Bungalows statt Burgen Urlaub in der Hütten- und Budenstadt am GZ Ziegenbrink

Von Thomas Wübker

Höhenangst kannte Oskar nicht. Er stieg auf das Dach beim Bau seiner Hütte am Ziegenbrink. Foto: Swaantje HehmannHöhenangst kannte Oskar nicht. Er stieg auf das Dach beim Bau seiner Hütte am Ziegenbrink. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Die Hütten- und Budenstadt am GZ Ziegenbrink ist ein Klassiker des Osnabrücker Ferienpasses. Mittlerweile sind sogar Väter mit dabei, die schon als Kinder dort gehämmert haben. Damals waren die Bretterbuden noch höher als heute.

Als der Papa von Leonard (8) so alt war wie er, baute er seine erste Bude auf dem Ziegenbrink. Das war vor 25 Jahren. „Die war vier Stockwerke hoch“, erzählt Daniel Ruf (33) stolz. Das geht heute nicht mehr wegen Statik- und Sicherheitsbestimmungen, sagt er und Bedauern schwingt in seiner Stimme mit. Vier Stockwerke – das hätte Leonard auch gern. „Das sieht besser aus“, meint er. Eigentlich wollte auch der Sohnemann hoch hinaus und eine Burg bauen. Aber die hochfliegenden Träume mussten gestutzt werden. Aus der Burg ist ein Bungalow geworden.

Daniel Ruf hat sich frei genommen, um beim Hüttenbau dabei zu sein. „Das ist eine gute Urlaubsbeschäftigung. Man kann mit viel Action und einfachen Mitteln Spaß haben.“ Das Thema Budenbau hat ihn übrigens seit seiner Kindheit nicht losgelassen. Der Fahrrad-Mechatroniker hat auch als Erwachsener Buden und Baumhäuser gebaut. Neben Daniel Ruf haben auch noch andere Erwachsene sowie Betreuer des Ziegenbrink beim Bau mitgeholfen.

Wie viele andere Kinder hat auch Leonard die Nacht in der Hütten- und Budenstadt verbracht. Sein Vater schlief aber zu Hause. „Für ihn ist zu wenig Platz in der Hütte“, sagte er.

Am Mittwoch sagte Leonard noch, dass die Dunkelheit und die Nässe ihm nichts ausmache. Dann begann es heftig zu regnen und der Achtjährige schaute skeptisch gen Himmel. Oskar (10), Milo (8) und Anton (8) hatten zwar schon Blumen am Vorbau abgebracht, aber noch kein Dach auf ihrer Hütte. „Der Regen stört nicht“, sagten sie achselzuckend. Das galt auch für viele andere Mädchen und Jungen. Sie arbeiteten trotz des heftigen Niederschlags unbeirrt weiter.

Andere junge Bauarbeiter machten eine Pause, langweilten sich etwas und nutzten den Regen auf andere Weise. Aileen (9) sammelte die Tropfen in einem Plastikbecher und schüttete das kostbare Nass in die Wasserpistole von Luca (8). Der hatte eine andere Methode entdeckt, um den Strahl abzufeuern. Er blies in die Öffnung, wo sonst der Pfropfen drin steckt. „Hab ich einfach mal ausprobiert“, meinte er. Langeweile macht anscheinend kreativ.

Die meisten anderen Kinder hatten ihre Buden derweil mit Plastikplanen regenfest gemacht. „Wenn es zu viel regnet, schlafen die Kinder drinnen“, sagte die Leiterin des GZ Ziegenbrink, Andrea Krüßel. Mit den Hütten- und Budenbauern übernachteten auch acht Erwachsene vom GZ Ziegenbrink in der Holzstadt, deren Baumaterialien von Osnabrücker Firmen gespendet wurden.