Freiraum für Künste aller Art Kunterbuntes Kulturspektakulum rund um die Skatehall Osnabrück

Von Matthias Liedtke

Begegnungen mit sich selbst: Die Gruppe Improtanz und Performance zeigte als Bestandteil ihres Kulturspektakulums in der Skatehall ihr Gender-Stück „xx/y/z“.  Foto: Swaantje HehmannBegegnungen mit sich selbst: Die Gruppe Improtanz und Performance zeigte als Bestandteil ihres Kulturspektakulums in der Skatehall ihr Gender-Stück „xx/y/z“. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. In- und Outdoor, Tanz, Mitmach-Zirkus oder Live-Musik von Hiphop über Pop bis Jazz: Das Kulturspektakulum am Freitagabend in und an der Skatehalle Osnabrück wurde seinem Namen gerecht und bot eine bunte Mischung der Künste.

Die Idee, die Räumlichkeiten und das Gelände zwischen Rosenburg und Hasepark auch als geeigneten Kultur- und Veranstaltungsort zu nutzen und zu vorzustellen, hat die studentische Initiative Improtanz und Performance innerhalb nur weniger Wochen gemeinsam mit dem Verein Siebenmaleins in ein vielfältiges Programm umgesetzt. Die Tänzer selbst präsentierten eine Abfolge von Solo-Choreografien, die sich mutig auf eine sehr persönliche und emotionale Art mit der Ausgestaltung von Geschlechterrollen im Alltag auseinandersetzten. 

Befangen und befreit

Die Palette der einzelnen Darbietungen, welche die Rampen und Ebenen in der weitläufigen Skatehalle gekonnt in Bühnenbestandteile umfunktionierten, reichte dabei vom Tanz im Sand oder mit Pressluft auf der Baustelle über Versuche, mit Hiphop im Tutu oder durch eine Ganzkörperverhüllung gefangen in sich selbst aus Rollenklischees auszubrechen, bis hin zur extrovertierten männlichen Kraft und Anmut, die sich aber doch verletzlich zeigt. Auch ein stummes Duett war zu sehen, bei dem sich die synchron getanzten Spiegelbilder schließlich berühren und zueinander hinziehen. Tanzlehrerin und Impulsgeberin Valentina Herold hat die Improtänzer professionell dazu angeleitet, ihre Geschichten und Stimmungen in flüssige Bewegungsabläufe zu transformieren. 

Drinnen und draußen

Im Thekenraum liefen Kurzfilme von Kunststudenten, während man sich draußen im Strandbar-Ambiente massieren oder informieren lassen konnte von verschiedenen Initiativen wie Foodsharing, Masifunde oder dem Kulturverein Petersburg. Wer sich selbst bewegen wollte, konnte dies bei einem Workshop mit der Hochschulsport-Tanzgruppe Red Revolution DC tun, die im Skatepark auch ihr aktuelles Hiphop-Programm darboten – oder mit dem „ZirkOS“, der dort Einräder, Hula-Hoop-Reifen und unterschiedliche Jonglage-Utensilien zur Verfügung stellte, mit denen er aber auch drinnen eine buchstäblich leuchtende und mitunter um Politik kreisende Vorstellung auf jene Bühne zauberte, wo später am Abend dann Live-Musik den Ton angab.

Ungewollt Ziel erreicht

Das Hiphop-Duo K.N.K.S und Ypsilonimus jonglierte zunächst mit Worten, bevor Gabriel Zanetti mit dezenter Schlagzeugbegleitung seine Popsongs zum Besten gab und gegen Mitternacht ein reduziertes Aufgebot der IfM-Jazz-Formation Urban Outreach Band für einen entspannten, rein instrumentalen Ausklang des Kulturspektakulums sorgte. Dass das diesjährige Kulturziel der Stadt, „Raum“ für Kunst und Musik zu erobern, unbewusst auch durchaus eigeninitiativ und „von unten“ umgesetzt werden kann, haben die Macher dieser gut besuchten und angenommenen, „kulturspektakulären“ Veranstaltung so beeindruckend wie facettenreich unter Beweis gestellt.