Möglichkeit, Konsum zu hinterfragen So gehen die Zeltlager in der Region Osnabrück mit Handyverbot um

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In Zeltlagern sind Handys oft tabu. Auch bei den Jugendgruppen in der Region Osnabrück? Symbolfoto: Rolf Haid/dpaIn Zeltlagern sind Handys oft tabu. Auch bei den Jugendgruppen in der Region Osnabrück? Symbolfoto: Rolf Haid/dpa

Osnabrück. Smartphones gehören inzwischen unbestreitbar zum Alltag. In Ferien- und Zeltlagern ist das kleine Multi-Talent aber oft tabu. So gehen die Jugendgruppen in der Region mit Handyverbot um.

Ein Zeltlager findet dem Namen nach naturgemäß im Freien statt. Bewegung und Spiele an der frischen Luft sind an der Tagesordnung. Dass Smartphones nicht unbedingt im Konflikt mit Bewegung im Freien stehen müssen, zeigen Virtual-Reality-Spiele wie Pokémon Go. Doch wie gehen die Zeltlager in der Region mit dem Thema Handyverbot um?

Meistens sowieso kein Empfang

Im Zeltlager der katholischen Liebfrauen-Kirchengemeinde Osnabrück gibt es eine klare Regelung: Handys sind im Zeltlager verboten, sagt Monique Lämmermühle von der Lagerleitung. Mit etwa  60 Kindern im Alter von 9 bis 15 Jahren fährt sie ab dem 20. Juli für acht Tage nach Burgwedel-Wietze in der Nähe von Hannover. „Ältere Kinder nehmen schon mal ihr Handy mit und stellen sich damit einen Wecker", sagt sie. Im Lager der Liebfrauen-Gemeinde gebe es das ungeschriebene Gesetz: „Was ich nicht sehe, das weiß ich nicht." Wer jedoch während des Tages mit dem Handy spiele, dem werde es weggenommen. „Aber erstens gibt es meistens auf den Zeltplätzen sowieso keinen Empfang und zweitens brauchen die Kinder das Handy nicht. Es wird genug geboten", betont Lämmermühle.

Die Gruppenleiter leben den Kindern die Handy-Abstinenz vor. Am Tag lagern alle Handys im Gruppenleiterraum. „Das einzige Handy was bei uns Präsent ist, ist das Notfallhandy", sagt die Lagerleiterin.

Angst vor Fotos in sozialen Netzwerken

Ähnlich sieht es im Zeltlager der katholischen Pfarreiengemeinschaft St. Ansgar Dissen und St. Elisabeth Bad Rothenfelde aus. Kinder dürfen ihr Handy nicht mitnehmen, sagt Lagerleiterin Susanne Schäfer. Drei Punkte sprächen dagegen: Erstens sei die Kirchengemeinde nicht gegen Schäden an den Handys versichert, zweitens gehe es während des Lagers auch darum, Zeit in der Natur zu verbringen und drittens sei auch die neue Datenschutzgrundverordnung ein Problem. „Wir wollen vermeiden, dass die Kinder Fotos machen, die dann in den sozialen Netzwerken kursieren," sagt die Lagerleiterin. 

Die Gruppenleiter dürfen ihre Handys mitnehmen, sollten es aber nicht vor den Kindern benutzen. „Manchmal kommt das trotzdem vor, aber das wird abends während der Reflexion angesprochen. Da reguliert sich die Gruppe ganz gut von selbst", erklärt Schäfer. 

Für Spiele bei denen zum Beispiel die Zeit gestoppt werden muss oder Musik abgespielt wird, können die Handys natürlich genutzt werden. Spiele, für die man aber unbedingt ein Smartphone gebraucht, fallen Schäfer nicht ein, daher war das in der Planung für das Zeltlager von Donnerstag, 19., bis Freitag, 27. Juli nach Nieheim auch kein Thema. Sollte so ein Spiel überzeugen und es keine Alternative ohne Smartphone geben, könnte sich Schäfer schon vorstellen, das Spiel mit aufzunehmen.

Das gleiche Bild

Lässt man den Blick über andere Zeltlager in der Region schweifen, findet man nahezu überall die gleiche Regelung: Über ein Handyverbot informieren unter anderem folgende Zeltlager schon in der Anmeldung: 

  • Das Messdienerzeltlager Wallenhorst (Ab Sonntag, 15. Juli. nach Leitmar)
  • Das Jungenzeltlager Bad Laer (Ab Donnerstag, 26. Juli, nach Kelze)
  • Das Zeltlager der KJB Belm (Ab Donnerstag, 26. Juli, nach Dörpen)
  • Die Sommerfreizeit der Pfarreiengemeinschaft Glandorf-Schwege (Ab 15. Juli nach Wehrstapel)

BDKJ: Chance den Konsum zu hinterfragen

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) als Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden gibt keine einheitliche Regelung für den Gebrauch von Handys in Ferien- oder Zeltlagern vor. Es gebe viele Argumente, das Smartphone im Ferien- oder Zeltlager zu verbieten oder zu erlauben, sagt die Bundesvorsitzende Katharina Norpoth. Letztlich müsse jede Gruppe selbst entscheiden, welche Argumente für sie ausschlaggebend sind. „Es kann wunderbar sein, das Smartphone für eine gewisse Zeit zu Hause zu lassen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Möglichkeiten, das Smartphone in die Lagerzeit einzubeziehen, zum Beispiel durch die Arbeit mit bestimmten Apps", bezieht Norpoth Stellung.

Zudem bestehe auch die Chance, sich mit dem eigenen Smartphone-Konsum auseinanderzusetzen. „Wichtig ist, die Lebensrealität junger Menschen anzuerkennen, zu der das Smartphone heutzutage zweifelsohne dazugehört", betont  Norpoth.


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