Prüfung mit allen Hilfsmitteln „Schummeln erwünscht" bei Informatik-Klausur an Uni Osnabrück

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Premiere an der Uni Osnabrück: Informatik-Studenten durften bei einer Klausur zum Thema Datenbanksysteme jedes beliebige Hilfsmittel nutzen. Foto: Swaantje HehmannPremiere an der Uni Osnabrück: Informatik-Studenten durften bei einer Klausur zum Thema Datenbanksysteme jedes beliebige Hilfsmittel nutzen. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Spicken erlaubt: Dieser Traum ist jetzt für Informatik-Studenten an der Universität Osnabrück in Erfüllung gegangen. Die Prüflinge durften in ihrer Klausur zum Thema Datenbanksysteme jedes beliebige Hilfsmittel nutzen, außerdem das ganze Internet. Dozent Tobias Thelen verfolgt damit ein ganz bestimmtes Ziel.

Für die am Freitag erstmals ausgestellte "Lizenz zum Mogeln" entschied sich Thelen nach einem Erlebnis bei einer der letzten Klausuren: Dort beobachtete er, wie seine Studenten noch vor Aushändigung der Prüfungszettel schnell sämtliche Programmierbefehle aufschrieben, die sie sich vor der Tür eingetrichtert hatten. Unnötig, befand der Dozent, der zugleich stellvertretender Geschäftsführer des Zentrums für Digitale Lehre, Campus-Management und Hochschuldidaktik (Virtuos) an der Uni Osnabrück ist. Denn ihm komme es auf andere Dinge an als stumpfes Pauken. (Weiterlesen: Uni Osnabrück beruft Koryphäe in der Informatik)

Näher an der Berufspraxis

"In meiner Vorlesung sollen Studierende lernen, wie sie Datenbanken konzipieren und benutzen. Das können sie nur schlecht mit auswendig gelerntem Wissen und mit Papier und Bleistift zeigen", sagt Thelen. Daher finde die Klausur am Computer statt, wo eigene Lösungen direkt ausprobiert werden können. Dies sei viel näher am späteren Berufsalltag. "Wenn ich Wissen anwenden und verknüpfen soll, habe ich heutzutage immer die Möglichkeit, dabei auf unüberschaubare Informationsmengen zuzugreifen. Die Herausforderung besteht eigentlich darin, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden."


Erteilt die Lizenz zum Mogeln: Tobias Thelen, Informatik-Dozent und stellvertretender Geschäftsführer des Zentrums für Digitale Lehre, Campus-Management und Hochschuldidaktik (Virtuos) an der Uni Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann


Deshalb gilt bei seinen Prüfungen: "Schummeln erwünscht", wie Thelen es scherzhaft ausdrückt. Seine Studenten dürfen alle zur Verfügung stehenden Informationsquellen nutzen – und müssen es zum Teil auch. Vorlesungsunterlagen, alte Übungsaufgaben, eigene Notizen und das gesamte Internet. Einzig die Kommunikation mit anderen sei nicht gestattet, erklärt Thelen: "Die Klausur findet ja weiterhin unter Aufsicht statt, und wichtige Daten, mit denen gearbeitet werden soll, sind nur von den Rechnern im Prüfungsraum aus erreichbar. So stellen wir sicher, dass wir prüfen, was der oder die Einzelne kann." (Weiterlesen: Star-Informatiker der Uni Osnabrück geht in Ruhestand)

"Diese offene Form der Klausur ist nicht einfacher"Informatik-Dozent Tobias Thelen

Kein Büffeln mehr nötig?

Und was halten Thelens Studenten von der neuen Methode? Laut einer Mitteilung der Uni Osnabrück haben nach einem ersten, kleineren Versuch im Wintersemester über 80 Prozent der Teilnehmer angegeben, diese offene Form der Klausuren zu bevorzugen, weil sie realitätsnaher sei und das Büffeln vor den Klausuren deutlich reduziere. Entsprechend entspannt zeigte sich Max Liening, Informatik-Student im vierten Semester, am Freitag unmittelbar vor der Klausur im Gespräch mit unserer Redaktion: "Ich habe nichts auswendig gelernt, weil ich die Programmierbefehle ja jetzt online nachschauen kann." (Weiterlesen: Informatik der Uni Osnabrück zieht in alte Polizeiwache)

Auf die leichte Schulter nehmen könne man die Prüfung trotzdem nicht, wie Kommilitone Adrian Richter im Nachhinein feststellte. Ganz ohne Grundwissen und Methodenkenntnisse komme keiner aus. Zumal den Studenten die Zeit ganz schön im Nacken sitze. Nur 120 Minuten blieben ihnen für alle Aufgaben. Auch Dozent Thelen warnt: "Diese offene Form der Klausur ist nicht einfacher. Wer nicht bereits während des Semesters kontinuierlich mitarbeitet, kann den Rückstand kaum noch aufholen." 

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