Erstes Halbjahr 2018 sehr trocken Wild und Wald in der Region Osnabrück arrangieren sich mit Trockenheit

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Die Natur kommt mit der lang anhaltenden Trockenheit bislang noch ganz gut klar. Foto: Patrick Seeger/dpaDie Natur kommt mit der lang anhaltenden Trockenheit bislang noch ganz gut klar. Foto: Patrick Seeger/dpa

Osnabrück.. Die Niederschlagsmenge im Osnabrücker Land ist in der ersten Jahreshälfte teils deutlich unter den langjährigen Mittelwerten geblieben. Was das für die Tier- und Pflanzenwelt bedeutet, erklären Leute, die sich täglich dort aufhalten.

In den Gärten vergilbt das Gras, Wassersprenger und Gartenschläuche laufen auf Hochtouren. Die Folgen der Trockenheit fallen vielerorts ins Auge. Seit Beginn des Jahres 2018 hat es in der Region nur einen Monat gegeben, in dem die Niederschlagssumme über dem jährlichen Mittel lag. Die Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Belm weist für den Januar Niederschläge von 92,4 Litern je Quadratmeter auf, das langjährige Mittel für den Monat liegt bei 75 Litern. Danach sanken die Werte teils erheblich unter den Durchschnitt (siehe Grafik und Infobox). 

Gefahr für junge Bäume

Die ungewöhnliche Trockenheit hat Folgen für die Natur. Neben Ernteausfällen und niedrigen Pegelständen in vielen Gewässern zeigt die Wasserknappheit auch in den Wäldern erste Folgen. Zum Beispiel dort, wo im Frühling neue Bäume gepflanzt wurden. Wolfgang Meyer, Revierförster bei den Niedersächsischen Landesforsten, sagt, die Trockenheit gefährde das Wachstum neuer Anpflanzungen. "Es besteht die große Gefahr, dass viele Pflanzen in der Pflanzzeit im März und April nicht ausreichend Wasser bekommen haben", sagt Meyer. 

Für neu angepflanzte Bäume könnte die Trockenheit fatale Folgen haben. Archivfoto: Carolin Hlawatsch

Im schlimmsten Falle könnte das bedeuten, dass die jungen Bäume nicht überleben, was für Meyers Zuständigkeitsbereich, das Forstamt Ankum, einen finanziellen Schaden von 30.000 bis 40.000 Euro bedeuten würde. "Wir müssten dann entsprechend im nächsten Jahr an den Stellen noch mal aufforsten." (Weiterlesen: 2018 bislang nur geringe Schäden durch Naturkatastrophen)

Birkenblätter werden gelb

Der Förster beobachtet bei seiner täglichen Arbeit im Revier, dass der Oberboden stark ausgetrocknet ist. Die kurzen, heftigen Regenfälle der letzten Tage seien kaum geeignet, das zu ändern. Nur ein Bruchteil des Regens könne in die hart gewordene Bodenkrume eindringen, der Rest verdunste an der Oberfläche. Um den Boden aufzubrechen und nachhaltig mit Flüssigkeit zu versorgen, brauche es laut Meyer einen mehrtägigen Landregen, wie es ihn seit Monaten nicht gab und ausweislich der Wetterprognose in nächster Zeit wohl auch nicht geben wird. "Insgesamt sehen die meisten Bäume noch recht gut aus und können ihren Wasserbedarf in einem gewissen Rahmen regulieren", konstatiert Meyer. Die Blätter der Birken allerdings begännen bereits, gelb zu werden - ein Zeichen dafür, dass die Bäume sie frühzeitig abstoßen werden, um ihre Verdunstungsmenge zu reduzieren. 

Die Gefahr für einen Befall von Borkenkäfern steigt durch die Trockenheit. Foto: Matthias Hiekel dpa/lrs

Problematische Folgen kann die Trockenheit auch für flachwurzelnde Bäume wie Fichten und Kiefern haben. Sie können tiefer liegende Wasserquellen nicht erreichen, was sie wiederum anfällig für den Befall mit Borkenkäfern mache: "Ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr stellen die Bäume die Produktion von Harz ein, mit dem sie sich eigentlich gegen das Tier verteidigen", erklärt Meyer. Bleibt das bislang ungewöhnlich trockene Jahr eine Ausnahme, seien generelle Sorgen um den Zustand des Waldes unbegründet: "Die Natur steckt ein trockenes Jahr relativ gut weg, die Bäume erholen sich dann im nächsten Jahr." (Weiterlesen: Feuerwehr Osnabrück warnt vor Waldbrandgefahr)

Tiere finden ausreichend Flüssigkeit

Relativ gut kommen nach Auskünften von Stefan Farwick auch Wildtiere mit der anhaltenden Trockenheit klar. Farwick ist Leiter des im südlichen Landkreis gelegenen Hegeringes Heide. Dort sind die Böden sandig und speichern auch in niederschlagsreichen Zeiten vergleichsweise wenig Wasser, die momentane Witterung setzt ihnen besonders zu. Die Tiere fänden in der dortigen Landschaft dennoch ausreichend Flüssigkeitsquellen. Kleinere Tiere wie Hasen und Kaninchen würden im Notfall Pflanzentriebe abkneifen, um so an Wasser zu kommen. "Die Tiere wissen sich da zu helfen", sagt Farwick. Ihnen drohe durch die Trockenheit bislang keine Gefahr. "Wenn sich die Wetterlage allerdings bis in den Spätsommer nicht ändert und es weiterhin kaum Niederschläge gibt, kann sich die Situation ändern."

Andreas Peters von der Osnabrücker Sektion des Naturschutzbundes Deutschland macht sich insgesamt wenig Sorgen um die Auswirkungen der Trockenheit auf die Tier- und Pflanzenwelt. Seine Einschätzung: "Die Natur kommt mit allem zurecht, außer mit dem Menschen."


Niederschläge

Ein hoher Niederschlagswert bedeutet nicht automatisch, dass die Flüssigkeit auch im Boden ankommt. So fällt beim Lesen der Niederschlagsstatistik des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf, dass im Monat Mai mit 56 Litern Wasser je Quadratmeter ein Wert erreicht wurde, der über dem vieler jüngerer Vorjahre und in relativer Nähe zum Mittelwert liegt. Tatsächlich verdankt der Mai 2018 diesen Niederschlagswert zwei extrem regenreichen Tagen: Für den 29. Mai und den 31. Mai hat der Deutsche Wetterdienst jeweils Niederschläge mit mehr als 20 Litern je Quadratmeter gemessen. Der eigentlich sehr niedrige Niederschlagswert für den Mai schoss dadurch in die Höhe, wovon der Boden aber nur bedingt profitiert haben dürfte: Durch die vorherige, wochenlange Trockenheit habe der Boden nur einen geringen Teil des Wassers aufnehmen können, teilt eine Sprecherin des DWD mit. Der Rest sei verdunstet. 

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