Zahlreiche Proberäume entstehen Speicher am Osnabrücker Hafen werden zum Kreativquartier

Von Jörg Sanders

Die zwei noch verbliebenen Speicher am Hafen sind verkauft. Vier Unternehmer aus Osnabrück und Umgebung wollen dem Viertel neues Leben einhauchen. Archivfoto: Michael HehmannDie zwei noch verbliebenen Speicher am Hafen sind verkauft. Vier Unternehmer aus Osnabrück und Umgebung wollen dem Viertel neues Leben einhauchen. Archivfoto: Michael Hehmann

Osnabrück. Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann hat am Mittwoch den Bauantrag von den Geschäftsführern der Osnabrücker Speicher GbR für einen der beiden alten Speicher am Hafen erhalten. Schon Ende des Jahres soll im „lauten Speicher” neues Leben einziehen.

Die Speicher GbR hatte die zwei Betonkolosse aus den 30er-Jahren an der Elbestraße von Erschließungsgesellschaft ESOS gekauft, einer hundertprozentigen Tochter der Stadtwerke. Sie standen seit dem Abzug der Briten leer. Die Köpfe der dafür gegründeten Speicher GbR wollen aus den beiden 60 Meter lange und fünf Stockwerke hohen Kolossen einen lauten und einen leisen Speicher machen. Im lauten sollen viele Proberäume entstehen, die in Osnabrück dringend benötigt werden, aber auch etwa Ateliers. Im leisen Speicher könnten Künstler und Architekten unterkommen.

Die zwei verbliebenen Speicher an der Elbestraße. Foto: Google

Die Geschäftsführer der Osnabrücker Speicher GbR, Max Lingens und Matthias Folkers, übergaben Kulturdezernent Beckermann bei dem Pressetermin eine Kiste voller Unterlagen – der Bauantrag zur Umnutzung des lauten Speichers. Es ist der nördliche Speicher mit der Nummer 49.

Die Speicher bieten viel Platz. Foto: Osnabrücker Speicher GbR/Tom Bendix

Stadt glücklich über Lösung

Beckermann betonte, mit den Speichern könne das Problem der fehlenden und wegfallenden Proberäume entschärft werden. Zur Erinnerung: Am Güterbahnhof fallen die Proberäume Ende des Jahres weg, bis spätestens Mitte kommenden Jahres müssen die Proberäume am Limberg geräumt werden. Der Verkauf der Speicher sei „eine Lösung, die langfristig trägt”, so Beckermann. Darin seien sich Stadtbaurat Frank Otte, Patricia Mersinger, Fachbereichsleiterin Kultur, sowie er einig.

Die Sanierungsarbeiten am lauten Speicher sollen schon bald starten. Foto: Osnabrücker Speicher GbR/Tom Bendix

Parteien schweigen zum Kaufpreis

„Gekauft haben wir, weil wir uns in den Ort und die Gebäude verliebt haben”, sagte Matthias Folkers, einer der Geschäftsführer der Speicher GbR. Zum Kaufpreis schweigen sich ESOS und die Investoren weiterhin aus. ESOS-Prokurist Marcel Haselof ließ sich zumindest entlocken, dass Wertgutachten die Speicher auf je mehrere Hunderttausend Euro bezifferten.

Lingens sagte, ihm liege das Projekt am Herzen; dennoch „müssen wir auch Geld verdienen”. Die Mehrkosten für die Bands gegenüber den Räumen am Güterbahnhof oder Limberg sollen jedoch gering bleiben.

Speicher 49 (vorn) und 50 (dahinter). Archivfoto: Michael Hehmann

Entsprechend sei schon jetzt die Nachfrage. „Wir haben schon viele Anfragen”, sagte Lingens – von Musikern, aber auch etwa Fotografen und Marketingagenturen. In etwa so habe er sich den Mix auch vorgestellt.

Gebäude werden kernsaniert

Lingens versicherte, die Speicher von Grund auf kernsanieren zu wollen. Fenster, Böden, Dach, Anschluss ans Nahwärmenetz, Elektrik – alles soll erneuert werden. „Wir wollen den alten Charme mit moderner Architektur kombinieren”, sagte er – alles in Abstimmung mit dem Denkmalamt. Die beiden Speicher stehen unter Denkmalschutz.

Einer der alten Speicher. Archivfoto: Jörn Martens

„Wir wollen nun richtig Gas geben”, sagte Lingens. Schon Ende des Jahres könnten die ersten Bands in den Räumen proben – passend zum Wegfall der Räume am Güterbahnhof. Weitere Räume sollen bis Mitte 2019 fertig sein – passend zum Wegfall der Räume am Limberg. Auch die Arbeiten am leisen Speicher sollen noch in diesem Jahr beginnen.

Matthias Folkers (2.v.l.) und Max Lingens (3.v.l.), Geschäftsführer der Speicher GbR, übergeben den Bauantrag an Kulturdezernent Wolfgang Beckermann (4.v.l.), Patricia Mersinger (Fachbereichleiterin Kultur) sowie ESOS-Prokurist Marcel Haselof (l.). Foto: Stadt Osnabrück/Meyering

K.A.F.F. als Nachbar

Schon vor Jahren hatte die Stadt den Hafen zum Kreativquartier erklärt. „Das ist ein deutlicher Schub für das Kreativviertel”, so Beckermann.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich gegenüber von Speicher 49 die Petersburg mit ihrem K.A.F.F. niedergelassen. Das Gebäude mit dem Glockenturm hatte 1933 als Heereslager fungiert, später als Wache der britischen Militärpolizei. Das Institut für Musik der Hochschule ist nebenan in der alten Heeresbäckerei sowie der Studiengang Industrial Design.

Mitglieder des Kulturvereins Petersburg haben in dem Gebäude mit dem K.A.F.F. eine Alternative zum Güterbahnhof. Foto: Michael Gründel



Die Geschichte der Speicher

In den 30er-Jahren hatte Hitler in Deutschland nahezu baugleiche Heeresverpflegungslager errichten lassen – als Vorbereitung auf den geplanten Krieg. Fünf dieser Speicher entstanden in Reih und Glied am Stichkanal sowie eine Getreidemühle und eine Bäckerei.

Als die Briten das Kommando in der Winkelhausenkaserne das Kommando übernahmen, ließen sie einen Speicher abreißen. Vier Speicher dienten ihnen als Möbellager, Büro, Mannschaftsräume und Casinos.

Zwei der verbliebenen vier Speicher ließ die ESOS 2016 abreißen, obgleich sie unter Denkmalschutz standen. Das Areal wurde als Containerumschlagsplatz benötigt. Ursprünglich sollte sogar ein dritter Speicher abgerissen werden, letztlich wurde er erhalten.

Hinter dem Erwerb der beiden 60 Meter langen und fünf Stockwerke hohen Getreidespeicher aus der NS-Zeit steckt die Speicher GbR, gegründet von vier Unternehmern aus Osnabrück und Umgebung: Matthias Folkers, Vorstand der Osnabrücker Pion Technology AG und Gründer von Billsafe (2011 von Paypal gekauft), Martina Bensmann-Krebs, Geschäftsführerin der Wellentaucher Beratungsgesellschaft in GMHütte (www.meinesauna.de), sowie Max und Benedictus Lingens. Die Brüder sind die Geschäftsführer der Corso Sauna Manufaktur aus Bramsche-Hesepe. 

Weitere Informationen zu den Speichern sind auf der Internetseite der Speicher GbR www.speicher-osnabrueck.de zu finden.