Große Resonanz Gottesdienst mit Körperwelten-Plastinat in Osnabrück

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Osnabrück. Eine etwas andere Art des Sonntagsgottesdienstes erlebten jetzt die Besucher der Osnabrücker St. Marienkirche. Vor dem Altar stand ein Model der Ausstellung „Körperwelten“, eine plastinierte Leiche. Und in der ersten Kirchenbank saß der künstlerische Urvater des Plastinats, Anatom Gunther von Hagens.

„Dass der Mensch ein Kunstwerk ist, zeigt mir das Plastinat“, betonte St. Mariens Pastor Frank Albrecht Uhlhorn, der seine Predigt unter den Satz „Siehe, der Mensch“ stellte. Es werde deutlich, wie die gesamte Leiblichkeit des Menschen, alles, von den Knochen, den Muskeln und den Sehnen bis hin zu allen körperlichen Funktionen aufeinander abgestimmt sei. Dem Leben liege ein Plan zugrunde, dem die Menschen mit fröhlicher Demut begegnen könnten, so der Theologe.

Nicht unumstrittene Präsentation

Uhlhorn war zusammen mit seinem Pastoraldienst bei der im Vorfeld nicht unumstrittenen Art der Präsentation und des Gottesdienstes auf viele Eventualitäten vorbereitet. So erhielt jeder Besucher beim Betreten der Kirche nicht nur das obligatorische Gesangbuch. Auch ein Zettel mit Hinweisen, wie mit Bedenken gegen die Zurschaustellung des Plastinats umgegangen werden kann, wurde verteilt. Alternativ stand den Kirchenbesuchern offen, den Sonntagsgottesdienst in der nicht weit entfernten St. Katharinen-Kirche zu besuchen. Zudem ließ Uhlhorn die Kirchenbänke so positionieren, dass ein Verlassen der Kirche ohne größere Störung auch während des Gottesdienstes möglich war. Ausdrücklich ließ der Pastor die Besucher wissen, für Kritik und Nachfragen zur Verfügung zu stehen.

Ärzte kommen zu Wort

In seiner Predigt ließ Uhlhorn auch zwei Mediziner zu Wort kommen. Privatdozent Dr. Burkhard Ostertun, Radiologe aus Osnabrück, der nach seinen Worten täglich mit verschiedenen hochtechnischen Möglichkeiten in den menschlichen Körper hineinsehen kann, betonte, wie komplex und wunderbar der Körper aufgebaut sei. In der Präsentation eines Plastinats sah er Denkanstöße dazu, wie wir täglich mit unserem Körper umgehen. Dr. Joachim Hampel, Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren sowie Experte auf dem Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin erklärte, dass er täglich die Energiebahnen im Blick habe, die sich nicht präparieren lassen würden. Ein Blick in das Innere des Körpers sehe er durchaus positiv.

Ein Modell der Körperwelten-Ausstellung stand jetzt während des Sonntagsgottesdienstes vor dem Altar der Osnabrücker St. Marienkirche. Pastor Frank Albrecht Uhlhorn predigte zum Thema „Siehe, der Mensch“. Foto: Jörn Martens

Ausstellung bis 2. September in Osnabrück

Beim Besuch der Ausstellung „Körperwelten“ in der Osnabrück-Halle sei er positiv beeindruckt gewesen, wie respektvoll die Besucher, jung wie alt, mit der Art der Darstellung des Todes umgegangen seien, berichtete Uhlhorn. „Auch Schulklassen waren mucksmäuschenstill“, so der Pastor. Die Ausstellung, in der neben dem jetzt in der Kirche ausgestellten „Fackelträger“ noch 200 weitere Ganz- oder Teilplastinate zu sehen sind, wird noch bis zum 2. September in Osnabrück gezeigt.

Gunther von Hagens sitzt in der ersten Reihe

„Es ist schön zu erleben, wie die Ausstellung von der Kirche in die Arme geschlossen wird“, freute sich Kuratorin der Ausstellung und Ehefrau des Künstlers, Angelina Whalley. Das ging Gunther von Hagens genauso. „In 20 Jahren wird es niemand mehr geben, der glaubt, dass einmal jemand dagegen war, ein Plastinat so zu zeigen“, betonte der Künstler nach dem Gottesdienst. Auch sein Sohn Rurik, der ihn jetzt auf der Reise von Heidelberg nach Osnabrück begleitete, zeigte sich vom Niveau des Gottesdienstes beeindruckt.

Fröhlicher Gottesdienst

Pastor Uhlhorn freute sich über die Rückmeldungen nach dem Gottesdienst. Es sei ein ernsthafter und zugleich auch fröhlicher Gottesdienst gewesen, fasste der Geistliche die Stimmungen zusammen, nachdem er seine Gemeinde per Handschlag in den Sonntag verabschiedet hatte. Die Zahl der Besucher sprach für sich, hatte das Gemeindeteam doch rund 200 Gesangbücher herausgegeben. Die Zahl an anderen Sonntagen liege durchaus auch mal bei einem Viertel der Zahl, so der Pastor.

Und wie reagierte die Gemeinde? Den Gottesdienst unter Protest verlassen hatte offenbar niemand, nach der Kirchfeier folgten jedoch zahlreiche Gespräche. „Das Thema ist beeindruckend dargestellt worden, eigens dafür ein Plastinat auszustellen, wäre nicht nötig gewesen“, meinte ein 66-jähriger Besucher des Gottesdienstes. Eine 52-jährige Frau aus der Kirchengemeinde freute sich über den interessanten Gottesdienst und die tolle Resonanz. Und im Übrigen habe Pastor Uhlhorn wieder einmal eine beeindruckende Predigt gehalten.


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