Serie: Politiker und ihre liebsten Kulturorte Ein Herz für die freie Kultur: Sebastian Bracke am Hafen

Von Ralf Döring

Vielfalt der Kultur: Der Vorsitzende des Kulturausschusses, Sebastian Bracke, beim Sommerfest am fantastischen Freihafen - ausgestattet mit der Umhängetasche der Kunsthalle. Foto: Elvira PartonVielfalt der Kultur: Der Vorsitzende des Kulturausschusses, Sebastian Bracke, beim Sommerfest am fantastischen Freihafen - ausgestattet mit der Umhängetasche der Kunsthalle. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Wohin zieht es die Mitglieder des Kulturausschusses, wenn sie Kultur erleben wollen? Im zweiten Teil unserer Serie erklärt Sebastian Bracke (Die Grünen), warum er das Sommerfest am fantastischen Freihafen des Kulturvereins Petersburg e.V. so gut fand.

Film, Theater, Livemusik, dazu Jonglage, Workshops und vieles mehr: Das „Sommerfest am fantastischen Freihafen“ des „Freiraums Petersburg“ erfüllt für Sebastian Bracke eine ganze Reihe von Anforderungen, die er an eine lebendige Kulturszene stellt. „Das Sommerfest hat gezeigt, was Osnabrück kulturell überhaupt ausmacht“, sagt er: Viele Sparten treffen dort aufeinander, treten in Kommunikation miteinander, und das ganz unverkrampft. „Dieses Schlendrige“, wie er sagt: Das macht den Reiz des Fests aus. Und darin sieht er das kulturelle Osnabrück abgebildet.

Stellenwert der Kultur

Natürlich gehören für ihn Theater und Museen genauso zur kulturellen Vielfalt, und selbstverständlich hat er all die Institutionen im Blick. Das gehört zu seiner Aufgabe als Ratsmitglied und als Mitglied des Kulturausschusses in exponierter Funktion: Bracke sitzt dem Gremium vor. Das kein Zufall, denn darin drückt sich ein Stück grüner Lokalpolitik aus. „Der Kulturausschuss hat für die Grünen einen hohen Stellenwert“, sagt Bracke; deshalb hat die Partei den Ausschussvorsitz für sich reklamiert. Und Bracke zum Kulturpolitiker gemacht.

Politisch aktiv ist Bracke, seit er während seines Germanistik- und Geschichtsstudium im Asta der Universität Osnabrück gegen die Einführung von Studiengebühren gekämpft hat. Seine Asta-Kolleginnen und -Kollegen haben ihn auf andere Themen gebracht, haben ihn für Lesungen und Kino begeistert, für die Lagerhalle und deren Angebot. Auch das „Spieltriebe“-Festival des Theaters hat er so kennengelernt. Gleichwohl „hatte ich anfangs vergleichsweise wenig Ahnung“, sagt er über seine erste Zeit als Vorsitzender des Kulturausschusses.

Ein Kulturkeim

Kompetenz in Kulturpolitik und Kulturwissenschaft hat er sich schnell angelesen, hat Theater, Konzerte, Festivals besucht und vor allem vom Wissen und der Erfahrung seiner Parteifreunde profitiert. Und so ist Bracke zwar der Jüngste im Kulturausschuss und zählt gleichzeitig zu den drei Dienstältesten. „Die Kultur ist ein wichtiger Teil dessen, was das Leben ausmacht“, sagt Bracke. „Das wird bei uns verhandelt“, bei „uns“ im Kulturausschuss.

Natürlich geht es dort um die großen Einrichtungen, an der Spitze das Theater. Aber eben auch um den Freiraum Petersburg, jene Initiative, die gerade als „K.A.F.F.“ am Hafen eine neue Heimat findet, als „K. am fantastischen Freihafen“, wobei „K.“ für Keimzelle steht. Der Name ist Programm: Die Initiative ist ein aktiver Keim am Hafen. Eine verdiente Institution, die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur (Lags) düngt den Keim finanziell, bei einer anderen etablierten Institution, der Lagerhalle e.V. darf er überwintern, in einem Areal mit hohem Entwicklungspotenzial für die Kulturszene und die Stadt im Allgemeinen schlägt er Wurzeln. Daraus erwächst Kultur nach Brackes Geschmack.