Interview mit Eva Preckwinkel Austauschprojekt von Osnabrücker und Greifswalder Künstlern

Von Anne Reinert

Eva Preckwinkel empfängt am Samstag eine Künstlergruppe aus Greifswald im Projektgarten an der Limberger Straße. Foto: David EbenerEva Preckwinkel empfängt am Samstag eine Künstlergruppe aus Greifswald im Projektgarten an der Limberger Straße. Foto: David Ebener

Osnabrück. Eva Preckwinkel berichtet im Interview über ein Austauschprojekt von Osnabrücker und Greifswalder Künstlern anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft. Am Samstag präsentiert sich eine Greifswalder Künstlergruppe im TOP. OS-Projektgarten in Osnabrück.

Am Samstag kommt die Greifswalder Künstlergruppe „art-cube-artist-team“ in den Projektgarten. Was erwartet uns?

> Die Gruppe erarbeitet eine künstlerische Intervention mit Objekten, Materialien und Performances. Einige Sachen üben sie hier vor Ort ein, andere haben sie schon in Greifswald vorbereitet. Sie stellen aber auch einige ihrer älteren Projekte vor. Das „art-cube-artist-team“ arbeitet gemeinschaftlich als Künstlergruppe und gehört zum Greifswalder „Kunstverein art-cube – Raum für zeitgenössische Kunst“, einem Pendant zum Osnabrücker Kunstverein TOP.OS, mit dem wir Projekte im öffentlichen Raum realisieren.

> Wie kam der Kontakt zu den Greifswaldern zustande?

> Das war bei der Hanseartworks 2016 im norwegischen Bergen, an der ich als Osnabrücker Künstlerin teilgenommen habe. Seit 2006 gibt es die Ausstellung bei jedem Hansetag. Die Hansestädte rufen Künstler auf, sich für die Ausstellung zu bewerben, und wählen daraus Vorschläge aus. Eine weitere Jury sucht dann die Arbeiten für die Hanseartworks aus. In Bergen waren wir Künstler eine Woche vor Ort, um die Ausstellung aufzubauen, und hatten also viel Zeit, uns kennenzulernen. Astrid Brünner und Marcus vom „art-cube-artist-team“ waren für Greifswald dabei. Schon damals haben wir gesagt: „Greifswald und Osnabrück sind doch Partnerstädte. Da müssten wir mal was machen.“ Anfang des Jahres hat Marcus mich angeschrieben und mich darauf hingewiesen, dass unsere Städtepartnerschaft in diesem Jahr ihr 30-Jähriges feiert. Das haben wir zum Anlass für ein Austauschprojekt gemacht.

> Das Austauschprojekt besteht auch aus Ausstellungen von Ihnen und Christine Hoffmann im Kunstkubus „Cubic“ in Greifswald.

> In Greifswald ist der Karl-Marx-Platz neu gestaltet worden, und eigentlich sollte dort eine Skulptur stehen. Aber die eingereichten Arbeiten haben die Jury nicht überzeugt. Stattdessen hatte Marcus Schramm die Idee, einen Kunstwürfel aufzustellen, der von mehreren Seiten einsehbar ist und in dem wechselnde Arbeiten zu sehen sind. Nur was den Strom angeht, ist es etwas schwierig, weil der Kubus an das städtische Beleuchtungsnetz angeschlossen ist und erst Strom hat, wenn die Straßenbeleuchtung angeschaltet wird. Bewegliche Sachen kann man dort nicht machen.

> Sie zeigen seit Ende Juni Arbeiten im Cubic. Was ist zu sehen?

> Zum einen ist meine Malerei „Dschungel ohne Soldat“ zu sehen. Außerdem stelle ich ein Bild nach einem Familienfoto aus, das nach einer Besichtigung des Atomkraftwerks Unterweser entstanden ist. Damit stelle ich einen Bezug zum Atomkraftwerk in Greifswald-Lubmin hier, das 1990 wegen Sicherheitsmängeln geschlossen werden musste. Und dann gibt es noch eine Installation aus Pappmaschee-Blauhelmen, die die Namen von Staatsoberhäuptern tragen. Ich schicke also quasi die Staatsoberhäupter auf Friedensmission.

> Wie geht es danach mit dem Austausch Osnabrück-Greifswald weiter?

> Ziel der Sache ist, dass wir einen regelmäßigen Austausch hinkriegen und jedes Jahr etwas läuft. Im Cubic werden regelmäßig Ausstellungen gezeigt, sodass wir Osnabrücker vermutlich vorrangig dort etwas zeigen würden. Umgekehrt würden wir die Greifswalder Künstler hier in Projekte einbinden.

> Wie wichtig ist der Austausch mit Künstlern in anderen Städten?

> Der Austausch ist schon an sich immer spannend. Aber ich finde es auch toll, dass man so seine Arbeiten außerhalb der eigenen Stadt ausstellen kann. Es ist schade, dass bei der Hanseartworks kein Gewicht auf Nachhaltigkeit gesetzt wird und es keine Plattform gibt, über die es irgendwie weitergeht. Es gibt natürlich Künstler, die sich aus eigener Initiative weitertreffen. Im letzten Jahr habe ich etwa bei der Hanseartworks in Kampen in den Niederlanden ausgestellt. Dort habe ich einen Künstler kennengelernt, der danach eine Soundperformance hier in Osnabrück gemacht hat. Ich bin immer bemüht, solche Kontakte zu halten.

> Hatten Sie den Projektgarten nicht eigentlich nur vorübergehend angemietet?

> Das ist eine ziemlich lange Geschichte. Ich habe ihn schon 2006 gepachtet und wollte daraus einen offen begehbaren Skulpturengarten machen. Das kam nicht so richtig in die Gänge, und deshalb waren temporäre Ausstellungsprojekte geplant. Dann war aber ein Künstler hier, der eine Riesenskulptur aufbaute und mich einfach darauf sitzen ließ. Tonnenschwere Elemente, die über Jahre vor sich hinrotteten. Das war eine sehr leidige Geschichte, und ich hatte überhaupt keine Lust mehr auf den Garten. Als der Fachbereich Kultur der Stadt Osnabrück allerdings 2015 das kulturelle Schwerpunktthema „Garten“ ausrief, dachte: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Unter dem Motto „What happens to the garden?“ waren verschiedene Künstler und Akteure das ganze Jahr über hier aktiv. Danach war der Garten als Kulturort so eingespielt, dass ich ihn nicht einfach wieder einstampfen konnte. Ich selbst habe ihn inzwischen zwar gekündigt. Dafür hat ihn jetzt TOP. OS gepachtet.

„Import/Export“: Künstlerische Intervention von „art-cube-artist-team“, Projektgarten Limberger Straße, Flurstück 43/2 des Kleingärtnervereins Deutsche Scholle, Samstag, 14. Juli, 17 Uhr.