Damit sie nicht weglaufen… Demenzkranke bekommen Bushaltestelle im Osnabrücker Klinikum

Von Benjamin Havermann

Der Bus wird niemals kommen… Aber die Haltestelle im Notaufnahmezentrum des Klinikums Osnabrück hält demente Patienten davon ab, das Krankenhaus auf eigene Faust zu verlassen. Foto: Michael GründelDer Bus wird niemals kommen… Aber die Haltestelle im Notaufnahmezentrum des Klinikums Osnabrück hält demente Patienten davon ab, das Krankenhaus auf eigene Faust zu verlassen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Haltestelle „Neumarkt“ gibt es seit Kurzem nicht mehr nur an eben jenem Osnabrücker Verkehrsknotenpunkt, sondern auch auf einem Flur im Klinikum. Demenzkranke Patienten sollen so am Weglaufen gehindert werden.

Auf dem Flur des Notaufnahmezentrums haben die Stadtwerke Osnabrück eine originale Bushaltestelle errichtet. Daran angebracht ist ein Fahrplan der Linien 32/33 und ein historisches Bild vom Neumarkt aus den 1980er-Jahren.

Mit der Gemeinschaftsaktion von Stadtwerken und Klinikum sollen die sogenannten „Wegläufer“ in der Notaufnahme gehalten werden. „Demenzerkrankungen nehmen in unserer Gesellschaft zu und sie kommen auch immer häufiger in unserer Notaufnahme vor“, sagt Mathias Denter, ärztlicher Leiter des Notaufnahmezentrums. Immer mal wieder komme es vor, dass diese Patienten die Station verlassen und in ihre vertraute Umgebung zurückkehren möchten.

Erinnerungen aus Langzeitgedächtnis

„Die Forschung hat uns gezeigt, dass demenziell Erkrankte im Langzeitgedächtnis gespeicherte Erinnerungen immer noch gut abrufen können“, erklärt Denter. Deshalb seien lebensgeschichtliche Anker wie eine Bushaltestelle so wichtig. Der alte Neumarkt sei den Patienten vertraut und vermittele: Hier kann man sich hinsetzen und auf den Bus warten.

Stadtwerke begrüßten sofort die Idee

Stephan Rolfes, Vorstand Mobilität der Stadtwerke, sagt: „Als wir von dem Vorhaben durch den Förderverein des Klinikums hörten, haben wir spontan unsere Mitarbeit zugesagt.“ Der Busverkehr habe die Menschen jahrelang beruflich und privat geprägt. „So ist zwischen den Fahrgästen und den Einrichtungen der Stadtwerke wie den Bussen, Straßenbahnen und Haltestellen eine enge auch emotionale Verbindung entstanden. Und diesen lebensgeschichtlichen Hintergrund bei der Betreuung von Senioren einzusetzen, ist eine großartige Sache.“

Das Projekt wurde durch den Förderverein des Klinikums vermittelt. Thomas Acker, deren Vorsitzender, betont: „Manchmal kommt es gar nicht auf Geld an, sondern darauf, die richtigen Menschen für eine gute Sache zusammenzubringen.“