene Bücher, vermitteln Rezensionen einen Eindruck von der Strahlkraft eines überregional bekannten Redakteurs und Schriftstellers.

Feuilletonist in Osnabrück

Nach dem Zweiten Weltkrieg landete der in Osnabrück, war hier von 1946 an Feuilletonist und verantwortlicher Redakteur „Unterhaltung und Film“ der „Neuen Tagespost“, bis diese 1967 mit dem „Osnabrücker Tageblatt“ zur „Neuen Osnabrücker Zeitung“ fusionierte.

Heute fast unbekannt: Auch „Till“, die seit Jahrzehnten beliebte Kunst- und Kultfigur auf der ersten Lokalseite der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, verdankt seine Entstehung Bernhard Schulz. Und die Zeichnung stammt von Fritz Wolf.

„bezet“

Auszüge aus Rezensionen sprechen für die Klasse des Journalisten Bernhard Schulz, der sich unter dem Autorenkürzel „bezet“ einen Namen machte: „Die Welt dieses ausgezeichneten Feuilletonisten liegt in Niedersachsen, und wenn man von der Autobahn ins Grüne herunterfährt, dann kann es geschehen, dass einem die Geschichten, die Bernhard Schulz schreibt, entgegenkommen“ („Berliner Morgenpost“). Das „Oberbayerische Volksblatt“ urteilt: „Es ist viel leiser, guter Humor auf diesen Seiten, viel unsentimentale Einsicht in das Leben der kleinen Leute, ein dörflicher Böll vielleicht, jedoch versöhnlicher.“

Sohn von „bezet“: der 70-jährige R. Ansgar Schulz-Mittenzwei.Foto: Berthold Hamelmann

Noch immer schöne Erinnerungen: Der heute in Frankfurt lebende R. Ansgar Schulz-Mittenzwei profitierte durchaus von der engen Osnabrücker Freundschaft seines Vaters zu Fritz Wolf. Denn mal schenkte der bekannte Karikaturist ihm eine Gitarre, mal wurde ihm eine Krawatte gewidmet. Oder er durfte („in Wollsachen“) auf dem Wolf’schen Motorroller mitfahren. „Das vergisst man nicht“, versichert Schulz-Mittenzwei.


Bernhard Schulz: „Den Löwenzahn zermalmt nicht die Kesselpauke oder Hinwendung zur Geborgenheit. 200 kurze Geschichten der Jahre 1945–1965. Eine Anthologie in vier Jahreszeiten“, 538 Seiten, 29,90 Euro (E-Book 24,90 Euro). Erhältlich im Buchhandel und online auf der Seite bernhardschulz.de/shop