Komplizierte juristische Fragen Am Berliner Platz in Osnabrück droht Stillstand

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Schön ist er nicht, der Berliner Platz, noch nicht. Zwei Wohnprojekte sollten der Auftakt sein für eine Neugestaltung, und beide Investoren wollen möglich bald loslegen. Ein schnelles Verfahren setzt aber voraus, dass sie maximal kooperieren. Doch beide fürchten juristische Fußangeln.

Das Hochhaus mit der markanten Adresse Berliner Platz 1 ist in die Jahre gekommen, und die Teilnehmer eines städtebaulichen Wettbewerbs hätten es am liebsten wegradiert. Doch da haben sie die Rechnung ohne Ulrich Grewe gemacht. Der Münsteraner schwört auf die inneren Qualitäten seines grünen Monsters aus der Wirtschaftswunderzeit. Wo andere Abriss predigen, setzt er auf ein moderneres Outfit und einen Anbau, der die Horizontale betonen soll.

Hochhaus und Tankstelle

Die Stadtplaner haben sich darauf eingelassen und einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan in Aussicht gestellt, um dem Investor lange Wartezeiten zu ersparen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Grewes Projekt mit dem seines Nachbarn Uwe Lehmkuhl eng verknüpft wird. Dabei handelt es sich um das ehemalige Tankstellengelände, das bis zur Karlstraße reicht. Der Immobilienkaufmann aus Ibbenbüren, der auch das Wohn- und Geschäftshaus am Kamp mit der Sparda-Bank realisiert hat, will auf der Brache einen lang gestreckten Bau mit 21 Wohnungen errichten.

Wegen der exponierten Lage am denkmalgeschützten Hannoverschen Bahnhof legt die Stadt Wert darauf, dass beide Projekte wie aus einem Guss erscheinen. Lehmkuhl und Grewe haben sich darauf eingelassen, gemeinsam einen Architekten mit der Gestaltung zu beauftragen. Dass sie gemeinsam eine GmbH gründen sollten, um das Bauvorhaben durchzuziehen, ging den beiden Investoren allerdings zu weit.

Alles wieder abreißen?

Die Stadt verlangt aber verbindliche Festlegungen, damit die Planung auch 1:1 umgesetzt wird. Beim vorhabenbezogenen Bebauungsplan, so erklärt es Stadtbaurat Frank Otte, könne die Baugenehmigung schon während des Verfahrens bearbeitet werden. So lasse sich gegenüber dem sonst üblichen Ablauf eine Menge Zeit sparen. In den Gesprächen mit Lehmkuhl und Grewe hat er den Eindruck gewonnen, dass alle wichtigen Fragen geklärt sind und nur noch die Verträge zwischen den beiden Investoren ausformuliert werden müssen.

Doch dabei sind neue Schwierigkeiten aufgetaucht. Sein Anwalt habe ihm geraten, die Vereinbarung nicht zu unterschreiben, sagt Ulrich Grewe. Der Münsteraner ist empört und droht schon, das Handtuch zu werfen. Denn die Stadt stelle eine unerfüllbare Forderung: Falls einer der Vertragspartner einen Schlaganfall erleide oder sterbe, müsste auch der andere Bauherr seine Arbeiten stoppen. Schlimmer noch, er müsste sogar die schon vorhandenen Bauabschnitte wieder abreißen.

Wasserdichte Verträge

Darauf könne er sich auf keinen Fall einlassen, sagt Grewe. Er hat Oberbürgermeister Wolfgang Griesert gebeten, sich einzuschalten. Wenn das nichts bringe, werde er die Finger von dem Projekt lassen. Mit der Folge, dass die Osnabrücker noch zehn oder mehr Jahre mit dem hässlichen Anblick des grünen Wohnklotzes leben müssten.

Auch Uwe Lehmkuhl ist verärgert. „Wenn einer von uns pleite geht, muss der andere seine Baustelle stilllegen“, schimpft er, und fügt hinzu: „Jedes Mal, wenn wir kurz vor dem Ziel sind, kommt ein Störfeuer von der Stadtverwaltung!“ Stadtbaurat Frank Otte weist das zurück. Hier gehe es um Bundesrecht, und daran müsse sich sein Dezernat halten. Aus gutem Grund sei es unerlässlich, wasserdichte Vereinbarungen zu treffen.

Im Gegensatz zu seinem Geschäftspartner Ulrich Grewe ist der Praktiker Uwe Lehmkuhl weiterhin zuversichtlich, dass sich eine Lösung findet. Schon in Kürze will er den verseuchten Boden von seinem Grundstück auskoffern lassen und noch in diesem Jahr einen Bauantrag stellen. 3 bis 3,5 Millionen Euro kalkuliert er für sein Mehrfamilienhaus mit den vier Vollgeschossen. Seine Haltung drückt er so aus: „Man muss locker bleiben und Vertrauen haben!“