Serie: Politiker und ihre liebsten Kulturorte Brigitte Neumann: „Das Theater ist die Klammer für alle“

Wo trifft man Brigitte Neumann? Ziemlich sicher bei den Premieren im Theater Osnabrück. Foto: Swaantje HehmannWo trifft man Brigitte Neumann? Ziemlich sicher bei den Premieren im Theater Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Wohin zieht es die Mitglieder des Kulturausschusses, wenn sie Kultur erleben wollen? Im dritten Teil unserer Serie erklärt Brigitte Neumann (CDU), warum ihr Herz so laut fürs Theater Osnabrück schlägt.

Wenn sich der Vorhang zur ersten Premiere der Saison hebt, sitzt Brigitte Neumann im Zuschauerraum des Theaters. Wenn er nach der Operngala am Ende der Spielzeit fällt, ebenfalls. „Spitzenmäßig“ fand sie diese Gala, sagt sie, „Vielfalt und die Freude der Akteure“ haben sie begeistert, und der „gewisse Witz“. Das Musical „Chaplin“ war „Theater fürs Herz“, etwas „zum Abschalten, aber auch tiefgründig“, im Auftragswerk „San Paolo“ von Sidney Corbett sah sie eine „bemerkenswerte Geschichte. Toll, dass das Theater den Mut hat, solche Projekte anzugehen.“ Weiterlesen: So sah die Kritik „San Paolo“

Kulturpolitikerin in vorderster Reihe

Seit 2006 kümmert sich Brigitte Neumann im Kulturausschuss um die Osnabrücker Kulturszene. Wenn die Musiker am Limberg die prekäre Probenraumsituation beklagen, steht sie beim Ortstermin in vorderster Reihe. Wenn der Verein freier Kulturträger zur kulturpolitischen Diskussion einlädt, sitzt sie auf dem Podium. Am lautesten aber schlägt ihr Herz für die größte Kultureinrichtung der Stadt, das Theater. „Das ist die Klammer für alle“, sagt sie. Das Theater greift aktuelle gesellschaftliche Fragen auf, hat eine „riesige Bedeutung“ für die Friedensstadt, wirkt überregional und international. Auch das weiß Brigitte Neumann aus eigener Anschauung: Mit dem Osnabrücker Symphonieorchester war sie 2015 bei den Gedenkkonzerten zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau und Wolgograd, und die Gastspiele des Tanztheaters in China und Petersburg verfolgt sie zwar von zuhause aus, aber mit größter Aufmerksamkeit. Weiterlesen: Kulturpolitische Diskussion bei Hase29

Überhaupt das Tanztheater: „Früher fand ich das schwierig“, heute ist sie Fan. „Die ,Schöne Müllerin‘ war stimmig in allen Facetten“, sagt sie, und da schwingt die Begeisterung hörbar mit. Die Basis für diese Begeisterung wurde, wie so oft, bereits in der Kindheit gelegt. „Mit meiner Mutter bin ich zum Weihnachtsmärchen gefahren.“ Als Teenager hatte sie ein Volksbühnen-Abo, und um das wahrzunehmen, ist sie mit dem Bus aus Bad Essen nach Osnabrück gefahren; „Die Blume von Hawaii“ ist ihr bis heute in Erinnerung. Später ist die Erzieherin mit ihren Kindergartengruppen ins Theater gegangen und natürlich auch mit den eigenen Kindern.

Untrennbar verbunden: Kultur und Bildung

Die eigenen Kinder und der Beruf als Erzieherin waren letztlich der Grund, die Kultur auf die politische Agenda zu setzen. Aktiv war sie schon vorher; Bildung war ihr Thema. Dafür hat sie sich eingesetzt im Landes-, Bundes- und im Stadtelternrat. Auch im Schulausschuss des Rates wirkt sie mit, und dann war es nur ein kleiner, aber logischer Schritt zum Kulturausschuss. Denn Kultur und Bildung gehen aus Neumanns Sicht Hand in Hand, bilden eine untrennbare Einheit.

Deshalb ärgert sie der ständige Kampf um den Kulturetat: „Kultur gehört, wie Schwimmbäder, Sporthallen und Krankenhäuser zu Grundversorgung.“ Diese Überzeugung teilen nicht alle ihrer Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat; umso entschlossener tritt Brigitte Neumann für die Belange der Kultur ein und speziell für die des Theaters – nicht nur im Kulturausschuss, sondern auch im Aufsichtsrat der Städtischen Bühnen. Und man kann sicher sein, dass sie hinter den Kulissen genauso begeistert fürs Theater eintritt, wie sie das Geschehen auf der Bühne verfolgt.


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