Aktion Bolzenschneider Stadt Osnabrück will Liebesschlösser nach den Ferien knacken

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Sieht so Liebe aus? Am Konrad-Bäumer-Weg haben Pärchen besonders viele Vorhängeschlösser angebracht. Die Stadt will sie nach den Sommerferien allesamt entfernen. Foto: Michael GründelSieht so Liebe aus? Am Konrad-Bäumer-Weg haben Pärchen besonders viele Vorhängeschlösser angebracht. Die Stadt will sie nach den Sommerferien allesamt entfernen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Schon vor einem Jahr hat die Stadt entschieden, dass sie die Liebesschlösser von den Brückengeländern der Innenstadt entfernen will. Aber bisher ist noch keines der Rost verbreitenden Andenken geknackt worden. Nach den Ferien soll es losgehen, kündigt Jürgen Schmidt vom Fachdienst Straßenbau an.

Ob mit oder ohne eingravierte Initialen – für viele Pärchen ist das Vorhängeschloss ein Symbol für die Unverbrüchlichkeit ihrer Liebe. Ein emotionales Thema also, dem die Stadt nur ungern die Brachialgewalt eines Bolzenschneiders entgegensetzt. Aber die Hüter der Brücken sehen sich in der Verantwortung, volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Denn die Treue-Eisen an den Brückengeländern setzen langsam aber sicher Rost an. So kommt es zur Kontaktkorrosion, und die lässt selbst verzinkten Stahl dahinrosten. Überall dort, wo die Liebesschlösser schon etwas länger hängen, lässt sich das ablesen.

Noch nicht getestet

Um den Brücken in Osnabrück ein langes Leben zu sichern, will die Stadt die eisernen Liebesschwüre nun beseitigen. „Wir werden das mit unseren eigenen Leuten machen“, sagt Straßenbauspezialist Jürgen Schmidt. 20000 Euro wird die Aktion nach einer überschlägigen Kalkulation kosten. Bislang weiß allerdings noch niemand so genau, wie leicht sich die teilweise gehärteten Stahlbügel knacken lassen – „das haben wir noch nicht getestet“, räumt der Fachdienstleiter ein.

Mit Bolzenschneider und Trennschleifer will er die städtischen Eisenbeißer nach den Sommerferien von Brücke zu Brücke schicken, um sie von den schwergewichtigen Anhängseln zu befreien. „Ich denke, da kommen ein paar Kilo Schrott zusammen“, sagt Schmidt. Und meint wohl ein paar Tonnen. Wenn das alte Eisen erst im Container verschwunden ist, gibt es kein Zurück mehr.

Und dann alles von vorn?

Deshalb sollten Paare, die das Symbol ihrer Liebe vor dem Hochofen retten wollen, umgehend nach dem Schlüssel suchen. Und falls sie den in ihrer Glückseligkeit in die Hase geworfen haben, bleibt ihnen nur, selbst zum Bolzenschneider zu greifen. Die Stadt will aber kurz vor ihrem großen Befreiungsschlag ein letztes Mal die Öffentlichkeit informieren, dass sie die Schließeisen konsequent von den Brückengeländern entfernen wird.

Bleibt noch die Frage, was geschieht, wenn sich unbedarfte oder unbelehrbare Pärchen nach der großen Säuberungsaktion zu neuen Schlüsselerlebnissen an Brückengeländern hinreißen lassen. Ja, auch Jürgen Schmidt sorgt sich, dass dann alles von vorn beginnen könnte. Und deshalb soll die Aktion Bolzenschneider in kurzen Intervallen wiederholt werden. So rechtzeitig, dass nicht wieder tonnenschwerer Ballast zu entfernen ist.


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