Hightech in der Panzerhalle Osnabrücker Seedhouse soll bundesweit Start-ups anlocken

Von Sebastian Philipp

Start-up-Manager Tim Siebert vor dem „Seedhouse“, das früher als Panzerreparaturwerkstatt diente. Das Gründerzentrum soll Unternehmerinnen wie Jamina Zaugg in der ersten Gründungsphase helfen. Foto: Jörn MartensStart-up-Manager Tim Siebert vor dem „Seedhouse“, das früher als Panzerreparaturwerkstatt diente. Das Gründerzentrum soll Unternehmerinnen wie Jamina Zaugg in der ersten Gründungsphase helfen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mit einem Brutkasten für die Ideen kluger, junger Köpfe will sich die Region Osnabrück bundesweit an die Spitze der Agrar- und Ernährungsbranche setzen. Das „Seedhouse“ im Wissenschaftspark an der Sedanstraße soll innovativen und verheißungsvollen Start-ups perfekte Bedingungen für die Unternehmensentwicklung bieten.

Wo bis vor etwas mehr als zehn Jahren britische Schützenpanzer gewartet wurden, werden in Zukunft Ideen ausgebrütet, die in der Agrar- und Ernährungsbranche ihresgleichen suchen sollen. „Start-up-Accelerator“ nennt das Land Niedersachsen das Konstrukt, das mit Fördermitteln des Wirtschaftsministeriums und Geld aus der regionalen Privatwirtschaft aufgebaut wird. Angehende Gründer sollen hier optimale Bedingungen vorfinden, um ihre Geschäftsideen zu testen und zu entwickeln.

Anders als im nur einen Steinwurf entfernten Innovationscentrum Osnabrück (ICO) gibt es im Seedhouse eine Rund-um-Betreuung, Interessenten müssen jedoch einen „Batch“, also ein spezielles Auswahlverfahren durchlaufen. Das Ziel: Nur Ideen mit großem Potenzial sollen hier wachsen dürfen.

Geburtstation für Ideen aus der Agrar- und Ernährungsbranche

„Wir sind hier quasi eine Geburtsstation für Gründer. Und ich bin die Hebamme“, sagt Tim Siebert, der den Titel „Start-up-Manager“ auf seiner Visitenkarte trägt. Er ist erster Ansprechpartner für die jungen Gründer, die in Zukunft an der Marie-Curie-Straße für jeweils drei bis maximal sechs Monate an ihren Konzepten arbeiten sollen.

Gerade in der Startphase benötigen viele Gründer besondere Unterstützung, Siebert bezeichnet sich daher nicht zu unrecht als Geburtshelfer. Die Nachwuchsunternehmer bekommen kostenlose Büro- und Laborräume, haben die Möglichkeit, Beratung und Coachings in Anspruch zu nehmen. „Wir wollen ihnen die Angst vor dem Gründen nehmen“, sagt Siebert.

Platz für drei bis fünf Start-ups

Im Seedhouse finden zeitgleich etwa drei bis fünf Start-ups Platz, die ihren dreimonatigen Aufenthalt maximal um weitere drei Monate verlängern können. Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, in denen vier Bewerbungsrunden – die bereits erwähnten „Batches“ – halbjährlich neue Gründer in das ehemalige Kasernengebäude spülen sollen. In der kurzen Wachstumsphase im „Start-up-Treibhaus“ wird das Vorhaben der Gäste auf Herz und Nieren geprüft, bestimmte Meilensteine müssen erfüllt werden. Dafür gibt es Fördergeld, Beratung – und wertvolle Kontakte in die Wirtschaft.

Passend zu den Schwerpunkten der regionalen Wirtschaft muss ein Großteil der Start-ups aus den Bereichen Agrar, Ernährung und Digitales kommen. Das Angebot soll sich nach dem Willen der Macher nicht nur an Hochschulabsolventen aus der Region richten. „Es ist schon so, dass wir auch Start-ups aus anderen Regionen nach Osnabrück locken wollen“, sagt Siebert.

Acht Zentren in Niedersachsen

Das Seedhouse ist eines von insgesamt acht Start-up-Zentren im Land Niedersachsen, die das Wirtschaftsministerium in den vergangenen Monaten auf den Weg gebracht hat. Jeder Standort fokussiert sich dabei auf einen Branchenschwerpunkt: In Göttingen steht die Medizintechnik im Mittelpunkt, Hildesheim konzentriert sich auf den Bereich Versicherungswirtschaft – und Osnabrück auf die Agrar- und Ernährungsbranche.

Die Besonderheit des hiesigen Zentrums ist das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Öffentlicher Hand. Das ICO, eine Tochter der Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Osnabrück, und die Privatwirtschaft arbeiten in einem Modell Öffentlich-Privater-Partnerschaft (ÖPP) zusammen. So können sich Hochkaräter aus der regionalen Wirtschaft finanziell und logistisch am Seedhouse engagieren. „Dass sich die Privatwirtschaft so einbringt, ist einzigartig in der Niedersächsischen Acceleratorenlandschaft“, sagt Florian Stöhr von Muuuh! Digital aus Osnabrück. Stöhr fungiert im Seedhouse quasi als Bindeglied zwischen Gründern und den Unternehmen, die sich für das Start-up-Zentrum starkmachen.

Großes Interesse aus der Wirtschaft

„Wir merken schon jetzt, wie groß das Interesse aus der Wirtschaft ist. Es herrscht eine richtige Aufbruchstimmung“, sagt Stöhr. Für die Start-ups ist das eine gute Nachricht: Sie profitieren in einem Mentorenprogramm vom Wissen der Unternehmen und können sich später regionale Player als Investoren an Bord holen.

Dazu wurde bereits eine Beteiligungsgesellschaft aus einem guten Dutzend regionaler Unternehmen ans Seedhouse angedockt. Zu den ersten Start-ups in der ehemaligen Panzerreparaturwerkstatt gehört das Unternehmen Bugbell: Gründerin Jamina Zaugg will im Seedhouse ihre Idee umsetzen, Hundefutter aus Insekten herzustellen.

Abriss nach zwei Jahren

Nach zwei Jahren soll übrigens planmäßig vorerst Schluss sein – und das nicht nur aus baulichen Gründen. Das Gebäude für die Wartung von Schützenpanzern wird 2020 abgerissen. Darauf hatten sich Stadt und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) einst bei der Übernahme des Areals geeinigt.

Für Siebert und Stöhr ist das kein Drama: „Mal sehen, wie sich das Seedhouse bis dahin entwickelt hat und in welcher Form es dann weitergeht“, sagt Stöhr.


Start-up-Zentrum Seedhouse:

Das Seedhouse an der Marie-Curie-Straße 3 in Osnabrück hat bereits den Betrieb aufgenommen. Gefördert wird das Start-up-Zentrum zu gleichen Teilen (je 200.000 Euro) vom Land Niedersachsen, der Sparkasse Osnabrück und einer Reihe von regionalen Unternehmen. Das Seedhouse ist organisatorisch an das Innovationscentrum Osnabrück (ICO) angedockt, das sich nur einen Steinwurf entfernt befindet. Anders als im ICO erhalten Gründer hier in ihrer Anfangsphase eine Rund-um-Betreuung und finanzielle Unterstützung.

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