Grabpflege auf dem Johannisfriedhof Schüler des Stauffenberg-Gymnasiums halten Kriegsandenken wach

Mit Bürste und Wasser: Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums und Reservisten der Bundeswehr haben das Kriegsgräberfeld aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Johannisfriedhof gepflegt. Foto: Jörn MartensMit Bürste und Wasser: Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums und Reservisten der Bundeswehr haben das Kriegsgräberfeld aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Johannisfriedhof gepflegt. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. In diesem Jahr jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Mit der Pflege von Kriegsgräberfeldern will das Graf-Stauffenberg-Gymnasium ihren Beitrag zur Gedenkkultur leisten.

Kurz vor den Ferien ging es für 14 Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums nicht in die Eisdiele, sondern auf den Johannisfriedhof. Im Rahmen eines Projekttages wurden dort Kriegsgräber aus dem Zweiten Weltkrieg gereinigt und umgestaltet. Unterstützung bekamen die Schüler von der Stadt Osnabrück, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Lehrerin Sylvia Landscheidt mit ihrem Geschichtskurs auf dem Johannisfriedhof engagiert und Gräber aus dem Ersten Weltkrieg gepflegt. Ziel war es schon damals, die Schüler für die Schicksale der Menschen zu sensibilisieren, die damals an der Front starben oder in der Heimat litten. „Die Schüler sollen sich die Geschichten hinter den Gräbern erschließen.“

Viele Jahre verwildert

171 Kriegsgräber mussten nun geschrubbt und von Unkraut befreit werden. „Außer Rasen gemäht wurde hier schon viele Jahre nichts mehr gemacht“, sagte Eva Güse, Abteilungsleiterin Friedhöfe und Bestattungswesen beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB). Sie freute sich, dass Schüler den Friedhof als außerschulisches Feld entdecken. „Hier wird Stadtgeschichte erlebbar.“

Wer meint, dass es vor den Ferien schönere Dinge gibt als Grabsteine zu putzen, der wurde eines Besseren belehrt. Viele Schüler waren mit Begeisterung bei der Sache. „Ich find das super“, sagte zum Beispiel Vanessa Schürmeyer. „Das war eine schlimme Zeit damals, und es ist wichtig, dass man sich daran immer wieder erinnert, damit so etwas nicht wieder passiert.“

Einer der ältesten Friedhöfe

Der Johannisfriedhof gehört zu den ältesten Friedhöfen der Stadt. 1808 wurde der „Todtenhof vor dem Johannistore“ parallel zum „Todtenhof vor dem Hasetore“ gegründet. Seit 1983 steht der Johannisfriedhof unter Denkmalschutz und wurde 2015 entwidmet. Seither gilt er als Park. (Weiterlesen: Historische Friedhöfe in Osnabrück sind seit 2016 Parks) In den Kriegsgräbern des Zweiten Weltkriegs liegen vor allem die Toten des Stollenbunkers am ehemaligen Kinderheim an der Iburger Straße. Am Mittag des 21. November 1944 wurde Osnabrück einmal mehr Ziel eines alliierten Luftangriffs. 96 Menschen starben an diesem Tag in dem Bunker. (Weiterlesen: Was bedeutet „Entwidmung“ für einen Friedhof?)

Ausgangspunkt des von den Schülern ins Leben gerufenen Aktionstages ist ein Schulprojekt über die Kriegsgräber des Zweiten Weltkrieges. Die Schüler erstellen ein Heft, das auch für die kommenden Generationen des Gymnasiums zur Verfügung stehen soll, das Hintergrundinformationen zu den Verstorbenen und zu den Umständen des Krieges bietet. Lehrerin Landscheidt würde sich über Informationen von Hinterbliebenen der Toten auf dem Johannisfriedhof freuen. Zu erreichen ist sie per E-Mail.


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