„Uni in die Stadt hineingewachsen“ Ex-Minister Cassens stellt in Osnabrück Autobiografie vor

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Erinnerungen aufgeschrieben: Der ehemalige niedersächsische Wissenschaftsminister Johann-Tönjes Cassens präsentierte sein Buch „Diener zweier Bundesländer“ im European Legal Studies Institute (Elsi) der Universität. Foto: Gert WestdörpErinnerungen aufgeschrieben: Der ehemalige niedersächsische Wissenschaftsminister Johann-Tönjes Cassens präsentierte sein Buch „Diener zweier Bundesländer“ im European Legal Studies Institute (Elsi) der Universität. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Ohne den ehemaligen niedersächsischen Wissenschaftsminister Johann-Tönjes Cassens würde es die Universität Osnabrück in ihrer heutigen Form nicht geben. Professor Christian von Bar stellte im European Legal Studies Institute (Elsi) jetzt dessen Autobiografie „Diener zweier Bundesländer“ vor.

Der Untertitel „Eine bewegte Lebensgeschichte“ ist dabei alles andere als übertrieben. Nicht nur, weil der 1932 in Ostfriesland geborene Cassens seinerzeit als Vertreter einer neuen Generation von Politikern galt, die, von der traumatischen Erfahrung des Zweiten Weltkriegs geprägt, nicht mehr herrschen, sondern sich als Staatsdiener uneigennützig um das öffentliche Wohl kümmern wollten.

Auf dem Weg ins Ministeramt in der Landesregierung von Ernst Albrecht tat der aufstrebende CDU-Mann alles, um sich keinem Klischee zuordnen zu lassen. Als Werkstudent war er zunächst in der Gewerkschaft aktiv, wechselte dann zum Arbeitgeberverband nach Bremen, wo er vom jüngsten Abgeordneten der Bürgerschaft zum Spitzenkandidaten aufstieg.

Nach den „Armuts- und Kältejahren“ der Nachkriegszeit bestritt der junge Cassens auch sein Studium in Freiburg „unter bedrängender finanzieller Not“, betonte von Bar und zitierte auch die Anekdote, dass Cassens‘ Aufnahme an das Gymnasium fast daran gescheitert wäre, dass er kein Hoch-, sondern nur Plattdeutsch sprach. Oder die Episode, in der die Mutter des späteren Politikers 1945 kanadische Soldaten zum Tee einlud.

Kultur und Forschung vorangetrieben

Die zehn Ministerjahre in Hannover seien durch ein „unglaubliches Kaleidoskop an Maßnahmen und Initiativen“ gekennzeichnet gewesen, lobte von Bar die „enorme Vielgestaltigkeit“, mit der Cassens „seine“ Wissenschaft auch in Zeiten knapper Kassen vorangetrieben habe. Die Förderung der Kultur des Landes inklusive des Aufbaus einer „blühenden Museenlandschaft“ sei Cassens ebenso ein Anliegen gewesen wie der Ausbau der niedersächsischen Forschungslandschaft. Seine Verdienste um die Förderung kommunaler Theater, die Denkmalpflege und um die Profilierung Niedersachsens als Forschungsland hob auch Bürgermeister Burkhard Jasper hervor.

Vom Elan des damaligen Landeswissenschaftsministers profitierte nachhaltig auch die Stadt Osnabrück. In einem „erschwerten Gründungsprozess“ sei damals aus der Pädagogischen Hochschule eine Universität entstanden, in der zunächst Jura und Chemie studiert werden konnte, erinnerte sich der Autor persönlich.

Es sei ein „großes Glück“ gewesen, dass man die Hochschule nicht als Campus-Uni habe ausbauen müssen, sondern sie mit dem Schloss als repräsentativem Zentrum in die Stadt integrieren konnte. So sei die Universität mehr und mehr „in die Stadt hineingewachsen“, habe dort Arbeitsplätze und zusammen mit der Fachhochschule als Verbindungsglied zur Wirtschaft eine ausbaufähige institutionelle Struktur geschaffen, brachte Cassens den gegen alle Widerstände angestoßenen Prozess auf den Punkt.

Dass dieser bis heute wirkt, erfahre er, wenn er die Mensa besuche und dort auf Nachfrage viele positive Rückmeldungen von Studierenden erhalte, die ihre Universitätsstadt zu schätzen wüssten. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte Cassens einmal als „Mann für das Unmögliche“ beschrieben. Seine aufgeschriebenen Erinnerungen belegen und illustrieren dies aus erster Hand.


Johann-Tönjes Cassens: „Diener zweier Bundesländer. Eine bewegte Lebensgeschichte“, August von Goethe Literaturverlag (Frankfurter Verlagsgruppe), 266 Seiten, 19,80 Euro.

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