In inniger Feindschaft vereint „Kultur im Innenhof“ startet mit „der Becker & Frau Sierp“

Von Uta Biestmann-Kotte

Zickenkrieg zwischen ungleichen Halbschwestern: die verklemmte Frau Sierp (links) und die prollige Becker. Foto: Elvira PartonZickenkrieg zwischen ungleichen Halbschwestern: die verklemmte Frau Sierp (links) und die prollige Becker. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Mit ihrem gut besuchten Programm „So jung kommen wir nie mehr zusammen!“ eröffneten „die Becker & Frau Sierp“ am Mittwoch die Sommer-Reihe „Kultur im Innenhof“ im Haus der Jugend.

Wenn Frau Sierp zum Vortrag über die Vorzüge veganer Ernährung ansetzt, reagiert die Becker darauf mit verächtlichem Gegacker. Und wenn die Becker die Bedeutung des Begriffs „Präsens“ nicht wirklich kapiert hat, lacht Frau Sierp einmal mehr hysterisch auf. Leggins gegen Perlenkette, Fast Food gegen vegane Kost, Ruhrpott-Dotterblume gegen Dinslakener Trockengesteck. Kein Zweifel: Wenn die Becker und Frau Sierp aufeinander treffen, sind die Gräben tief, und kein Auge bleibt trocken.

Bekannt geworden unter dem Pseudonym „Thekentratsch“, sind Heike Becker („die Becker“) und Kerstin Saddeler-Sierp („Frau Sierp“) mittlerweile als „die Becker & Frau Sierp“ unterwegs. Am Mittwoch eröffneten die zwei so unterschiedlichen Comedy-Damen mit ihrem gut besuchten Programm „So jung kommen wir nie mehr zusammen!“ die Sommer-Reihe „Kultur im Innenhof“ (Veranstalter: Fokus e.V.), das wegen des Regenwetters in den Saal vom Haus der Jugend verlegt werden musste. Dem Spaß tat das keinen Abbruch, und das Publikum erlebte einen Zickenkrieg mit vertrauten Spitzen, die zum Teil aus früheren Programmen bekannt waren. Denn nach wie vor auf Krawall gebürstet, mussten es die prollige Becker und die verklemmte Frau Sierp auf der Bühne ganze zwei Stunden miteinander aushalten, um der gemeinsamen Mutter den Aufenthalt in der Luxus-Seniorenresidenz finanzieren zu können. Die tragikomischen Grabenkämpfe der zwei ungleichen Halbschwestern, die mit den Folgen einer verkorksten Kindheit ebenso zu kämpfen haben wie mit allerlei Neurosen und Beziehungskatastrophen, bildeten denn auch das thematische Gerüst. Wenn Frau Sierp über die Begriffstutzigkeit der Becker lachte, weil die auffallend lange über den Sinn des Satzes „Wer andern eine Grube gräbt, dem fällt nichts ein“ grübelte, dann klang darin immer auch der Frust einer Benachteiligten an. Gerade Frau Sierps Frauentyp, der als „Epizentrum der guten Laune“, die sexuellen Defizite mit verschämt verstecktem Dildo kaschiert und dem Verflossenen Gisbert noch immer nachtrauert, wirkte bei allem altjüngferlichen Sarkasmus wie eine tragische Figur. Der Typ Becker wiederum kaschierte seine unzulängliche Bildung mit frecher Klappe und kreischig gelbem Outfit - wenn es nicht gerade ungeniert zu den Klängen von Vicky Lenadros´ „Ich hab die Liebe gesehen“ im Saal auf Männerjagd ging. Zwischendurch schloss Frau Sierp ihre Gitarre an, um zu gemeinsam gesungenen Liedern doch mal ein wenig die Sau raus zu lassen. Neben der Ruhrpott-Hommage „Gri-Gra-Grillsaison“ mit Publikums-Beteiligung besangen die Becker und Frau Sierp das Abenteuer „In Kalles Laster“ oder den One-Night-Flirt „Wer bist´n du?“, um im zweiten Programmteil in zünftigen Dirndlkleidern mit „Jodeln im Schnee, Weißwurst Juchee“ für Schunkel-Alarm zu sorgen. Mit dem Pseudo-Friedenssong „Ich würde gern eine Bombe werfen“ und ihrer Version von Leonard Cohens „Hallelujah“ beendeten die Becker und Frau Sierp ihren herrlichen Zickenzoff: „Da liechs´du ja“.