Offene Azubi-Stellen in Osnabrück Neue Ausbildung als Kaufmann im E-Commerce erschaffen

Von Jana Henschen

Zum ersten Mal startet 2018 die neue Ausbildung als Kaufmann im E-Commerce. Symbolfoto: dpa.Zum ersten Mal startet 2018 die neue Ausbildung als Kaufmann im E-Commerce. Symbolfoto: dpa.

Osnabrück. Berufe verändern sich, aber selten werden ganz neue Ausbildungen geschaffen. Ab dem 1. August 2018 bilden Betriebe in Deutschland erstmals Kaufmänner und Kauffrauen im E-Commerce aus. In Osnabrück suchen einige Unternehmen noch Azubis für diesen zukunftsweisenden Tätigkeitsbereich.

"Der Metaller ist heute ein Zerspanungsmechaniker. Der Hausmeister wird zum Gebäudemanager.", erklärt Bernd Krechting, Abteilungsleiter der Berufsbildenden Schulen der Stadt Osnabrück am Pottgraben, "Die Aufgaben wandeln sich und zunehmend werden in der Ausbildung Online-Prozesse wichtiger." Seit Jahren wachse der Handel im Internet: Kleidung, Technik, Tickets oder den nächsten Urlaub seien einige Beispiele dafür. Die Digitalisierung beeinflusse nicht nur das Kaufverhalten von Menschen, sondern auch Berufsbilder in Produktion, Handel und Dienstleistung. Deshalb hat das Bundesinstitut für Berufsbildung gemeinsam mit den Sozialpartnern, den Industrie- und Handelskammern (IHK) und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis den neuen Ausbildungsberuf "Kaufmann/ -frau im E-Commerce" geschaffen, der am 1. August in Deutschland starten wird.

Osnabrücker Betriebe suchen Azubis

Da der neue Ausbildungsberuf erst in diesem Jahr geschaffen wurde und recht unbekannt ist, sind in der Region noch Plätze unbesetzt - so auch beim Online-Kaufhaus Hertie, welches zur HDK AG gehört. Andre Belhaoes, der ebenfalls unter dem Dach der HDK AG arbeitet, hat die Hoffnung mit den künftigen Azubis besseres Personal im Unternehmen zu haben. Interessierte finden die offenen Stellen in der Lehrstellenbörse der IHK oder direkt bei den Unternehmen wie Thomas Philipps oder Foto Erhardt.

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Johanne Dimmerling von NOZ Medien, zuständig für die Auszubildenden bei Lieblingswelt, erklärt: "Der Beruf ist genau das, was wir brauchen. Wir brauchen nicht nur Marketingkaufleute, sondern auch spezifisch Personal im E-Commerce." Im Gegensatz zum klassischen Bürokaufmann lerne der neue Azubi beispielsweise das Analysieren von Nutzerverhalten oder das Einpflegen von Produkten in den Online-Shop.

50 Prozent der Ausbildung sind neu

"Rund 50 Prozent der Inhalte der neuen Stelle sind so in keiner anderen Ausbildung zu finden", erklärt Bernd Krechting. Laut Informationen der IHK lernen die Auszubildenden, Kennzahlen von Retouren zu analysieren oder die Customer Journey zu verstehen. Die Customer Journey untersucht den Weg eines Kunden vom Interesse an einem Produkt bis zum Kauf. Neu sind auch Lehrinhalte wie Wettbewerbsrecht, Urheberrecht, Datenschutz, die passende Auswahl von Bezahlsystemen oder die Kundenkommunikation im Internet.

Die Unternehmen versprechen sich von den neuen Auszubildenden besser qualifiziertes Personal für einen wachsenden Tätigkeitsbereich. Für den Online-Handel prognostiziert der Handelsverband Deutschland (HDE) für 2018 ein Umsatzplus von zehn Prozent, sodass der Wachstumstrend aus den letzten Jahren weiter besteht. Laut Krechting sei der Beruf nicht nur für den Einzelhandel interessant, sondern für jeden Betrieb, der online ein Produkt anbiete und E-Commerce betreibe.